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Zahnheilkunde 2. Juni 2010

Fluoridierte Zahnpasta. Und dann: Zahnseide oder Fluorid-haltige Mundspülung?

Eine rezente Studie befasst sich mit der Speichel-Fluorid-Clearance im Zusammenhang mit Mundhygienemaßnahmen.

Senkt die Verwendung von Zahnseide nach dem Zähneputzen mit einer Fluor-haltigen Zahncreme den Fluorgehalt im Speichel? Und wenn ja, kann dies durch eine Mundspülung mit einem Fluorid-haltigen Präparat kompensiert werden? Diese beiden Fragen sollten in einer Studie mit 20 Probanden geprüft werden.

Fluoridierte Mundpflegepräparate haben nachweislich einen Karies-präventiven Effekt. In den vergangenen Jahren werden immer häufiger auch Mundspülungen als Ergänzung zum Zähneputzen verwendet. Sinnvollerweise sollte zusätzlich eine Reinigung der Interdentalräume mit Zahnseide erfolgen. In dieser Studie soll geklärt werden, ob die Verwendung von Zahnseide nach dem Zähneputzen durch Entfernung von fluoridhaltigen Zahncremeresten zu einer Reduktion des Fluorgehaltes im Mundraum führt. Weiterhin sollte geprüft werden, ob dieser mögliche behandlungsbedingte Fluoridverlust durch eine Mundspülung mit einem fluoridhaltigen Präparat kompensiert werden kann. Diese Fragestellung ist deshalb von Interesse, weil der Fluorgehalt im Speichel eine präventive Rolle bei der Kariesentwicklung spielt.

Es handelt sich bei dieser Untersuchung um eine beaufsichtigte, einzelverblindete (für den Untersucher verblindet), randomisierte Crossover-Studie, bei der jeder Studienteilnehmer jede Studienbehandlung einmal in einem Abstand von einer Woche durchführt. Insgesamt nehmen 24 Probanden aus dem Raum Manchester (England) im Alter von 18 bis 55 Jahren an der Studie teil. Für die Aufnahme mussten die Teilnehmer folgende Kriterien erfüllen: Fähigkeit, die vorgegebenen Mundhygienemaßnahmen durchzuführen, Bereitschaft einen Fragebogen zu medizinischen Fragen auszufüllen, Vorhandensein von mindestens 18 eigenen Zähnen sowie ausreichendem Speichelfluss (2 ml). Ausgeschlossen wurden u.a. Kandidaten mit Zahnfleischerkrankungen oder Karies, Medikamenteneinnahme, die den Speichelfluss beeinflusst, sowie schwangere und stillende Frauen.

Insgesamt wurden drei Mundhygienemaßnahmen getestet: 1. Zähneputzen mit 1g NaF-haltiger Zahncreme (1.450 µg F/g) für die Dauer von einer Minute, gefolgt von einer Mundspülung mit Wasser (Dauer 5 s); 2. wie 1., aber gefolgt von einer Zahnseidebehandlung mit konventioneller Zahnseide; 3. wie 2., aber zusätzlich gefolgt von einer Mundspülung mit 20 ml einer NaF-haltigen Mundspülung (226 mg F/l). Vor der Studienphase erhielten die Probanden eine nichtfluoridierte Zahncreme, die sie eine Woche vor Studienbeginn verwenden sollten. Diese Zahncreme sollte auch während der Testphase angewendet werden. Am jeweiligen Testmorgen reinigen die Probanden ihre Zähne allerdings nur mit der Fluorid-haltigen Testzahncreme sowie dem entsprechenden Folgeprocedere.

Für die Bestimmung der Fluorid-Clearance des Speichels sammeln die Testpersonen sowohl vor als auch 10, 20, 30, 60, 90 und 120 Minuten nach der jeweiligen Mundhygienemaßnahme Speichel in einem Plastikröhrchen (2 ml). Während dieser Testphase dürfen die Probanden weder Nahrung noch Getränke konsumieren, um das Testergebnis nicht zu beeinflussen. Der Fluorgehalt im Speichel wird mit einer ionenspezifischen Elektrode ge-messen.

Von den 24 rekrutierten Testpersonen schlossen 20 die Studie ab. Die anderen schieden aufgrund mangelnder Compliance bzw. in einem Fall aufgrund unzureichender Speichelmenge aus. Die Fluoranalyse zeigte, dass nach allen drei Anwendungen der Fluorgehalt im Speichel gegenüber der Situation vor der Anwendung um mindestens das Fünffache erhöht war.

Die Zahnseidenanwendung hatte keinen signifikanten Einfluss auf den Fluorgehalt im Speichel. Die Mundhygienemaßnahme 3 (Zähneputzen + Zahnseidebehandlung + Mundspülung) erzeugte allerdings durch die zusätzliche Verwendung einer Fluorid-haltigen Mundspülung die höchsten Fluorwerte im Speichel (p<0.00003). Die Werte waren dabei zu allen Testzeitpunkten höher als nach Behandlung 1 und 2 (p<0.01). Durch die Anwendung der Maßnahme 3 wurde im Vergleich zu Anwendung 1 zu allen Zeitpunkten eine Zunahme der Fluorkonzentration im Speichel von über 50 Prozent erreicht.

Es kann festgehalten werden: Eine Zahnreinigung mit einer Fluorid-haltigen Zahncreme erhöht den Fluorgehalt im Speichel. Allerdings kann die zusätzliche Anwendung einer fluoridierten Mundspülung diesen Effekt deutlich verstärken. Dies gilt auch, wenn nach der Zahnreinigung eine Zahnseidenbehandlung durchgeführt wird. Eine Zahnseidenanwendung mindert den Fluoridgehalt im Speichel nicht signifikant.

Duckworth R.M.1, C. Horay2, E. RHuntington2, V. Mehty3 (1 Consultancy Tarpoley; 4-Front Research Ltd., Capenhurst; 3 4-Front Research Ltd., Manchester; 1-3 Großbritannien): Effects of flossing and rinsing with a fluoridated mouthwash after brushing with a fluoridated toothpaste on salivary fluoride clearance.

Caries Research, 43 (2009) pp. 387-390.

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