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Zahnheilkunde 1. Juni 2010

Individuelle Bakterien

Halitosis

Wenn ein Mensch besonders üblen Mundgeruch besitzt, hat das vermutlich nicht allein mit schlechter Mundhygiene zu tun. Bei vielen könnte es die Folge einer schon seit Geburt vorhandenen bestimmten Zusammensetzung von Mundbakterien sein.

Eine japanische Forschergruppe um Toru Takeshita an der Universität Kyushu analysierte dazu Speichelproben von 240 Patienten, die über starken Mundgeruch klagten. Teils fanden sie dabei deutlich unterdurchschnittliche Konzentrationen von leicht flüchtigem Schwefel, der dem Atem die unangenehme „Duftnote“ verlieh. Bei diesen Patienten war der Anteil von Streptokokken, Granulicatella, Rothia-Mikrokokken und Treponema-Bakterien an der gesamten Bakterienpopulation im Mund sichtbar erhöht. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Mundgeruch viel eher auf die charakteristische Belagerung durch eigene Mundbakterien zurückgeht als allein auf ein übermäßiges Bakterienwachstum aufgrund schlechter Mundhygiene“, betonen die Forscher. Das könnte erklären, warum das Problem durch antibakterielle Mittel oft nur kurzfristig in den Griff zu bekommen ist. Denn sobald diese abgesetzt werden, können sich die Geruchsverursacher wieder stärker vermehren. Als Lösung des weit verbreiteten Leidens schlagen die Wissenschaftler vor, die Zusammensetzung der Bakterienpopulation im Mundraum generell zu ändern. Es sei denkbar, dass der Mundgeruch dadurch ganz beseitigt werden könnte. Zahnärzte raten indes zur täglichen Reiniung der Zunge, die einen Großteil der Mundbakterien beheimatet. Auch die regelmäßige Zahnhygiene beim Arzt trägt dazu bei, dass sich das Wachstum der Bakterienkolonien in Grenzen hält.

Quelle: Toru Takeshita et al., Microbiology, May 2010, p. 2806–2814, Vol. 76, doi:10.1128/AEM.02304-09; Abstract: http://aem.asm.org/cgi/content/abstract/76/9/2806

zahn-online/AF, Zahnarzt 6 /2010

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