zur Navigation zum Inhalt
Fotos (3): Sellmann
Abb.1: Falls keine Entzündungsbehandlung erforderlich sein sollte, erfolgt im Rahmen einer Implantatprophylaxe-Sitzung die Reinigung des Implantats – hier mit einem Bürstchen angesetzt am Schallreinigungsgerät SONICflex™ (KaVo).

Abb 2: Nach vollendeter Reinigung der Implantate bringen wir mit den Interdentalbürschen das CHX-Gel auf.

Abb. 3: Vorlage für ein Infoblatt zur Information der Patienten.
Den Download finden Sie hier (40 KB) Zum Downloaden bitte klicken!

Abb. 4: Zwischen Implantat und Abutment eingebracht, löst das Gel die befürchtete Mikrospaltproblematik.

 
Zahnheilkunde 1. Juni 2010

Prophylaxe der Periimplantitis

Teil 2: Tipps aus der Praxis zur Keimzahlsenkung und professionellen Implantatreinigung.

Viele Patienten werden vor einer Implantation unzureichend über mögliche Risiken, Nebenwirkungen und vor allem (vermeidbare) Spätkomplikationen aufgeklärt. Immer noch fehlt auch häufig eine systematische Implantatprophylaxe. Dies bezieht sich auf den Zeitraum vor, während und vor allem nach der Implantation.

 

Aus der Parodontologie sind Wirkstoffe bekannt, die für das Management implantatpathogener Keime hilfreich sind. Zur Erinnerung: Diese Keime sind normalerweise in der Mundflora enthalten, aber opportunistisch und aggressiv. Solche Keime können (und sollen) nie gänzlich beseitigt werden, aber wir müssen den Organismus in „Krisenzeiten“ und an gefährdeten Bereichen wie dem Implantat unterstützen.

Entsprechende klinische Studien erfüllen den Anspruch einer möglichst evidenzbasierten Zahnmedizin3: „Chlorhexidine, with its long-acting antimicrobial and substantivity properties, plays an important role in this process and therefore, by keeping the chlorhexidine inside the pocket for a longer period, it is possible to increase its efficacy in the treatment of peri-implant pathologies, in a way similar to periodontal treatment.”

Chlorhexidin im Implantatsulkus hat – wenn es möglichst für längere Zeit darin verweilen kann, z. B. durch Anwendung des neuen LDD ChloSite™ – eine ähnliche Wirksamkeit wie bei der Behandlung einer Parodontitis.

Eine weitere Untersuchung4 bestätigt, dass die Anwendung eines einprozentigen Chlorhexidin-Gels eine effektive Methode zu sein scheint, um die Bakterienmenge im Implantatsulkus über einen Zeitraum von sechs Monaten zu reduzieren: „Clinical parameters remained stable throughout the study. From baseline to the 6-month examination, the total bacterial counts underwent a significant reduction in the Testgroup (P < 0.05). Detection of the single pathogen species did not show any significant differences. However, periopathogens were detected more frequently in the Control group. Conclusion: The application of a 1 % chlorhexidine gel seemed to be an effective method to reduce bacterial colonization of the implant cavity over a 6-month period.”

Chlorhexidin auch für die häusliche Mundhygiene

Die Empfehlung für ein einprozentiges CHX-Gel in der regelmäßigen häuslichen Nachsorge des Implantats wurde schon 2007 in einem entsprechenden Konsensuspapier6 gegeben. Dort heißt es: „(...) CHX-Gel 1 % für die Reinigung der Implantatpfosten sowie Zwischenraumbereiche mit Interdentalbürstchen”. Bei der Vielfalt der auf dem Markt befindlichen Mundspüllösungen, Naturheilmittel, Gele, basierend auf ätherischen Ölen, oder eines der vielen anderen für Implantate angebotenen Produkte (sie haben zumeist keine Arzneimittelzulassung) ist es für uns Zahnmediziner wichtig, den Wirkstoff bzw. das Produkt zu erkennen, welches wir uneingeschränkt anwenden und unseren Patienten empfehlen können.

