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Fotos (3): Dr. Corinna Bruckmann
Abb. 1: In der Gruppe macht das Erlernen praktischer Fähigkeiten mehr Spaß.

Abb. 2: Die Kursteilnehmer führen Operationen unter Supervision des Staffs durch.

Abb. 3: Die Durchführung der Basistherapie am Patienten wird ebenfalls persönlich betreut.

Foto: Privat

Ass Dr. Corinna Bruckmann MSc, Oberarzt an der Abteilung für Parodontologie und Prophylaxe an der Wiener Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und administrative Leiterin des Paromaster

Foto: Privat

Prof. DDr. Michael Matejka Leiter der Abteilung für Parodontologie und Prophylaxe an der Universitätszahnklinik Wien und wissenschaftlicher Leiter des Paromaster

 
Zahnheilkunde 31. März 2010

Frisch gebackene Experten

17 internationale Teilnehmer nützten den ersten „Paromaster“ in Wien, um ihre Kompetenz bei paradontalen Diagnosen, fachspezifischen Therapien und bei der Erarbeitung von Behandlungsplänen zu fundieren.

Kariöse Zahnschäden gehen dank prophylaktischer Maßnahmen deutlich zurück, aber Parodontitis stellt in der zweiten Lebenshälfte noch die häufigste Ursache für Zahnverlust dar. Aufgrund des steigenden Bedarfs an Spezialisten wurde Ende Februar 2008 der erste zweijährige postgraduale Lehrgang aus Parodontologie an der Medizinischen Universität Wien (MUW) gestartet und kürzlich abgeschlossen.

 

Im Wintersemester 2010 geht der „Paromaster“, der in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP) durchgeführt wird, in die zweite Runde. Dr. Corinna Bruckmann, administrative Leiterin, und Prof. DDr. Michael Matejka, wissenschaftlicher Leiter, ziehen im Interview mit dem Zahn Arzt ein durchwegs positives Resümee der österreichweit einzigartigen Fortbildung.

 

Der erste Paromaster-Lehrgang in Wien ist beendet. Wie zufrieden waren die Teilnehmer mit dem Kursangebot?

BRUCKMANN: 90 Prozent gaben an, dass ihre Erwartungen durchwegs erfüllt wurden und empfehlen den Lehrgang weiter, 60 Prozent würden ihn selbst wieder machen wollen, weitere 30 Prozent wahrscheinlich wieder. Als Pluspunkte wurden u.a. angeführt: großer Wissenszuwachs im kleinen Rahmen, intensive praktische Ausbildung durch Hands-on-Kurse, Umsetzbarkeit in die Praxis, renommierte Vortragende, wissenschaftlich-praktische Orientierung.

 

Welches Feedback erhielten Sie von den Referenten?

BRUCKMANN: Viele unserer Vortragenden sind auch in anderen Kursen gebucht und haben daher einen direkten Vergleich. Sie betonen immer wieder die Vorzüge der Kleingruppe, den direkten Kontakt zu den äußerst interessierten und fordernden Zuhörern. Dies ermöglicht auch andere Unterrichtsformen als den traditionellen Frontalunterricht.

 

Aus welcher Notwendigkeit heraus – sowohl epidemiologisch als auch universitär gesehen – ergibt sich das Angebot eines Universitätslehrganges?

MATEJKA: Laut der deutschen DMSIV-Studie aus 2006 beträgt die Rate an mittelschweren und schweren Parodontalerkrankungen bei 35- bis 44-jährigen Erwachsenen 52 Prozent, davon sind 20 Prozent hochgradige Erkrankungen, bei Senioren sogar 48 Prozent bzw. 40 Prozent. Aus Österreich liegen dazu keine gesicherten epidemiologischen Daten vor. Die Unsicherheit über Diagnosestellung und Therapiemöglichkeiten bei den niedergelassenen Zahnärzten ist jedoch immer noch groß und resultiert in einer oftmals unzulänglichen Betreuung parodontal erkrankter Patienten.

BRUCKMANN: Fragen bezüglich spezialisierten postgraduellen Fachausbildungen für Zahnärzte, der epidemiologisch bedingte Bedarf und mögliche Teilgebiete werden europaweit diskutiert. Als postgraduale Spezialistenausbildung im engeren Sinn wird eine mindestens dreijährige Vollzeitausbildung auf universitärer Basis definiert (180 ETCS). Die Situation in Österreich ist bestimmt durch das derzeitige Ausbildungssystem und fehlende Ressourcen: Lediglich an der Medizinischen Universität Wien (MUW) fand sich seit 2001 eine eigene Abteilung für Parodontologie. Typischerweise verfügt daher nur eine verschwindend geringe Anzahl österreichischer Zahnärzte über eine im Ausland erworbene oder akkreditierte Spezialistenausbildung.

Als erster Schritt zu einer formellen Langzeitausbildung aus Parodontologie ist daher der derzeit auf 60 ETCS-Punkte ausgelegte postgraduale Universitätslehrgang der MUW zum Master of Science zu sehen.

 

Wie zeitintensiv ist die Ausbildung?

BRUCKMANN: Der Lehrgang ist berufsbegleitend angelegt. Innerhalb von zwei Jahren werden zirka 500 Kontaktstunden abgehalten – an 20 bis 30 Kurswochenenden. Hinzu kommen noch die privaten Lernphasen sowie die Vor- und Nachbereitung von Präsentationen.

 

Gibt es spezielle Schwerpunkte für die Umsetzung in der Praxis?

MATEJKA: Es werden parodontologisches Spezialwissen und klinische Fertigkeiten theoretisch und praktisch vermittelt. Die AbsolventInnen beherrschen sowohl die konservativen als auch die chirurgischen Techniken der parodontologischen Therapie. Sie erwerben die Fähigkeit, mit Anamnese und Befundaufnahme parodontale Diagnosen zu erstellen, Behandlungspläne zu erarbeiten, evidenzbasiert fachspezifische Therapien durchzuführen und die Resultate kritisch zu bewerten, die sich durch Reevaluation und Weiterbetreuung früher behandelter Fälle ergeben.

 

Ist der Umgang mit dem Patienten ein Thema?

MATEJKA: Alle TeilnehmerInnen betreuen unter Supervision eigenverantwortlich parodontal erkrankte PatientInnen, an denen von der Befundaufnahme über die Basistherapie und notwendige Operationen bis zum Recall alle Behandlungsschritte praktisch vollzogen und dokumentiert werden. Die erworbenen Kenntnisse gewährleisten eine interdisziplinäre Betreuung komplexer Fälle mit den anderen Spezialdisziplinen der Zahnmedizin.

 

Hat sich das Curriculum an bestehenden Ausbildungen im benachbarten Ausland orientiert?

BRUCKMANN: Der Lehrgang wird unter Berücksichtigung internationaler curricularer Richtlinien (der European Federation of Periodontology, EFP) durchgeführt. Mit den ebenfalls erst im Jahre 2008 gestarteten Lehrgänge der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) und dem Lehrgang an der Universität Freiburg besteht ein Know-how-Transfer beziehungsweise Austausch von Lehrenden.

 

Welche Pluspunkte hat der Lehrgang, was wollen Sie eventuell am Curriculum verbessern/ändern?

BRUCKMANN: Das Alleinstellungsmerkmal des Kurses der MUW ist die große Anzahl an supervidierten Praktikumsstunden am Patienten, Handson-Kurse im Bereich der nichtchirurgischen und chirurgischen Parodontaltherapie sowie der Implantattherapie. Dies bietet die Möglichkeit, im intensiven Kleingruppenunterricht die nötige Kompetenz für die Behandlung schwer parodontal erkrankter Patienten zu erwerben.

Der intensive Kontakt mit den Teilnehmern ermöglichte bereits während des ersten Lehrganges organisatorische Anpassungen. Solche werden – abhängig von den Teilnehmern und in Absprache mit diesen – auch in Zukunft eventuell nötig und natürlich möglich sein.

 

Welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen in die Ausbildung ein?

MATEJKA: Ein ganz wichtiger Grundsatz der Ausbildung ist die Vermittlung evidenzbasierten Wissens. Dies betrifft sowohl die Grundlagenfächer als auch die kritische klinische Anwendung. Insbesondere die Implantattherapie im parodontal reduzierten Gebiss und das Management periimplantärer Entzündungen, deren Prävalenz im Zunehmen begriffen ist, werden umfassend dargestellt und klinischpraktisch umgesetzt. Das selbstständige Erarbeiten von Themenkomplexen trägt zur Festigung des Wissens bei.

Wie wichtig ist das Sponsoring durch Dentalfirmen?

BRUCKMANN: Trotz der steigenden Kosten können die Studiengebühren für den neuen Lehrgang auf gleichem Niveau wie 2008 gehalten werden. In wirtschaftlich schweren Zeiten sind verlässliche Partner, die jedoch keinen direkten Einfluss nehmen wollen, umso wichtiger. Unsere Sponsoren gehören sämtlich zu den Top-Performern ihrer jeweiligen Branche, sodass wir mit Stolz helfen, den Firmen im Sinne einer Win-win-Situation eine Präsentationsplattform zu bieten.

Welche Möglichkeiten haben die Absolventen, um ihre Zusatzausbildung direkt den Patienten anzupreisen? Was raten Sie?

BRUCKMANN: Absolventen, die Mitglieder der ÖGP sind, wird zusammen mit dem „schilderfähigen“ akademischen Mastertitel der MUW von der ÖGP der Titel „Spezialist für Parodontologie der ÖGP“ verliehen. Als solche sind sie auf der Homepage der ÖGP unter www.oegp.at gelistet. Diese Seite wird von vielen Patienten, die seriöse und unabhängige Information zur Parodontalbehandlung suchen, angeklickt.

Wann startet der nächste Lehrgang? Wann sollte man sich bei Interesse anmelden?

BRUCKMANN: Der nächste Lehrgang startet im Oktober 2010, ab sofort werden Anmeldungen entgegengenommen, die Teilnehmerzahl ist jedoch auf 18 beschränkt. Informationen über die Anmeldung und den Lehrgang finden Sie auf unserer Homepage.

 

Das Gespräch führte Mag. Andrea Fallent

 

www.meduniwien.ac.at/paromaster

Universitärer Lehrgang Paromaster
Die Ausbildung zum Master of Science in Periodontology an der Bernhard-Gottlieb-Zahnklinik der Medizinischen Universität Wien ist berufsbegleitend auf zwei Jahre angelegt und richtet sich an alle Zahnärzte – vorzugsweise mit praktischer Berufserfahrung.
Der MSc für Parodontologie ermöglicht interessierten Kollegen eine weiterführende postgraduale theoretische und praktische Ausbildung auf akademischem Level. Der Lehrgang folgt damit dem internationalen Trend nach postgradualer Spezialisierung in den einzelnen Teilgebieten der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.


Die Experten des Paromaster:
Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. DDr. Michael Matejka inne.
Die administrative Leitung liegt in den Händen von Ass. Dr. Corinna Bruckmann, MSc, die bei der ÖGP-Jahrestagung in St. Wolfgang am 16.4.2010 um 14.00 Uhr über den Paromaster referieren wird (siehe auch Bericht auf Seite 4). www.oegp.at Wissenschaftlicher Beirat: Ass. Prof. DDr. Gerlinde Durstberger, Dr. Wolfgang Müller, Past-Präsident der ÖGP, Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf, Präsident der DGP, sowie Ass. DDr. Stefan Hienz, PhD.

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