zur Navigation zum Inhalt
Die modernen hohen Anforderungen an die Hygiene in der Zahnheilkunde stellen alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Kaum noch vorhandene finanzielle Ressourcen im Gesundheitswesen stehen immer höheren Ansprüchen und einer Flut von Regelwerken (Ges

Dr. Franz Hastermann Zahnarzt in Wien und Gründer der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene in der Zahnheilkunde (ÖGHZ)

 
Zahnheilkunde 1. Juni 2010

ÖGHZ – eine neue Fachgesellschaft stellt sich vor

Ende 2009 gründeten Dr. Franz Hastermann und DDr. Claudius Ratschew die „Österreichische Gesellschaft für Hygiene in der Zahnheilkunde“.

Der Schritt fiel nicht leicht. Denn einerseits ist „Vereinsmeierei“ beiden Proponenten eigentlich zuwider, andererseits erfordert die professionelle Führung einer solchen Fachgesellschaft viel Engagement und Zeit. Letztere ist – unschwer zu erraten – für alle Beteiligten nur sehr spärlich vorhanden. Wie kam es also dazu?

 

Seit mehr als sieben Jahren wird im Bundesministerium für Gesundheit eine Verordnung gemäß §93,94 Medizinproduktegesetz verhandelt. Diese Verordnung, im Fachjargon als „Hygieneverordnung“ bekannt, wird seit Jahren vom Ministerium als dringlich eingestuft, der Fortschritt in den Verhandlungen ist aber bescheiden, ja geradezu null, das Zwischenergebnis inakzeptabel. Als Delegierter der Zahnärzteschaft sah ich mich über weite Strecken übermächtigen Gegnern gegenüber. Die Ärztekammer, unter deren „Dach“ die Zahnärzteschaft damals noch stand, hat sich – wenngleich selbst massiv betroffen – kaum mit dem Thema befasst, ja sogar oft die Fortschritte der Zahnärzteschaft konterkariert. Die Zeit steht aber nicht still. In diesen sieben Jahren wurden abseits der Verhandlungen zur Hygieneverordnung zahllose Richtlinien und Normen erarbeitet und novelliert. Somit wird die nicht existierende Hygieneverordnung längst von anderen Regelwerken rechts überholt. Und, werte Kollegen, daran sind nicht wieder einmal „Brüssel und die EU“ schuld, wie man oft gerne vorschnell sagt. Vielmehr liegt ein gehöriger Teil der Schuldigkeit hier bei uns in Österreich!

Sowohl die nicht existierende Hygieneverordnung als auch die bereits erwähnten anderen, real existierenden Regelwerke haben eines gemeinsam: Sie beschäftigen sich mit allen möglichen Problemen der Instrumentenaufbereitung, aber immer aus der Sicht der Krankenhäuser und Operationssäle. Problemstellungen der zahnärztlichen Instrumentenaufbereitung werden entweder ignoriert, oder es werden absurde Lösungswege vorgeschlagen. Nicht zuletzt werden finanzielle Auswirkungen auf das System völlig ignoriert. Punktuell entstehen Situationen, in denen die Logistikkosten der Instrumentenaufbereitung den erzielten Umsatz der mit eben diesen Instrumenten erbrachten Leistung bei Weitem übersteigen!

Stichwort Validierung

Ein zentraler Punkt der Hygieneverordnung ist die Validierung des Aufbereitungsprozesses. Diese verursacht aber hohe Kosten. Abermals bleiben zahnärztliche Problemstellungen weitgehend unberücksich-tigt. Die Anforderungen für die Zahnheilkunde werden vermehrt mit „Krampflösungen“ in ein dafür unbrauchbares Schema gepresst. Nicht umsonst rangieren in Deutschland, wo derzeit ungezügelt validiert wird, die Kosten für die Ordinationshygiene bereits an zweiter Stelle nach den Personalkosten und schicken sich gerade an, Platz eins zu erobern.

