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Foto: IDS
Deutsche Wissenschaftler wollten implantatgetragene Suprakonstruktionen mit konventionellem Zahnersatz vergleichen.
 
Zahnheilkunde 2. März 2010

Nachholbedarf bei Studien

Vergleich von implantatgetragenem und konventionellem Zahnersatz zeigt keine evidenzbasierten Vor- und Nachteile.

Mangels aussagekräftiger Studien bleibt unklar, ob Patienten mit einer verkürzten Zahnreihe einen Vorteil davon haben, wenn der Zahnersatz auf ein im Kiefer fest verankertes Implantat aufgesetzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

 

Die Wissenschaftler haben implantatgetragene Suprakonstruktionen mit konventionellem Zahnersatz verglichen. Dieser ist entweder herausnehmbar oder an noch vorhandenen „natürlichen“ Zähnen befestigt.

Keine ausreichende Evidenz

Den Nutzen für Patienten macht das IQWiG an vier Zielgrößen fest: Zum einen daran, wie die Patienten ihre Mundgesundheit selbst erleben („mundgesundheitsbezogene Lebensqualität“), zum anderen daran, wie lange der Zahnersatz funktionstüchtig ist („Funktionsdauer“). Weitere Zielgrößen sind die „Kaueffektivität“ – das ist der Aufwand, der nötig ist, um Speisen schluckfähig zu machen – sowie die Ernährung.

Wie die Wissenschaftler jedoch feststellen mussten, ist die Studienlage unzureichend. Dabei hatten sie sich bei ihrer Recherche nicht nur auf randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) beschränkt, sondern auch kontrollierte Studien ohne zufällige Zuteilung der Patienten einbezogen.

Weitere Forschung notwendig

Berücksichtigt wurden überdies Fallserien, sofern diese bestimmten Mindestanforderungen genügten. Dennoch konnten sie für keine der vier Zielgrößen methodisch belastbare Studien bzw. belastbare Evidenz ausfindig machen, die es erlaubt, verlässliche Aussagen zu Vor- oder Nachteilen der Therapiealternativen zu machen. Das Institut kommt vielmehr zu der Schlussfolgerung, dass es für den implantatgetragenen im Vergleich zum konventionellen Zahnersatz bei verkürzten Zahnreihen weder Hinweise noch Belege für einen Zusatznutzen gibt.

Das Institut empfiehlt dringend, weitere klinische Vergleiche anzustellen. Insbesondere zur Bewertung der „Kaueffektivität“ werden dringend Studien benötigt, die verschiedene Altersgruppen unterscheiden, prospektiv den Einsatz von Implantaten und Prothesen untersuchen und auch die Tragezeiten der Prothesen in standardisierter Form berücksichtigen.

In der Zahnmedizin gibt es zwar besondere Einschränkungen für Studien, etwa durch die Art der Kostenerstattung. Dennoch ist das IQWiG der Auffassung, dass auch in diesem medizinischen Bereich Studien möglich und notwendig sind, die hinreichend sichere und interpretierbare Daten liefern.

 

 www.iqwig.de

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