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Abb. 1: Frontzahnkronen mit reiner Oplascheide bei Auflicht.

Abb. 2: Skizze zur Farbbestimmung und Charakteristik.

Abb. 3

Abb. 4

Abb. 5
Abb. 3 bis 5: Fallbeispiel vorher und nachher; oben: devitaler Zahn 21 mit starker opalezierender Charakteristik – Frontzahnkrone 21.

Abb. 6

Abb. 7

Abb. 8a: Schnitt durch Zr-Krone unter UV-Licht.

Abb. 8b: Schnitt durch einen natürlichen Zahn.

Abb. 9

Abb. 10

Abb. 11: Schichtschema.

Abb. 12 und 13: Krone 11, Füllung 21 mesial vorher und nachher.

 
Zahnheilkunde 2. März 2010

Farbdimensionen des Lächelns

Erfahrungswerte auf dem Weg zur richtigen Zahnfarbe.

Wir modellieren Kronen und Brücken virtuell und können Prothesen am Computer herstellen. Eines stellt uns jedoch seit Bestehen der Zahntechnik vor ein scheinbar unüberwindliches Problem: nämlich konstant die richtige Zahnfarbe zu erkennen, umzusetzen und den Zahnersatz wirklich lebendig und unauffällig wirken zu lassen.

 

Mit welchem Phänomen haben wir es zu tun, wenn sich der hergestellte Zahn nach scheinbar exakter Farbnahme nicht so erfolgreich eingliedert, wie man es sich erwartet hat? An der vermeintlich falsch bestimmten Farbe selbst? Oder an der Tageszeit, zu der die Farbe bestimmt wurde? Oder sind es gar Zeit- und Geldfaktoren? Vielleicht. Aber viel wahrscheinlicher verdrängen wir immer häufi-ger mühsam erarbeitetes Grundwissen sowie den Grundinstinkt, den Mut und das Wissen vergangener Generationen. Dieses bleibt in unserem Computerzeitalter leider auf der Strecke. Natürlich ist es auch lange nicht so spektakulär wie das „Neue“, welches wir in rasanter Geschwindigkeit jeden Tag erfahren.

Erfolgreiche Sanierungen werden von unseren Patienten meist an der Ästhetik gemessen. Ich möchte Ihnen in diesem Beitrag zeigen, wo unsere Probleme zur richtigen Farbbestimmung oder, wie ich es gerne nenne „Leuchtkraftbestimmung“ liegen; welchen Einfluss Opaleszenz, Fluoreszenz und Transparenz haben und wie wir erfolgreich das Gesehe-ne Umsetzen können. Unabhängig von Ihrem persönlichen Keramikhersteller!

Wer bestimmt die Farbe und wo?

Speziell im Frontzahnbereich sollte nach Möglichkeit eine Farbnahme durch den Techniker erfolgen. Warum? Der Techniker selbst muss auch das Gesehene umsetzen können. Wir wissen, dass bei einer Übertragung durch zweite oder dritte Personen oft „Daten“ und wichtige Eigenschaften auf der Strecke bleiben, aber vor allem nicht richtig artikuliert werden können. Weiters ist es von Vorteil, wenn der Techniker die Farbe in seinem gewohnten Umfeld nehmen kann. Dies sollte in einem eigens dafür adaptierten und umgebungslichtneutralen Raum stattfinden. Nur so hat der Techniker auch die Möglichkeit, unter derselben Lichtverhältnissen die von ihm bestimmte und anschließend hergestellte „Farbe“ kontrollieren zu können.

Was verstehen wir nun also unter Zahnfarbe und woraus besteht sie? Für uns ist dies im Alltag das Ergeb-nis aus Dentin und Schneide. Also zum Beispiel A3 oder C2. Doch der natürliche Zahn weicht durch seine individuelle Charakteristik immer von diesen Mittelwertfarben ab. So kann z. B. die Schneidekante bläulicher wirken, mehr oder weniger starke Abnutzungen aufweisen, hat vielleicht ein leicht orangenfarbenes Schimmern, oder die Schneidekante wird von einem zart weißen Saum umgeben etc. ... und dann stimmt unser Mittelwertprodukt schon nicht mehr, weil diese Charakteristiken fehlen. Der Hinweis des Behandlers: „Die Schneidekante transparenter“ ist meist ein subjektives Empfinden. Und transparent ist oft nicht transparent und wird gerne mit einer Eigenschaft der Opaleszenz verwechselt.

