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Abb. 1: Kranke und schwache Senioren brauchen Unterstützung bei der Mundhygiene.
 
Zahnheilkunde 2. Juni 2010

Mundgesundheitsprogramm in einem Altenpflegeheim

Ein Programm zur Verbesserung der Pflege-gestützten Mundhygiene erwies sich als effektiv.

Die Mundhygiene von Seniorenheimbewohnern lässt häufig zu wünschen übrig. In einem norwegischen Altenpflegeheim wurde deshalb ein Programm zur Verbesserung der Pflegepersonal-gestützten Mundhygiene (Schulung, Informationsmaterial, Hygieneartikel etc.) implementiert und die Effekte dann über sechs Jahre evaluiert.

Die Mundgesundheit älterer Menschen ist sowohl im Hinblick auf den allgemeinen Gesundheitszustand, als auch hinsichtlich sozialer Aspekte von Bedeutung. So konnte in verschiedenen Studien bei älteren Personen mit schlechter Mundgesundheit ein erhöhtes Risiko für systemische Erkrankungen nachgewiesen werden. Kranke und schwache Senioren benötigen allerdings Unterstützung bei der täglichen Mundhygiene. Dies gilt besonders für Menschen, die an einer Demenz leiden. In Altenpflegeheimen ist das Personal angewiesen, auf die Mundhygiene der Bewohner zu achten. Allerdings ergaben Untersuchungen, dass diese Maßnahmen im Rahmen der täglichen Pflege nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Ursachen liegen möglicherweise in der unzureichenden Kenntnis des Pflegepersonals hinsichtlich der Mundpflege. Dieses Defizit könnte durch entsprechende allgemeingültige Versorgungsvorgaben kompensiert werden. Hierfür fehlen allerdings bislang Studien zum Langzeiterfolg solcher Programme.

Die Studienpopulation dieser Querschnittsstudie bestand zum Zeitpunkt des Studienbeginns 2002 aus 88 Bewohnern (74 Frauen, 14 Männer) eines norwegischen Altenpflegeheims, deren Oralhygienestandards vor und nach der Einführung eines Mundgesundheitsprogramms ermittelt wurden. Bei der Nachfolgeuntersuchung 2008 wurden erneut 88 Teilnehmer (69 Frauen, 19 Männer) verzeichnet. In der Zwischenzeit führte man im betreffenden Pflegeheim folgende Mundhygienemaßnahmen ein:

Zunächst wurde das Pflegepersonal durch Fachkräfte (z.B. Zahnärzte) geschult und motiviert, die Maßnahmen umzusetzen. Außerdem fertigte man spezielle Karten mit Bildmaterial zur richtigen Zahn- und Mundpflege an. Dabei berücksichtigte man die individuellen Bedürfnisse der Bewohner. Die Karten wurden an den Badezimmerwänden der Bewohner befestigt und dienten als Hilfestellung für die durch das Pflegepersonal unterstützte bzw. durchgeführte tägliche Mundpflege. Weiterhin versorgte man die Senioren mit adäquatem Material für die Hygienemaßnahmen (elektrische Zahnbürsten, Interdentalbürsten, Zahncreme, Fluoridtabletten). Darüber hinaus bestimmte man in jeder Heimabteilung eine Person, die die Funktion einer Kontaktperson für die orale Hygieneversorgung der Bewohner übernahm und im direkten Kontakt zum Dentalteam stand. In dieser Funktion sorgte sie auch dafür, dass neue Bewohner mit dem entsprechenden Material versorgt wurden (Karten etc.). Außerdem dokumentierte sie zahnmedizinische Probleme der Senioren.

Zum Programm gehörte auch die regelmäßige Überprüfung der Hygienemaßnahmen und der Reaktionen der Bewohner auf diese Maßnahmen. Außerdem wurde vor, drei Monate nach Einführung des Programms sowie danach regelmäßig alle sechs bis 18 Monate und zum letzten Mal sechs Jahre nach Programmeinführung der Mukosa-Plaque-Score (MPS; Indikator für orale Hygiene) ermittelt. Der MPS beinhaltet sowohl Plaque auf der Zahnoberfläche als auch den Gesundheitszustand der Mukosa (Entzündungszeichen).

Bei der letzten Untersuchung im Jahr 2008 hatten 36 der 88 Teilnehmer (41%) ausschließlich eigene Zähne, während bei 31 (35%) eine Kombination aus eigenen Zähnen und Zahnprothesen und bei 21 (24%) ausschließlich Zahnprothesen dokumentiert wurden. Im Vergleich dazu lagen die Zahlen bei der ersten Untersuchung (2002) noch bei 36%, 29%, 35% und waren damit schlechter als 2008. Die statistische Analyse zeigte, dass die Unterschiede für alle drei Gruppen signifikant waren (p<0,001) und sich die Situation durch die Maßnahmen demnach signifikant verbessert hatte.

Auch der MPS verbesserte sich in diesem Zeitraum. Während 2002 nur 36 Prozent der Bewohner einen akzeptablen MPS zeigten, waren es nach der Implementierung des Programms 70 Prozent. Statistisch gesehen war die Verbesserung der Mundhygiene bereits nach drei Monaten signifikant (p<0,001) und blieb es bis zur letzten Untersuchung sechs Jahre später (p<0,001). Die weitere Analyse der Daten zeigte, dass der MPS durch den Zahnstatus beeinflusst wurde. Bewohner mit eigenen Zähnen hatten einen signifikant schlechteren MPS als solche mit Zahnvollprothesen (p<0,001). Auch eine sicher diagnostizierte manifeste Demenz führte zu besseren MPS-Werten als eine unsichere Demenzdiagnose (p<0,049). Der Grund war vermutlich, dass diese Patienten bei der Pflege stärker unterstützt wurden. Außerdem korrelierten in dieser Studie die Mukosawerte positiv mit den Plaquewerten.

Bewohner, die trotz des Programms und der damit einhergehenden Unterstützung bei der täglichen oralen Pflege eine schlechte Mundhygiene aufwiesen, waren entweder sehr krank, litten unter demenzbedingten Aggressionen oder führten die Mundhygienemaßnahmen ohne Unterstützung des Pflegepersonals durch, da sie ausreichend selbstständig waren.

Schlussfolgerung: Ein Programm zur Pflegepersonal-gestützten Mundhygiene hat bei Bewohnern eines norwegischen Altenheims in einem Zeitraum von sechs Jahren durchgängig zu einer deutlich verbesserten oralen Hygiene geführt. Dabei ist allerdings nicht klar, welche einzelnen Faktoren des Programms bzw. die Studiensituation selbst zu der Verbesserung geführt haben.

Quellen:  Samson1, H., L. Berven2, G.V. Strandi1 (1 Department of Clinical Dentistry – Gerontology, Faculty of Medicine and Dentistry, University of Bergen, Bergen; 2 Lovason Nursing Home, Bergen; 1.-2. Norwegen): Long-term effect of an oral healthcare programme on oral hygiene in a nursing home. European Journal of Oral Sciences, 1117 (2009) pp.575-579. Wissenschaftlicher Informationsdienst des IME (Informationskreis Mundhygiene und Ernährungsverhalten), Ausgabe 1/2010

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