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Zahnheilkunde 31. März 2010

Wann sind nun Antibiotika indiziert?

Eine neue Richtlinie lockert die Endokarditis-Prophylaxe.

Die bakterielle Endokarditis ist eine Erkrankung mit hohem Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko. Und es lässt sich gegen sie selten durch Antibiotikaprophylaxe vorbeugen. Neue Richtlinien empfehlen daher die Prophylaxe nur noch bei Personen mit hohem Risiko und hoher Wahrscheinlichkeit eines schlechten Verlaufs.

Die rationale Grundlage für die Endokarditisprophylaxe basiert auf der Tatsache, dass gewisse Herzkrankheiten für eine Endorkarditis prädisponierend sind. Endokarditiserreger, die zur Flora im Mundbereich, im Gastrointestinal- oder Urogenitaltrakt gehören, gelangen bei invasiven Eingriffen in die Blutbahn. Doch die infektiöse Endokarditis entsteht viel häufiger durch Bakteriämien des täglichen Lebens wie z. B. Zähneputzen. Laut Prof. Dr. Franz R. Eberli, Chefarzt der kardiologischen Abteilung im Stadtspital Tremli in Zürich, verhindert die Endokarditisprophylaxe bei medizinischen Eingriffen nur eine kleine Anzahl von Endokarditiden. Das Risiko einer Antibiose ist deshalb oft größer als der Gewinn. Eine gute Mundhygiene verhindert Bakteriämien effektiver und sei deshalb wichtiger als die Antibiotikaprophylaxe. Weshalb 2008 die Empfehlungen für die Endokarditisprophylaxe stark gelockert wurden: Sie sollte nur bei Patienten und Eingriffen mit einem hohen Endokarditisrisiko durchgeführt werden.

Dazu zählen Patienten mit einer mechanischen oder biologischen Herzklappenprothese, Patienten nach durchgemachter Endokarditis und Patienten mit rekonstruierten Herzklappen unter Verwendung von Fremdmaterial bzw. mit einem paravulvären Leck. Aber auch bei Patienten mit angeborenen, unkorrigierten zyanotischen Vitien, korrigierten Vitien unter Verwendung von Fremdmaterial bzw. mit Residualdefekten ist eine antibiotische Endokarditisprophylaxe sinnvoll. Dasselbe gilt für Patienten nach Herztransplantationen mit einer neu aufgetretenen Valvulopathie.

Nicht indiziert nach diesen neuen Richtlinien ist die Endokarditisprophylaxe bei Patienten mit Mitralstenose, Mitralklappenprolaps mit und ohne Insuffizienz, kongenitalen Klappenvitien wie z. B. einer bikuspidalen Aortenklappe, Pulmonalstenose, hypertropher Kardiomyopathie und Vorhofseptumdefekt Typ II.

Prophylaxe – bei welchen zahnmedizinischen Eingriffen?

Indiziert ist die Antibiotikaprophylaxe bei einer Reihe von Zahnbehandlungen:

  • Extraktionen;
  • operative Eingriffe;
  • Abszessbehandlung;
  • parodontale Therapie;
  • Zahnsteinentfernung;
  • invasive Wurzelkanalbehandlung über den Apex hinaus.

 

Dagegen ist bei herkömmlichen Anästhesie-Injektionen, Platzierung oder Anpassung prothetischer Verankerungselemente, Nahtentfernung, Lippentraumata oder Traumata der oralen Mukosa keine Antibiotikaprophylaxe erforderlich.

Im Bereich des Respirationstraktes ist eine antibiotische Endokarditisprophylaxe weiterhin bei Tonsillektomie, Adenotomie oder Inzision bzw. Biopsie der Mukosa oder operativen Eingriffen indiziert. Hingegen ist in routinemäßigen Eingriffen im Gastrointestinaltrakt wie Gastroskopie und Koloskopie auch bei Entnahme von Biopsien keine Endokarditisprophylaxe nötig.

Eine Prophylaxe mit Amoxicillin/Clavulansäure empfiehlt sich bei elektiven Operationen wie Cholezystektomie, Sigmaresektion oder Appendektomie.

Quelle: 23. Interdisziplinäre Sommer-Seminar-Woche für Medizin in Davos, Juli 2009

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