zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 31. März 2010

Ein Fach holt auf

„Heute ist eine Praxis, die keine Brackets macht, keine kieferorthopädische Praxis mehr“, meint Prof. DDr. Martin Richter.

Im Interview mit dem Zahn Arzt zeigte sich der Tagungsleiter nüchtern und optimistisch zugleich, was die Positionierung der heimischen Kieferorthopäden im Spitzenfeld angeht.

 

Nur wenn Richter von vereinzelten Kollegen hört, die nach Entschuldigungen suchen, um sich nicht weiterentwickeln zu müssen, fühlt er sich in jene Zeiten zurückversetzt, als Brackets auf den Markt kamen. Umso mehr freut er sich dann, wenn er das Interesse jener sieht, die sich unermüdlich zu profilieren und zu perfektionieren suchen.

 

Wann gab es in der Kieferorthopädie den letzen wirklich großen Durchbruch?

RICHTER: Vor 20 Jahren, von Südkorea ausgehend. Dort wurden die Mikroschrauben im großen Stil in die Kieferorthopädie eingeführt.

Wie ist es heute? Gibt es diesen Vorsprung in der Mikroschraubentechnik noch und sind Ihnen auch andere Techniken bekannt, die wir von den Koreanern, Japanern oder auch anderen unbedingt lernen sollten?

RICHTER: In der Mikroschraubentechnik sind uns die Koreaner vermutlich zehn Jahre voraus. Doch wir sind dabei, schnell aufzuholen – und werden in den nächsten Jahren sicher aufschließen. Aber in allen anderen Bereichen befinden wir uns bereits im Spitzenfeld – und brauchen sicher keinen Vergleich zu scheuen!

 

Wie denken bzw. empfinden Sie persönlich, wenn Kollegen neue Evidence-based-Methoden und -Techniken verweigern und sagen: „Ich habe es immer so gemacht und daher mache ich es auch weiter so!“?

Richter: Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit, als Multiband begonnen hat. Damals gab es auch Kollegen, die diese Behandlungstechnik nicht erlernen wollten – und deshalb Scheinargumente wie „Das will ich meinen Patienten nicht zumuten!“ gesucht haben. Im Grunde waren es nur Vorwände, um nur nichts Neues lernen zu müssen.

Ein paar Jahre ist es auch gut gegangen – und es ist toleriert worden. Doch irgendwann ging es nicht mehr. Und heute ist eine Praxis, die keine Brackets macht, keine kieferorthopädische Praxis mehr. Das gibt es nicht mehr! Genauso sehe ich es auch mit der Entscheidung, ob ich mir neue, wissenschaftlich und auch empirisch belegte Behandlungsweisen aneignen will oder nicht: Es gibt eine Übergangs- und Schonfrist, um diese langsam zu erlernen und in den Arbeitsalltag einzuführen. Aber nach allerspätestens zehn Jahren ist diese Schonfrist vorbei.

 

Es gibt aber auch Kieferorthopäden, die sich fortwährend zu profilieren suchen. Auf welche Steckenpferde könnten diese Ihrer Meinung nach setzen?

Richter: Ja, glücklicherweise sind die in der Überzahl. Doch zurück zu Ihrer Frage: Ein solches Steckenpferd, wenn man es so nennen will, ist sicherlich die Ästhetik. Ästhetik ist für den Patienten erkennbar, nicht jedoch die Funktion. Letztere ist für ihn einfach nicht greifbar. Andererseits wiederum schämen sich manche Patienten, unbedeutend erscheinende ästhetische Wünsche zu äußern. Doch in Wahrheit sind es diese Kleinigkeiten, die sie stören. Aus der Praxis weiß man auch, dass die gesundheitlichen Aspekte als Grund oft nur vorgeschoben werden, um in die Praxis kommen zu können.

Komfort für den Patienten ist eine weitere Differenzierungsmöglichkeit: Durch Schienenserienbehandlungen und Lingualtechnik ist es für den erwachsenen Patienten heute leichter, sein gewohntes soziales oder auch öffentliches Leben so weiterzuführen, wie bisher.

 

Die Tagung ist in kieferorthopädischen Fachkreisen schon quasi eine Marke. Welche sind Ihrer Meinung nach die Kriterien, die für diesen Erfolg verantwortlich sind?

Richter: Die harmonische Mischung zwischen weltweit anerkannter Fortbildungsqualität durch Topreferenten und das Gelingen, den Konzentrationslevel über eine Woche hochzuhalten. Das Grundkonzept verdanken wir Prof. Droschl, der für diesen immer wieder glückenden atmosphärischen Aufbau und das CI (Corporate Identity) verantwortlich ist.

 

Abschließend eine persönliche Frage: Welche Errungenschaft des letzten Jahrzehnts möchten Sie als Kieferorthopäde auf keinen Fall missen?

Richter: Mikroschrauben!

 

Das Gespräch führte DDr. Andreas Scheiderbauer

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben