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Illustration: Oral Prevent
 
Zahnheilkunde 31. März 2010

Mit Motivation zum Langzeiterfolg

Eine schwedische Langzeitstudie über 30 Jahre zeigt, wie Prophylaxe effizient funktionieren kann.

Ohne regelmäßige und nachhaltige Prophylaxe ist Zahnheilkunde kaum vorstellbar. Die belegbaren Erfolge in der Kariesprävention bei Kindern und Jugendlichen untermauern ihren hohen Stellenwert. Die demografische Entwicklung rückt zudem die Vorbeugung von Parodontalerkrankungen in den Mittelpunkt. Und nicht zuletzt bedeutet Prophylaxe auch kontinuierliche Motivation zur häuslichen Zahnpflege.

Wie lange motivierte Personen ihre Zähne gesund erhalten können, zeigt eine schwedische Langzeitstudie über 30 Jahre. Ziel der Untersuchung des Stockholmer Zahnmediziners Prof. Dr. Per Axelsson war es, anhand eines konsequent durchgeführten Plaquekontrollprogrammes die Inzidenz von Zahnverlust, Karies und Attachmentverlust an erwachsenen Probanden seit 1972 zu verfolgen.

Schwerpunkt Plaquekontrolle

375 Personen wurden anhand einer Eingangsuntersuchung und danach nach 3, 6, 15 und 30 Jahren auf Plaque, Kariesbefall, Sondierungstiefe, Attachmenthöhe und parodontologischen Behandlungsbedarf untersucht. Im Anschluss an die erste Untersuchung wurden vorhandene kariöse Läsionen beseitigt, Defekte an Restaurationen behoben und bei jedem Probanden eine nichtchirurgische Parodontaltherapie durchgeführt. Jeder Teilnehmer wurde ausführlich über seinen dentalen Gesundheitszustand informiert und nicht nur zu Prophylaxemaßnahmen motiviert, sondern auch umfassend in die richtigen Vorgangsweise der Mundhygiene eingewiesen.

Während der ersten zwei Jahre erfolgten alle zwei Monate zusätzliche Unterweisungen zur Eigendiagnose und Zahnpflege mit Schwerpunkt Plaquekontrolle mit Zahnbürste und interdentalen Reinigungshilfen wie Interdentalbürste, Zahnseide und Zahnhölzer. Diese Prophylaxetermine beeinhalteten u. a. professionelle mechanische Zahnreinigung mit fluoridhaltiger Zahnpasta und Plaqueanfärbung. Anhand der nach sechs Jahren erhobenen Kariesinzidenz und Progression der Parodontalerkrankungen wurden die Probanden in drei Risikogruppen eingeteilt und je nach Risikoeinschätzung alle zwölf, sechs oder drei Monate zum Prophylaxe-Recall bestellt.

Von den 375 Probanden nahmen 257 bis zum Ende der Studie teil. 61 Patienten wechselten den Wohnsitz, 49 verstarben und acht been- deten die Teilnahme an der Studie aufgrund mangelnden Interesses. Dass trotz des anspruchsvollen Prophylaxeprogramms lediglich zwei Prozent die weitere Teilnahme abbrachen, begründen die Autoren anhand folgender Aspekte:

  • die wiederholte Motivation bei Recallterminen;
  • die bedarfsorientierte Anleitung zur Mundhygiene bei jedem Termin;
  • die nach Plaquefärbung durchgeführte Zahnreinigung;
  • das regelmäßige Feedback von Zahnarzt und Dentalhygienikerin bezüglich der sich bessernden Mundhygiene.

Wenige verloren Interesse – und Zähne

Der Erfolg war evident: Von 1972 bis 2002 verloren die Studienteilnehmer nur 21 Zähne aufgrund von fortgeschrittener Parodontitis oder Karies. Der Zahnverlust der Gruppe 1 (50 bis 65 Jahre zum Zeitpunkt 2002) betrug in den 30 Jahren nur durchschnittlich 0,4 Zähne. Die Gruppe 2 (66 bis 80 Jahre) verlor durchschnittlich 0,7 Zähne und die Gruppe 3 (81 bis 95 Jahre) 1,8 Zähne. Bei letzteren lagen die Hauptursachen für die Zahnmortalität in Wurzelfrakturen bei wurzelgefüllten Zähnen, die mit Guss- oder Schraubstiften versehen waren.

Konsequenz macht sich bezahlt

Gruppe 3 besaß bei Studienbeginn im Alter von 51 bis 65 Jahren ein Gebiss mit durchschnittlich 20,1 Zähnen. Gruppe 1 hatte bis zu diesem Alter 30 Jahre lang Prophylaxe betrieben und konnte am Ende der Studie im Durchschnitt 26,3 Zähne vorweisen. Die Probanden der Gruppe 1 gaben an, mindestens zweimal täglich ihre Zähne zu putzen und regelmäßig interdentale Reinigungshilfen wie Zahnseide, Interdentalbürsten und Zahnhölzer zu verwenden.

Kaum Karies und Parodontose

Auch die Kariesstatistik fiel gut aus: Im Verlauf der Studie entstanden rund 1,7 neue Läsionen pro Proband, die aber zu 80 Prozent als Kariesrezidive einzustufen waren. Die regelmäßige Plaquekontrolle, die tägliche Verwendung von fluoridhältigen Zahnpasten und die bedarfsabhängige professionelle Zahnreinigung zeitigten also Wirkung. Zudem war in allen Altersgruppen ein Gewinn der Attachmenthöhe zwischen 0,3 und 0,5 mm mesial und 01, und 0,2 mm lingual zu verzeichnen. Noch ein interessanter Vergleich: Waren 1972 rund 27 Prozent der Teilnehmer zwischen 50 und 65 Jahren (Gruppe 3) in unterschiedlichen Graden parodontologisch behandlungsbedürftig, so betrug die Zahl 2002 bei den 50- bis 65Jährigen (Gruppe 1) nur noch ein Prozent.

Diese Studie von Prof. Dr. Per Axelsson et al. unterstreicht, welchen Einfluss gute häusliche Mundhygiene auf die Vorbeugung von parodontologischen Erkrankungen aufweist. Durch durchgehende Motivation und professionelle Anleitung zur täglichen Oralhygiene und engmaschige Kontrollen wurde Plaque entscheidend minimiert, sodass in 30 Jahren lediglich neun Zähne durch Parodontitis verloren gingen.

Fazit für die Praxis: Wiederholte Einweisungen in die Vorgangsweise der Zahn- und Interdentalpflege sind daher ebenso wichtig wie regelmäßige professionelle Mundhygienesitzungen.

www.oral-prevent.de

Die wichtigsten Utensilien zur Mundhygiene
Zahnbürsten mit ebenem Borstenfeld, weich oder extraweich
Fluoridhaltige Zahnpasta mit niedrigen Abrasionswerten
Interdentalbürsten, Zahnseide und Zahnhölzer
Einbüschelbürsten bei schwierig zu erreichenden Stellen

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