Es war also höchste Zeit, hier einen Schlussstrich zu ziehen – um endlich zu beginnen, die Anforderungen für die Instrumentenaufbereitung in der Zahnheilkunde so zu definieren, wie es pratikabel, problemangepasst und dennoch normkonform ist. Dieses Anforderungsprofil wird von einer Gruppe mit jahrzehntelanger Erfahrung in zahnärztlicher Arbeit, technischer Hygiene und wirtschaftlicher Durchführbarkeit erarbeitet und von einer kleinen Gruppe namhafter Hygieniker unterstützt und beraten, die sich wirklich mit zahnärztlichen Instrumenten auskennt und große Erfahrung in der Prozessvalidierung hat.

Die Aufgaben der ÖGHZ

Die Erarbeitung dieser Aufbereitungserfordernisse sowie das Erstellen eines Empfehlungskataloges sind also die ersten und vordringlichsten Ziele. Seit Jahresbeginn 2010 werden die meisten traditionell bestehenden sowie neu geschaffene Informations-, Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen der Zahnärzteschaft zum Thema Ordinationshygiene und Instrumentenaufbereitung in Zusammenarbeit mit der ÖGHZ abgehalten. Speziell die neu geschaffene Zusatzausbildung für zahnärztliche AssistentInnen erfreut sich äußerster Akzeptanz und Beliebtheit, was ein erstes Indiz für eine Erfolgsstory sein könnte.

Die wesentlichen Arbeitsziele der ÖGHZ (Auszug aus den Statuten)
  • Standardisierung und sinnvolle Weiterentwicklung der Hygiene in der Zahnheilkunde zum Wohle der Patienten und aller im zahnärztlichen Bereich tätigen Personen.

Schwerpunkte:
  • Instrumentenaufbereitung
  • Sterilgutaufbereitung und Bereitstellung
  • aseptisches Arbeiten (Oralchirurgie)
  • Cross Infection Control/Infektionsverhütung
  • technische Hygiene im Allgemeinen
  • (bauliche Voraussetzungen)
  • technisch-hygienische Besonderheiten derzahnärztlichen Geräte.
  • Raumhygiene im medizinisch genutzten Bereich und im Umfeld
  • Schnittstelle Ordination – zahntechnisches Labor (aus hygienischer Sicht)
  • praktikable und ökonomisch durchführbare qualitätssichernde Maßnahmen
  • praktische und ökonomische Auswirkungen einzelner Maßnahmen auf das Gesundheitswesen
  • Beratung von Zahnärztinnen/Zahnärzten bei Fragen und Problemen aus dem Bereich „Hygiene“
  • Zusammenarbeit mit dem Fachhandel, um Fehlberatungen oder Fehlinvestitionen bei Einkauf, Einrichtung oder Umbauten zu vermeiden
  • Initiieren und Durchführen österreichweiter fachspezifischer Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen im gesamten Spektrum der „Hygiene in der Zahnheilkunde“ für Zahnärztinnen/Zahnärzte und zahnärztliche Assistentinnen/Assistenten
  • Zusammenarbeit mit der Österreichischen Zahnärztekammer und den Landeszahnärztekammern, den österreichischen zahnärztlichen Fachgesellschaften, dem Zahnärztlichen Interessenverband sowie allen interessierten europäischen zahnärztlichen Standesvertretungen und Organisationen mit ähnlichem Wirkungsbereich.
  • Unterstützung von Forschung, Wissenschaft und Industrie zur praxisorientierten Problemlösung und Weiterentwicklung von Instrumenten und Geräten
  • Initiative zur Anpassung universitärer Ausbildungsinhalte für StudentInnen der Zahnmedizin an die steigenden Hygieneanforderungen, sodass externe Fachkräfte für die Ordinationsführung nach Möglichkeit vermieden werden
  • Nötigenfalls Schaffung von Einrichtungen, die nach Erwerb der nötigen Berechtigungen Prozess- und Geräteprüfungen (Stichwort: Validierung) durchführen können
  • Schaffung einer Plattform, um bei den nationalen und europaweiten Bestrebungen zur Harmonisierung und Vereinheitlichung von Standards und Qualitätsmanagement den zahnärztlich-fachspezifischen Besonderheiten der hygienischen Belange mehr als bisher Rechnung zu tragen. Dies soll unter besonderer Bedachtnahme auf die breite Streuung der zahnärztlichen Tätigkeiten im zahnärztlichen Fachgebiet (Kieferorthopädie bis Oralchirurgie) erfolgen.

Von Dr. Franz Hastermann, Zahnarzt 6 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben