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Foto: Prof. Dr. Regina Merikske-Stern/Klinik f. zahnärztliche Prothetik, Uni Bern
Funktioneller Luxus für die gesellschaftliche Oberschicht anno dazumal. Heute werden moderne Prothesen-Materialien bevorzugt.

Meinrad Maier Zahntechnisches Labor 3008 Bern E-Mail: www.zahntechnikmaier.ch

 
Zahnheilkunde 2. März 2010

Zahnersatz im Wandel

Ein Schweizer Zahntechniker fragt sich: Wird das Handwerk bald überflüssig?

Der Zahntechniker-Beruf bietet uns unterschiedlichste Materialien und innovative Techniken, die wir nutzen und weiterentwickeln können. Die Dentalwelt ist im Wandel, wir können uns dieser Entwicklung nicht verschließen. Dennoch stellt sich die Frage: Muss man wirklich auf jeden Zug aufspringen?

 

Die Entwicklung und Nutzung der Oxydkeramiken stellt für uns Zahntechniker eine sehr große Herausforderung dar. Mit dieser „jungen Technik“ können wir der ständig steigenden Nachfrage nach metallfreien vollkeramischen Restaurationen in vielen Fällen gerecht werden.

Neue Techniken bringen neben der technischen Faszination auch immer wieder Risiken mit sich. Wissen wir schon wirklich alles über das Material und die Verarbeitung beispielsweise von Zirkonoxyd? Trotz gewisser Wissenslücken ist es durch den Einsatz von computergestützten Mess- und Fräsverfahren heute schon möglich, eine hervorragende Qualität zu erreichen.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Euphorie im gleichen Maße weiterleben und die Zuwachsrate konstant hoch bleiben wird. Labors ohne CAD/CAM werden Zirkon-Arbeiten nicht forcieren, und bei Kleinstbetrieben stellt sich auch die Frage nach der Auslastung. Unternehmer eines Labors können sich eine Fehlinvestition in einer bestimmten Größenordnung heute kaum leisten. Wir lassen beispielsweise unsere Gerüste von befreundeten Mitbewerbern anfertigen, die unseren Wünschen und Anforderungen entsprechen. Die werkstoffkundlichen Aspekte interessieren uns eher weniger, das soll Ziel der industriellen Forschung bleiben.

Vom Handwerker zum Ingenieur?

Die Arbeitstätigkeit im Zahntechnikerberuf wird sich auf diesem angesprochenen Gebiet immer mehr vom zahntechnischem Handwerk zum Grundwesen eines Ingenieurberufes verlagern. Unser Beruf wird also nicht nur in fachlicher Hinsicht anspruchsvoller, sondern auch im Bereich der Kommunikation, des Marketings und oft sogar der Psychologie.

Wenn wir weiterhin Qualität hochhalten und auch den Mut haben, bewährte Produkte und erprobte Methoden konsequent im Beruf anzuwenden und zu integrieren, wird sich auch die Unruhe durch Billigprodukte vom Ausland her abschwächen!

Konkurrenz aus Asien

Ästhetik und Service kann China nicht scannen, darum sind Bedenken nicht angebracht. Der anonyme Zahnersatz von der Stange, was eigentlich asiatische Stärke wäre, ist gleichzeitig auch deren Schwäche!

Für spezialisierte Labors für Implantat und Totalprothetik erscheinen die Zukunftsaussichten positiv. Statistische Zahlen und demografische Veränderungen zeigen, dass bei den über 70-Jährigen die Zahnlosigkeit in einem bis beiden Kiefern nach wie vor bis zu 50 Prozent verbreitet ist. Der Bedarf nach Prothesen ist also vorhanden. Kenntnisse über Totalprothetik werden auch in Zukunft die Basis für verschiedenartigste Versorgungen der rekonstruktiven Zahnmedizin sein.

Gleichzeitig steigt in der Bevölkerung der Wunsch nach Lebensqualität und hochwertiger zahnmedizinischer und technischer Versorgung. Deshalb tippen wir als langfristige Tendenz eher auf eine dentale Schönwetterperiode.

 

Der Originalartikel ist erschienen in:

DENTALWORLD

© Springer Medizin Verlag Schweiz

Aus- und Weiterbildung in der Schweiz
Erfreulicherweise hat unser Beruf keine Nachwuchsprobleme und Rekrutierungssorgen wie gewisse andere Handwerksbranchen. Sogar der Frauenanteil bewegt sich weiter gegen die 50-Prozent-Marke. Der Berufsverband (VZLS) hat nach der Überarbeitung neuer Ausbildungsreglemente Weichen für flexible Anpassungen in der Branche gestellt. So ist aufbauend auf die Grundbildung der Zahntechniker die dreistufige modulare Weiterbildung (Stufe Fachmann/frau) Spezialist/in und Meister/in) umgesetzt worden.
Durch die Spezialisierungen dürften künftig einzelne Betriebe nicht mehr in der Lage sein, Lernende fachlich genügend umfassend auszubilden. Um jedoch trotzdem Nachwuchs ausbilden zu können, werden Firmen (Ausbildungspartner) zusammenarbeiten müssen, um auf den jeweiligen Spezialgebieten eine optimale Ausbildung zu ermöglichen. Unsere Lehrlinge genießen pro Jahr zwei bis vier Wochen zusätzliche Fortbildung bei der Firma Cendres u. Métaux (Biel). Seit Jahren hat sich dieses partnerschaftliche Coaching bewährt. Und genau dieses wird sich in Zukunft nie ändern.
Hohe Anforderungen werden weiterhin an uns gestellt. Und die Forderung unserer Zahnärzte und Patienten nach individuellem, funktionellen und ästhetisch handwerklichen Zahnersatz wird ebenfalls weiterhin bestehen. Wie sich die Zahntechnik weiterentwickelt, bleibt jedenfalls spannend: Sehen wir nicht schwarz!

Von Meinrad Maier, Zahnarzt 3 /2010

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