Gel desinfiziert Mikrospalten

Ein periimplantäre Entzündungen auslösendes Problem ist der Mikrospalt zwischen Implantat und Abutment. Gibt es dazu etwas Neues? Eine kürzlich erschienene Publikation zu diesem Thema4 stellt fest: „Background: Microbial penetration inside an implant’s internal cavity results in a bacterial reservoir that has been associated with an area of inflamed connective tissue facing the fixture-abutment junction. The aim of the present clinical trial was to evaluate the effectiveness of a 1 % chlorhexidine gel on the internal bacterial contamination of implants with screw-retained abutments. (…) Conclusion: The application of a 1 % chlorhexidine gel seemed to be an effective method to reduce bacterial colonization of the implant cavity over a 6-month period.”

In dieser klinischen In-vivo-Studie wurde gezeigt, dass es durch das Befüllen des Implantatlumens mit einem Chlorhexidin-Gel (z. B. Chlorhexamed™ 1%-Gel) möglich ist, die Keimzahl im Raum zwischen Implantat und Aufbau mittelfristig signifikant zu senken.

Unsere Patienten werden deswegen instruiert, das CHX-Gel zu Hause weiter anzuwenden. Die Implantatpflege mit einer (weichen) Zahnbürste, einer Interdentalbürste (gegebenenfalls groß) und mit Zahnseide (Superfloss) demonstrieren wir und empfehlen die entsprechenden Hilfsmittel aus der Apotheke.

Professionelle Implantatreinigung

Die professionelle Implantatprophylaxe führen wir regelmäßig, aber risikoadaptiert durch (siehe Abb. 1 und 2). Wie auch bei der „normalen“ Prophylaxe ist es nicht sinnvoll, ein starres Schema für die Implantatprophylaxe – etwa „zwei Mal im Jahr“ – anzusetzen. Viele Patienten können, selbst im hohen Alter, noch gut mit Zahnseide und/oder Zahnzwischenraumbürstchen umgehen, sodass wir die Implantatpflege hier weniger oft unterstützen müssen. Wenn allerdings ein Patient nicht mehr gut sehen kann oder seine Finger wegen Rheuma und Arthrose so steif sind, dass das Festhalten der Zahnbürste unmöglich wird, muss er, um seine Implantate lange zu erhalten, häufiger einbestellt werden.

Viele Patienten kennen den Begriff der professionellen Implantatreinigung – anders als die PZR (professionelle Zahnreinigung) – jedoch (noch) nicht. Hier ist es ratsam, den Patienten aufzuklären (auch bereits vor der Implantation!) und ihm zur häuslichen Erinnerung ein Infoblatt auszuhändigen (siehe Abb. 3).

 

Literatur:
1Ratka-Krüger, P., M. Horodko, M. Mayer: Ätiologie, Diagnostik, Therapie und Prävention der Periimplantitis. URL: www.zm-online.de/m5a.htm?/zm/23_01/pages2/titel3.htm (2001, zuletzt gesehen am 22.04.2009).
2Reich, E.; Arweiler, N.; Benz, C.; Lynch, E.; Scholz, V.: Stellenwert des Chlorhexidins in der Implantatversorgung – ein Konsensuspapier. ZWR 07/08: 359–362 (2007).
3Nobre M., et al.: Non surgical treatment od periimplant pathology. Int J Dent Hygiene 4: 84–90 (2006).
4Paolantonio M., et al.: Internal decontamination of dental implants: an in vivo randomized microbio-logic 6-month trial on the effects of a chlorhexidine gel. J Periodontol. 79 (8): 1419–25 (2008 Aug).
5Ratka-Krüger, P., M. Horodko, M. Mayer: Ätiologie, Diagnostik, Therapie und Prävention der Periimplantitis. URL: www.zm-online.de/m5a.htm?/zm/23_01/pages2/titel3.htm (2001, zuletzt gesehen am 22.04.2009).
6Reich, E.; Arweiler, N.; Benz, C.; Lynch, E.; Scholz, V.: Stellenwert des Chlorhexidins in der Implantatversorgung – ein Konsensuspapier.

ZWR 07/08: 359–362 (2007).

Von Dr. Hans Sellmann, Zahnarzt 6 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben