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Illustration: photos.com
Abb.: Die steuerlichen Änderungen zum Jahreswechsel sind gar nicht so verwirrend.
Foto: medtax

Raimund Eller

 
Zahnheilkunde 2. April 2010

Was gibt´s Neues 2010?

Steuerliche Änderungen zum Jahreswechsel

Ab 2010 können statt wie bisher zehn Prozent nunmehr bis zu 13 Prozent Ihrer Gewinne steuerfrei bleiben. Anstelle des bisherigen Freibetrages für investierte Gewinne tritt als so genannter „Gewinnfreibetrag“ ein zweistufiger Freibetrag, der sich aus einem so genannten Grundfreibetrag und einem investitionsbedingten Freibetrag zusammensetzt. Der Grundfreibetrag deckt 30.000 Euro Ihres Gewinnes ab und bedarf keiner weiteren Voraussetzungen. Dieser Grundfreibetrag beträgt somit maximal 3.900 Euro.

Übersteigt Ihr Gewinn 30.000 Euro, so gibt es zusätzlich zu obigem Grundfreibetrag für den übersteigenden Teil einen „investitionsbedingten Gewinnfreibetrag“ in Höhe von ebenfalls 13 Prozent. So wie bisher beim Freibetrag für investierte Gewinne (FBIG) soll der Freibetrag insgesamt maximal 100.000 Euro pro Veranlagungsjahr und Steuerpflichtigen betragen und setzt die Anschaffung oder Herstellung von bestimmten begünstigten Wirtschaftsgütern voraus.

Ab 2010 auch bei Pauschalierung möglich

Der Steuervorteil aus dieser Begünstigung beträgt somit bis zu 50.000 Euro und wird bei einem Gewinn von 769.230 Euro erreicht. Bisher war dies erst bei einem Gewinn von einer Million Euro der Fall, da der herkömmliche FBIG lediglich zehn Prozent vom Gewinn betrug. Lassen Sie sich von Ihrem Steuerberater im 4. Quartal 2010 rechtzeitig eine Gewinnprognose für das Jahr 2010 erstellen und den daraus resultierenden Investitionsbedarf zur optimalen Ausschöpfung des Freibetrages ermitteln. Haben Sie die Grenze mit Investitionen nicht ausgeschöpft, so können Sie den noch fehlenden Freibetrag so wie bisher wieder mit dem Kauf bestimmter Wertpapieren ausschöpfen.

Von Klinik- und Spitalsärzten mit Poolgeldbezügen wird häufig von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Ausgaben pauschal in Höhe von zwölf Prozent der Einnahmen anzusetzen. Dies macht immer dann Sinn, wenn die tatsächlichen Ausgaben geringer sind als die Pauschale. Bis einschließlich 2009 war in diesen Fällen jedoch die Inanspruchnahme des bisherigen Freibetrages ausgeschlossen. Ab 2010 kann der Grundfreibetrag in Höhe von 13 Prozent zusätzlich von dem pauschal ermittelten Gewinn in Abzug gebracht werden.

Mit Vorsicht genießen

Unter dem Titel Konjunkturbelebung können 2009 und 2010 von Investitionen im Jahr der Anschaffung sofort 30 Prozent steuerlich geltend gemacht werden. Ausgenommen sind Gebäude, PKW und Kombi, Luftfahrzeuge und gebrauchte Wirtschaftsgüter. Die vorzeitige Abschreibung führt zwar nicht zu einer zusätzlichen, wohl aber zu einer vorgezogenen Steuerersparnis. Im Ergebnis kommt es so zu einem Liquiditäts- und Zinsvorteil. Der Vorteil ist umso größer, je länger die Nutzungsdauer ist.

Mit Vorsicht zu genießen ist die vorzeitige Abschreibung vor allem deshalb, da damit die Bemessungsgrundlage für den Gewinnfreibetrag gekürzt wird. Geht man davon aus, dass es letzteren in naher Zukunft möglicherweise nicht mehr geben wird, so würde dies bedeuten, dass man ein echtes Steuergeschenk für eine bloß vorgezogene Steuerersparnis in den Wind schlagen würde. Derzeit gibt es jedoch keinerlei Anzeichen, die auf eine Abschaffung des Freibetrages hindeuten. Für das laufende Jahr wurde der Freibetrag ja sogar ausgeweitet.

