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Foto: fotodienst / Anna Rauchenberger
Der aktuell veröffentlichte Zahnstatusbericht im Auftrag des BMG zeigt: Trotz einer kontinuierlichen Verbesserung der Zahngesundheit der Jugendlichen ist die Pubertät nach wie vor eine Hochrisikozeit. FOTO (v. l. n. r.): Hon. Prof. Dr. Robert Schlögel, Se
 
Zahnheilkunde 3. Mai 2010

Karies in der Pubertät muss nicht sein.

Die Schulärzte Österreichs starteten ein Zahngesundheitsprojekt für Jugendliche.

Die kürzlich präsentierte aktuelle Zahnstatuserhebung der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG)/Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) bei 18-Jährigen im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zeigt: Trotz einer insgesamt kontinuierlichen Verbesserung des Zahngesundheitsstatus in den letzten zehn Jahren ist die Pubertät nach wie vor eine Hochrisikozeit! Ernährungsgewohnheiten vieler Jugendlicher, wie häufiger Konsum von Fast Food, Softdrinks und Nikotin hinterlassen ihre Spuren an den Zähnen der Teenager: Zwischen dem 12. und dem 18. Lebensjahr kommen im Schnitt 0,6 kariöse Zahnflächen pro Jahr hinzu. Die Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs (GSÖ) startet im Februar ein Aufklärungsprojekt für alle Schulen ab der 5. Schulstufe.

Pubertät als Risikozeit

Der Übergang ins Erwachsenenalter stellt generell auch im Bereich der Zahngesundheit eine „problematische“ Zeit dar: Immer noch kommen zwischen dem 12.- und dem 18. Lebensjahr pro Jahr 0,6 kariöse Zahnflächen hinzu. In der Zahnstatuserhebung der 12-Jährigen von 2002 (= die heutigen 18-Jährigen) waren 58 Prozent der Jugendlichen kariesfrei – mit 18 Jahren sind es nur mehr 25 Prozent. Es kommt also – trotz insgesamt erfreulicher Entwicklung des Zahnstatus – während der Pubertät zu einer deutlichen Zunahme von 33 Prozentpunkten. „Zudem darf die positive Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Schere zwischen zahngesunden und kariesgeschädigten Kindern und Jugendlichen immer weiter öffnet. Rund die Hälfte der Kariesschäden findet sich bei einem knappen Viertel der erhobenen Jugendlichen“ so Hon. Prof. Dr. Robert Schlögel, Sektionschef der Sektion II des Bundesministeriums für Gesundheit – Verbrauchergesundheit und Gesundheitsprävention im Rahmen der Pressekonferenz. Dr. Axel Mory, Österreichische Gesellschaft für Parodontologie ergänzte: „Im Jugendalter etablieren sich häufig neue zahnschädigende (Ernährungs-)Gewohnheiten, derer sich die meisten gar nicht bewusst sind. Die Schule ist hier das geeignete Umfeld zur Aufklärung.“

Thema Zahngesundheit

Die GSÖ hat sich die ansprechende Förderung der Gesundheitsbildung in Österreichs Schulen zur Aufgabe gemacht und greift in diesem Semester das Thema Zahngesundheit auf. Neben einem Jugendmagazin und einem Poster stellt die GSÖ auch eine Internetseite sowie Lehrunterlagen zur Verfügung, um Schulärzte und Lehrer dabei zu unterstützen, Unterrichtsschwerpunkte zum Thema Zahngesundheit ansprechend umsetzen zu können. Das Material der GSÖ ergeht per Post zu Beginn jedes Semesters an die Direktion und die Schulärztin/den Schularzt und kann auch über die Website www.schul- aerzte.at bestellt werden. Die Schüler können zudem online ihr Wissen im Rahmen eines Multiple-Choice-Tests überprüfen – ein Gewinnspiel mit tollen Preisen animiert zum Mitmachen. Die Österreichische Gesellschaft für Parodontologie ist Kooperationspartner des Projekts, das mit Hilfe von Sponsoren finanziert werden konnte (Colgate, Wrigley Oral Healthcare Program).

Fakten

Das WHO-Hauptziel gibt für 18-Jährige vor, noch keinen Zahn durch Karies verloren zu haben (MT=0). Wiesen im Untersuchungsjahr 1998 nur 63 Prozent ein vollständiges Gebiss auf, sind es 2008 bereits 97 Prozent. Innerhalb der letzten zehn Jahre gelang es auch die Kariesmorbidität sowie Kariesprävalenz bei Achtzehnjährigen deutlich zu senken. Der Anteil an Jugendlichen mit Karieserfahrung fiel um neun Prozentpunkte (von 84 % auf 75 %) und der Kariesbefall reduzierte sich um 38 Prozent (von 5,5 D3MFT auf 3,6 D3MFT). Der Anteil der kariesfreien 18-Jährigen stieg damit auf 25 Prozent.

Zahnpflege und Ernährung

„Jugendliche haben oft wenig Zeit, essen was Fastfood-Ketten und der Bäcker um´s Eck gerade zu bieten haben. Sie „snacken“ sich durch den Tag. Doch nur die Wenigsten sind sich bewusst, dass Süßigkeiten und Chips zwischendurch, wie auch das Trinken von süßen und zugleich säurehaltigen Getränken (Softdrinks und Fruchtsäften), echten „Schulstress“ für die Zähne bedeuten“, schilderte Dr. Glazer die Problematik. Wenn man weiß, worauf es bei der richtigen Mundhygiene ankommt und auf die Nahrung und Getränke achtet, kann man auch im Schulalltag viel für seine Zahngesundheit tun.

Jugend als Chance

Auch für Jugendliche, welche die Gewohnheiten zur richtigen Mundhygiene im Elternhaus und im Rahmen der Volksschulzeit nicht ausreichend etablieren konnten, ist jetzt noch ein Umdenken möglich. Hon. Prof. Dr. Robert Schlögel, BMG: „Im Jugendalter ergibt sich für jeden noch die Chance, selbst Verantwortung zu übernehmen und durch eine Einstellungsänderung den Zustand der Zähne im Erwachsenenalter positiv zu beeinflussen. Wir freuen uns, dass sich die Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs dieser kritischen Zeitspanne annimmt.“

Gesunde Zähne sind schön!

Langfristige Gesundheit alleine ist für Jugendliche oft wenig Anreiz, sich mit Themen wie Zahngesundheit oder Ernährung auseinanderzusetzen – es gilt, weit aktuellere Motivationsfaktoren herauszustreichen: „Gesunde Zähne sind grundlegender Bestandteil eines gepflegten Äußeren, sorgen für ein attraktives Lächeln und unterstützen ein selbstbewusstes Auftreten. Auch die Flirtchancen steigen“, betonte Benimmexperte die Bedeutung gepflegter Zähne für das persönliche Auftreten. Beispielsweise würden 70 Prozent der Österreicher einen beginnenden Flirt „auf jeden Fall“ sofort abbrechen, wenn sie beim Gegenüber schlechten Atem bemerkten*.

Die GSÖ

Nach ihrer Gründung startete die Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs (GSÖ) 2009 mit ihrem Webportal www.schulaerzte.at und einem Pilotprojekt zum Thema „Sexuell übertragbare Erkrankungen“. „Das Interesse mitzumachen war riesengroß. Mehr als 600 Schulen haben die Projektunterlagen angefordert“, so Dr. Judith Glazer, Präsidentin der GSÖ. Auch mit einem Kommunikationspreis (Best Practise Award des PRVA) wurde das Projekt ausgezeichnet. Die GSÖ ist ein Verein und versteht sich als uneigennützige Interessensgruppe der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs. Neben SchulärztInnen als „ordentliche Mitglieder“ können auch nicht schulärztlich tätige Ärzte, Direktoren, Lehrer und andere Personen, denen die Förderung der Gesundheit an der Schule ein Anliegen ist, „außerordentliche Mitglieder“ der GSÖ werden. Ziel ist es, die Kommunikation mit Lehrern, Eltern, Schülern und weiteren an Kinder- und Jugendgesundheit Interessierten zu intensivieren, um den Schülern in gesundheitlichen Dingen bestmögliche Unterstützung zu bieten. Die Gesellschaft soll zudem eine bessere Vernetzung der Schulärzte untereinander wie auch die Kooperation mit außerhalb der Schule tätigen Ärzten erleichtern sowie eine Plattform für Beratung und Diskussion in den Bereichen der Gesundheitsförderung und Gesundheitsbildung an der Schule bieten. Auch nach außen soll die GSÖ mehr Transparenz in den Aufgabenbereich der Schulärzte bringen. Zudem hat sich die GSÖ kompetente Information zu schulrelevanten Gesundheitsbereichen zur Aufgabe gemacht: Im Rahmen von Semesterprojekten sollen ansprechende und kompetente Materialien zu Gesundheitsthemen entwickelt werden, die von Schulärzten gemeinsam mit Lehrern für den Unterricht eingesetzt werden können.

Informationen: www.schulaerzte.at

* Market Institut im Auftrag der „Wrigley Oral Healthcare Programs“, 2009, n= 500

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