Opaleszenz, Fluoreszenz und Transparenz

Die Zahnfarbe selbst ergibt sich durch den inneren Aufbau der Zähne. Nämlich durch die Farbe des den Nerv umgebenen Dentins – die „dritte Dimension“. Dies ist richtungsweisend für die Art der Farbe. Für die Charakteristik sowie die Lebendigkeit eines Zahnes sind drei wesentliche Eigenschaften des Zahnschmelzes und des Zahnaufbaus zuständig: Opaleszenz, Fluoreszenz und Transparenz.

Lichtstrahlen, die auf der Zahnoberfläche auftreffen, werden im Zahnschmelz zerstreut und führen diese Eigenschaften herbei. Das heißt, wir müssen versuchen, die passende Zahnfarbe zu finden und dieser mit Effektmassen (Opal-, Flu- und Cromamassen) an den richtigen Stellen ordentlich „Leben einzuhauchen“ (s. Abb. 2)!

Eigentlich gibt uns die Industrie den Weg vor: z. B. Farbe-Dentin A3, Schneide 5, clear, opal blau, opal-orange, … Um dies umsetzen zu können, müssen wir diese Eigenschaften allerdings verstehen und kontrollieren, ob unsere Keramikmassen da auch mitspielen.

Der Opaleffekt

Sie ist das Herzstück dessen, was uns an einem natürlichen Lächeln anspricht, es ästhetisch und lebendig wirken lässt: Die Opaleszenz hat ihren Namen vom gleichnamigen Opal erhalten. Was ist nun der Opaleffekt? Das Licht wird aus Lichtstrahlen zusammengesetzt betrachtet. Eine Lichtquelle oder ein reflektierendes Objekt sendet diese Lichtstrahlen aus, welche dann in unserem Fall am Zahn reflektiert, gebrochen oder aufgespalten werden. Wir unterscheiden zwischen kurzwelligen und langwelligen Lichtstrahlen. Als Ergebnis dessen wirkt der Zahn für uns bei Auflicht (kurzwellig) bläulich reflektierend (s. Abb. 6), bei Durchlicht (langwellig) nehmen wir ihn als rötlich oder gelblich (s. Abb. 7) wahr.

Das Ausmaß der Lichtbrechung ist von der Wellenlänge des Lichts abhängig (Dispersion). Dadurch wird in der Regel kurzwelliges Licht stärker als langwelliges (rot) gebrochen und somit ein vorher weiß erscheinendes Licht in seine Spektralfarben zerlegt. Dieser Effekt ist bei Zähnen besonders deutlich zu sehen, da diese aus Prismen bestehen. Es gibt einige Medien, die ebenfalls diese Eigenschaft besitzen, jedoch werden sie von uns oft nicht bewusst wahrgenommen. Beispiele hierfür sind die Milch, Seifenblasen oder der „dezente“ Rauch einer Zigarette.

Der Opaleffekt ist hauptverantwortlich dafür, dass wir manchmal bei der Farbbestimmung gründlich daneben liegen. Wir bestimmen die Zahnfarbe täglich zu verschiedenen Tageszeiten, bei Sonne und Regenwetter, im Sommer wie im Winter. Wenn man also bei der Farbbestimmung die natürliche Opaleszenz nicht beachtet, greift man mit Sicherheit mit der Zahnfarbe gründlich daneben. Entweder wirkt der Zahn zu gelb, opak (s. Abb. 1) oder zu grau. Auch wird die Opaleszenz, wie bereits erwähnt, häufig mit der Transparenz verwechselt.

Zähne, die an der Schneidekante besonders lichtdurchlässig wirken, bezeichnen wir gerne als transparent. Doch ist es ebenfalls die Opaleszenz, die wir hier wahrnehmen. Transparenz ist die Eigenschaft, Licht durch einen Körper zu lassen. Die reelle Transparenz schließt aber eine Reflexion aus und ist daher nur monochrom für uns wirklich sichtbar! Es ist der Anteil unseres Zahnes, welcher bei S/W-Aufnahmen wirklich lichtdurchlässig ist.

Opaleszenz alleine wäre der Natur allerdings zuwenig. Daher gibt es noch den Übergang zur Opazität, wenn die Prismen größer als die Wellenlänge des Lichts werden. Dies führt dann dazu, dass das gestreute Licht auch mehr Rotanteile enthält, somit weißlicher wird. Insgesamt wird auch die Streuung schwächer. Die Färbigkeit macht sich damit immer weniger bemerkbar, bei reiner Opazität ist das Streulicht weiß. Wir bemerken diesen Effekt bei älteren, aber von Natur aus sehr hellen Zähnen. Wir sprechen oft gerne von großflächigen Verkalkungen oder hoch-chromatischen, opaken Zähnen.

Zum besseren Verständnis findet sich auch ein Beispiel in der Himmelsfarbe: Bei viel Dunst in der Atmosphäre kommen durch die Lichtstreuung weitere Weißanteile ins Streulicht. Damit wird die blaue Himmelsfarbe schwächer und weißlicher. Gleiches kann man in der Nähe des Horizonts beobachten, der ein wesentlich helleres Blau zeigt. Auch die Wolken sind deswegen weiß.

Die Fluoreszenz – der schöne Schein

Der natürliche Zahn gehört zu den ganz wenigen organischen Stoffen, die diese Eigenschaft besitzen. Fluoreszenz kennen wir aus Diskotheken, Geschäften etc., wenn unsere weißen Hemden und transparente Getränke plötzlich bläulich leuchten. Und wir kennen es, wenn eine nicht fluoreszierende Zahnkrone aus einer leuchtenden natürlichen Front wirkt, als wäre hier eine Lücke – sehr unangenehm für die betreffende Person. Fluoreszenz ist die Eigenschaft eines Stoffes, unsichtbares UV-Licht in Form von sichtbarem Licht wieder abzugeben. Dies ist für uns von größter Bedeutung, da wir – mit Ausnahme von Vollkeramik – Stoffe als Träger unserer Keramik verwenden, die diese Eigenschaft nicht aufweisen. Weder Metall noch Zirkon (s. Abb. 8) können UV-Licht wiedergeben. Wenn wir Schnitte durch den natürlichen Zahn betrachten, so leuchtet das die Pulpa direkt umgebende Dentin am stärksten, das restliche Dentin von der Mitte zur Schneide immer weniger. Die Zahnschneide scheint, als würde sie das abgegebene Licht nur durchlassen und sich neutral verhalten. Dieses natürliche Schichtschema müssen wir ebenfalls übernehmen. Das heißt unsere Opakdentin und Dentinmassen müssen sehr stark leuchten können. Im Gegensatz dazu können sich die Opalmassen und Schneiden neutral verhalten.

Aber die Fluoreszenz hat auch noch eine andere wesentliche Bedeutung: Sie unterstützt die Opaleszenz in einer noch subtileren Art. Unterstützt durch die fluoreszieren-de Gabe, erscheint der Zahn bei Sonnenlicht gelblicher, bei warmen Lichtquellen wie einer Glühlampe rötlicher, bei kalten Lichtquellen (Leuchtstofflampen) bläulicher.

Tipps zur Fluoreszenz

Fluoreszenz ist für uns schwer bestimmbar aber immer vorhanden, daher:

  • lernen Sie die Eigenschaften der eigenen Keramikmassen kennen! Kontrollieren Sie die opaleszierenden und fluoreszierenden Eigenschaften! Dieser Aufwand bedeutet lediglich 3,– Euro Investition in eine UV- Schwarzlichtlampe und drei Stunden Zeit. Danach kennen Sie die Eigenschaften Ihrer Keramikmassen.
  • Alle unsere Gerüste sind nicht fluoreszierend. Auch färbiges Zirkon ist meist nicht fluoreszierend (siehe Abb. 9)!
  • Linern Sie das Zr-Gerüst. Liner beinhaltet meist fluoreszierende Partikel (siehe Abb. 10).
  • Verwenden Sie immer ausreichend Opak-Dentin (Power Chroma). Wenn Sie zu wenig Platz haben, können Sie auch reine, neutrale, fluoreszierende Masse direkt auf den Liner wie Kristalle mit einem alten Pinsel aufpudern.
  • Schneidemassen und Opalmassen leuchten meist weniger. Daher kein Opak-Dentin und kein Dentin mehr über die Zahnschneide schichten.