Einkommensabhängige Variante beim Kindergeld

Beim Kinderbetreuungsgeld ist nun auch einkommensabhängige Variante möglich. Bisher konnte man beim Bezug von Kinderbetreuungsgeld zwischen drei Pauschalvarianten wählen. Je nach gewählter Bezugsdauer (bis zum 30./ 20./ 15. Lebensmonat des Kindes) beträgt die monatliche Unterstützung 436,– Euro/ 624,– Euro/ 798,– Euro. Bei Inanspruchnahme durch den zweiten Elternteil verlängert sich die Anspruchsdauer je nach Modell um 6/4/3 Monate.

Mit dem Jahreswechsel sind zwei weitere Varianten hinzugekommen. Zum einen kann man sich nun für eine neue Pauschalvariante in Höhe von monatlich ca. 1.000,– Euro entscheiden und zum zweiten steht für erwerbstätige Eltern ab sofort auch eine einkommensabhängige Variante zur Auswahl. Letztere sieht ein Kinderbetreuungsgeld von bis zu 2.000,– Euro pro Monat vor und berechnet sich in Höhe von 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens.

Achtung Zuverdienstgrenze

Die beiden neuen Modelle können jeweils bis zur Vollendung des 12. Lebensmonats des Kindes in Anspruch genommen werden. Bei Inanspruchnahme durch den zweiten Elternteil ist ein Bezug bis zur Vollendung des 14. Lebensmonats des Kindes möglich. Prinzipiell gelten die neuen Bestimmungen für Geburten nach dem 31.12.2009. Für Kinder, die nach dem 30.9.2009 geboren wurden und für die im Jahr 2009 kein Antrag auf Kinderbetreuungsgeld gestellt wurde, können ab 1.1.2010 ebenso auch die neuen Varianten in Anspruch genommen werden.

Achtung Zuverdienstgrenze: Alternativ zu den 16.200 Euro (allgemeine Zuverdienstgrenze) wie bisher kann man nunmehr bei den Pauschalvarianten wahlweise bis zu 60 Prozent seines bisherigen Einkommens (individuelle Zuverdienstgrenze) dazuverdienen, ohne den Anspruch auf das Kinderbetreuungsgeld zu verlieren. Bei der einkommensabhängigen Variante liegt die Grenze allerdings schon bei 5.800,– Euro pro Jahr. Anders als bisher sind ab 1.1.2010 Kapitaleinkünfte und Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung in Hinblick auf die Zuverdienstgrenze unschädlich.

Freie Dienstnehmer werden teurer

Da freie Dienstnehmer seit 1.1.2010 sowohl der 3-prozentigen Kommunalsteuer als auch dem 4,5-prozentigen Dienstgeberbeitrag unterliegen, tritt in diesem Bereich eine Mehrkostenbelastung von rund acht Prozent ein. Verschärft wird diese Situation zudem dadurch, dass auf Grund der aktuellen Rechtslage zu befürchten ist, dass diese Kosten auch für reine Spesenvergütungen (Reisespesen) anfallen.

Auch im Bereich Umsatzsteuer gibt es einige Änderungen. Diese betreffen im Wesentlichen die Bestimmungen zum Leistungsort und zum Übergang der Steuerschuld in der Unternehmerkette bei EU-Geschäften, neue Meldepflichten und das Vorsteuerrückerstattungsverfahren für EU-Unternehmer. Da Ärztinnen und Ärzte davon nur in wenigen Fällen betroffen sein werden, erfolgt an dieser Stelle nur ein Hinweis darauf, dass es hier Neuerungen gibt. Kontaktieren Sie vor EU-Transaktionen Ihren Steuerberater. Er wird Sie in jedem Einzelfall mit der richtigen Rezeptur versorgen.

 

Korrespondenz: Raimund Eller Team Jünger Steuerberater OG Die Ärztespezialisten Anichstraße 5a 6020 Innsbruck E-Mail: Internet: www.aerztekanzlei.at Eine Kanzlei der MEDTAX-Gruppe

Raimund Eller, Innsbruck, 1/2010

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