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Foto: Weber
Farben lügen nicht: Ihre Sprache ist objektiv und wirkt auf jeden Menschen gleich.

Prof. Dr. Max Lüscher Begründer der wissenschaftlichenLüscher Color-Diagnostik

 
Zahnheilkunde 1. Juni 2010

Rücken Sie Ihre Praxis ins rechte Licht

Wie man Farben gezielt einsetzt, um positive Emotionen zu erzeugen.

Sind Ihre Praxiswände einfach nur weiß, und Ihre Möbel glänzen in klassischem Schwarz? Dann verschenken Sie wichtige Stimmungsgeber.

 

Prof. Dr. Max Lüscher, Schweizer Begründer der wissenschaftlichen Lüscher Color-Diagnostik, erläutert im Zahn Arzt-Interview, warum Sie welche Farben in Ihrer Ordination einsetzen sollten.

 

Prof. Dr. Lüscher, warum ist eine patientenorientierte Farbgestaltung von Zahnarztpraxen empfehlenswert?

Lüscher: Wenn der Patient in die Praxis kommt und die Atmosphäre als freundlich empfindet, fühlt er sich aufgenommen und angenommen. Seine Einstellung zur Behandlung wird positiver. Das ist wichtig, weil der Behandlungseffekt zu einem erheblichen Teil vom Vertrauen zum Arzt abhängt und die Compliance verbessert.

 

Wie entdeckten Sie die Wirkung der Farbgestaltung von Räumlichkeiten auf Menschen?

Lüscher: Der Verleger Axel Springer betraute mich mit dem Farbdesign einiger seiner Pressetitel. Dabei bekam ich Kontakt mit Redakteuren, die über die weißen Wände in ihren Büros im neuen Berliner Verlagshaus klagten. Weiß ist einerseits wegen seiner starken Strahlwirkung ermüdend, andererseits deshalb, weil es keine Emotionen anspricht, diese sogar blockiert.

 

Stimmt es, dass auf Ihre Initiative hin weiße Bekleidung und Abdecktücher aus OP-Räumen verbannt wurden?

Lüscher: Ja, ich hielt im Basler Bürgerspital (heute Kantonsspital) einen Vortrag vor Chefärzten. Ich riet, die weißen Kleider und Tücher lindengrün einzufärben, was die Augen des operierenden Personals schone. Meine Empfehlung stieß bei den meisten Chefärzten und Chirurgen auf Skepsis. Einer der angesehenensten Chirurgen seiner Zeit, Professor Rudolf Nissen, erklärte sich zu einem Versuch bereit. Das Ergebnis ist bekannt: Heute werden in Operationsräumen auf der ganzen Welt grün oder blau eingefärbte Tücher verwendet.

 

Wirken Farben nicht auf jede Person unterschiedlich?

Lüscher: Nein! Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Jede Farbe hat eine bestimmte Schwingungsfrequenz. Das menschliche Auge nimmt diese auf. Sie erzeugt eine bestimmte, genau definierbare Emotion, die bei allen Menschen rund um den Erdball gleich ist.

 

Die Farben lügen nicht …?

Lüscher: Ja, die Sprache der Farben ist objektiv. Sie wirken, ob man sie bewusst oder nur unbewusst wahrnimmt. Niemand kann sich ihrer Wirkung entziehen. Darum ist es gerade auch in Arztpraxen so wichtig, dass man mit der richtigen Farbe, dem richtigen Farbton, die optimalen Emotionen erzeugt.

Welche Farben empfehlen Sie für Zahnarztpraxen?

Lüscher: Günstig sind ein blasses Gelb und ein blasses, gelbliches Hellgrün. Empfehlenswert sind auch starke Farben wie Rot (nicht als Orange-Rot sondern als Siena-Rot), die aber nicht großflächig verwendet werden sollten. Sparsam ist auch mit Blau umzugehen. Hellblau ist angezeigt, wo Leichtigkeit und Kühle vermittelt werden sollen, dort empfehlenswert in Kombination mit dem blassen Gelb. Weiß darf großzügig – aber nicht ausschließlich – eingesetzt werden, z. B. auch in Zusammenhang mit Bildern. Vermeiden sollte man Schwarz und Dunkelgrau, denn sie wirken eigensinnig und depressiv.

 

Gibt es für die einzelnen Praxisräume individuelle Empfehlungen?

Lüscher: Das Wartezimmer kann etwas gewagter gestaltet werden als z. B. das Behandlungszimmer des Zahnarztes. Die Arbeitsräume des Personals dürfen origineller ausfallen, auch um die Mitarbeitenden zu motivieren. Die Böden dürfen im Eingangsbereich und im Korridor hell sein. Dennoch sollte berücksichtigt werden, dass überall dort, wo man sich aufhält und wo gearbeitet wird, die Farben nicht zu hell sein sollten, denn dunkle Farben vermitteln Stabilität und Festigkeit. Auch hier sollten Sie aber Schwarz und Dunkelblau vermeiden.

Welchen Einfluss hat die Beleuchtung?

Lüscher: Sogar einen großen. Bei Neonröhren sollte die leicht rosagetönte Sorte gegenüber der grell- weißen bevorzugt werden. Die Röhren sollten nicht direkt sichtbar, sondern abgedeckt sein.

 

Welche Bilder sollten aufgehängt werden?

Lüscher: Ich war kürzlich bei einem Arzt, dessen Sohn Bilder malt. Alle zeigten verzerrte Gesichter in Schwarz und Grau. Grässlich. Auch die Bebilderung in Arztpraxen hat einen Einfluss auf die Emotionen der Patienten. In meiner Praxis in Basel waren farbige Grafiken u. a. von Vasarelli. Kein Risiko geht man mit Impressionisten wie Renoir, Degas oder Monet ein. In einer konservativ eingerichteten Praxis eignen sich z. B. Werke von Albert Anker.

 

Müssen Ihre Ratschläge nicht oft an den finanziellen Möglichkeiten scheitern?

Lüscher: Ein paar frische Blumen alle paar Tage kosten nicht die Welt. Vielfach kann man schon mit kleinen Retouschen viel bewirken. In einem großen Spital in Wien störten mich die beige getünchten Korridore, die eine deprimierende, sterile Atmosphäre ausstrahlten. Da nur knappe Mittel vorhanden waren, beschränkte ich mich auf die Neugestaltung der Trennwände und Türen in den Korridoren, die etwa je 15 Meter auseinander lagen: Die Säulen wurden orange und die Trennwände hellgrün gestrichen. Die Wirkung war frappant.

 

Das Gespräch führte Jörg Weber

 

© Medien&Medizin Verlag Zürich

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