Wenn wir uns nach diesem Wissen richten und unsere Farbbestimmung dementsprechend aufzeichnen, ergibt sich für uns folgendes Schichtschema: Käppchen > Liner mit reinem Fluo aufgepudert > Opaqudentin (Power Chroma) in gleichmäßiger Schichtstärke > Dentin in reduzierter Zahnform > Trennschichten für die Tiefenwirkung mit z. B. Neutralmassen, Opal neutral, … > der Farbe entsprechende Schneidemasse > Opalmassen für die Formvollendung (s. Abb. 11–13).

Das Schöne an der Umsetzung dieser Eigenschaften ist, dass wir danach in der Lage sind wirklich natürliche Zähne herzustellen. Sie werden unter Einfluss verschiedenster Lichtquellen lebendig wirken. Und dies sogar schon bei einfachen Schichtungen! Und wenn wir nur ein wenig egozentrisch sind, so tun wir dies nicht nur für unsere Patienten – letztendlich tun wir es auch für uns. Für mehr Freude, mehr Zufriedenheit an unserer täglichen Tätigkeit – und nicht zum Schluss, weil hervorragende Ergebnisse sich gerne weiterempfehlen.

Trotzdem bedarf es etwas Geduld, bis dies in „Fleisch und Blut“ übergeht. Und natürlich der in letzter Zeit oft angesprochenen guten Partnerschaft zwischen dem Zahnarzt und dem Zahntechniker. Es ist nicht immer möglich oder sinnvoll, den Patienten ins Labor zur Farbnahme zu schicken. Auch ich arbeite mit Zahnärzten in anderen Bundesländern und mehreren hundert Kilometern Entfernung. Wenn man in dieser Partnerschaft aber sein Wissen abgleicht und sich auf eine Methode der indirekten Übertragung einigt, kann man ebenfalls außergewöhnliche Erfolge erzielen. Hilfreich hierzu wäre natürlich ein digitales Foto, auf dem man die Charakteristik erkennt und nach Möglichkeit gleich einzeichnen kann.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Experimentieren und viel Erfolg beim zukünftigen Herstellen natürlicher und ästhetischer Zähne!

 

Quelle: Vortrag „Farbdimensionen des Lächelns“ von Christian Koczy,

www.koczy.at

Kasten 1
Fazit der Zahnfarbenbestimmung
1.Bestimmung der Farbe des Dentins am Zahn (s. Abb. 3) und zum Vergleich am beschliffenen Zahnstumpf. Die meisten Hersteller haben hierfür bereits eigene Farbschlüssel; wenn nicht, kann man selbst solche Dentinplättchen herstellen.
2.Farbbestimmung an den Nachbarzähnen in gewohnter Art A1–D4 im Mittelwert.
3.Farbbestimmung mit Kaltlicht und Ergebnisvergleich danach mit reinem natürlichem Licht. Die Farbe wird so lange neu bestimmt, bis man zu einem gleichen Ergebnis gekommen ist. Hinterfragen Sie immer Ihr erstes Ergebnis.
4.Versuchen Sie die Charakteristik des Zahnes bei dieser ersten Bestimmung vorerst zu ignorieren.
5.Nun benötigt man Farbplättchen aller Ihnen zur Verfügung stehenden Opal-Effekt- und Opal-Schneide-Massen.
6.Man legt diese genauso an den Zahn an und sucht nun nach den geeigneten Massen. Zum Beispiel: Opal-Tiefblau, Opal-Ocean etc. für extrem transparente Schneidekanten, Opal-Orange für das scheinbare Sekondärdentin usw. Opal-Gelb für den zervikalen Abhang, Opal-Weiß für die okklusalen Leisten …
7.Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Farbe viel mehr aus der Tiefe kommt, so helfen Sie sich zusätzlich mit Opal-neutral-Massen, die Sie sowohl in die Tiefe als auch an die Oberfläche legen können.
8.Gewöhnliche Schneidemassen helfen bei der Farbgebung und beim Helligkeitsgrad. Sie sind meist nicht opaleszierend, daher können sie nur unter den Opalschneiden verwendet werden. Legen Sie nie Schneidemassen über Opalmassen. Sie würden alle Effekte verlieren!

Von ZT Christian Koczy, Zahnarzt 3 /2010

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