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Foto: www.woerthersee.com
Das 11. Kärntner Seensymposium ist eine der größten Fortbildungsveranstaltungen für Zahnärzte in Österreich mit internationaler Beteiligung und findet 2010 vom 6. bis zum 9. Mai im Tagungszentrum Casino Velden statt.
Foto: Privat

MR DI Dr. Karl Rezac Präsident der Landeszahnärztekammer Kärnten und Zahnarzt in Wolfsberg

 
Zahnheilkunde 2. Februar 2010

„Der hohe Selbstbehalt trifft sozial Schwache“

Als Kärntner Zahnärztekammerpräsident und Kassenreferent steht MR DI Dr. Karl Rezac in den Startlöchern für Verhandlungen mit der Sozialversicherung bezüglich der Kostenbeteiligung beim Zahnersatz.

Der gelernte Architekt und niedergelassene Zahnarzt mit Schwerpunkt Implantologie und restaurative Zahnheilkunde forciert zudem die Gesundheitsvorsorge durch verstärkte Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizinern und Zahnärzten und eine Neureglung der Reihungsrichtlinien für Kassenverträge.

 

Im Gespräch mit dem Zahn Arzt äußert sich Rezac auch zur neuen Altersbegrenzung, der Liberalisierung des Gesundheitssystems und zur wirtschaftliche Situation der Zahnärzte in seinem Bundesland.

 

Welche Projekte laufen in Kärnten derzeit, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

REZAC: Derzeit sind bei uns zwei Projekte vorrangig. Zum einen sind wir dabei, gemeinsam mit der Gebietskrankenkasse den Stellenplan und die Reihungsrichtlinien neu zu ordnen. Dabei berücksichtigen wir die bevölkerungspolitische Entwicklung wie unter anderem Pendlerströme und Einwohnerzahlen und entwickeln die Regelung der Reihung weiter, sodass sie für jeden Kollegen klar ersichtlich ist.

Weiters wurde in Zusammenarbeit mit der Ärztkammer vor zwei Jahren ein Projekt zur Prophylaxe von Parodontose gestartet. Die praktischen Ärzte weisen ihre Patienten im Rahmen der Gesundenuntersuchung auf die wichtige Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt hin. Auf der anderen Seite schicken unsere Zahnärzte Parodontalpatienten auch verstärkt zur Vorsorgeuntersuchung. Wir möchten den Patienten dahingehend aufklären, dass die Vorsorge im Bereich der Mundgesundheit nicht nur den Biss bis ins hohe Alter erhält, sondern auch für die Allgemeingesundheit einen hohen Stellenwert hat. Meiner Meinung nach ist die parodontale Grunduntersuchung (PGU) ein wichtiger Schritt in diese Richtung, der nun auch durch die Aufnahme in die Honorarrichtlinien unterstützt wird.

 

Stichwort Allgemeinbefinden:

Sollten sozial schwache, insbesondere ältere Menschen bei zahnärztlichen Leistungen finanziell unterstützt werden?

Rezac: Beim abnehmbaren Zahnersatz wird nach wie vor 50 Prozent Selbstbehalt vorgeschrieben, was im Großen und Ganzen die sozial Schwachen trifft. Natürlich könnte man den Betroffenen vorwerfen, dass sie im Vorfeld nicht genügend Mundhygiene betrieben haben. Aber ich denke, dieser Vorwurf an die älteren Patienten ist nicht gerechtfertigt, weil zu ihrer Jugendzeit die Bedeutung dieser Maßnahmen noch nicht ausreichend bekannt und Usus waren. Der Selbstbehalt bei den Reparaturen stellt eine soziale Belastung für viele Pensionisten dar.

 

Gibt es Bestrebungen, diese Regelung zu ändern?

Rezac: Ich bin selbst Kassenreferent und stehe mit meinem Team in den Startlöchern für Verhandlungen mit der Sozialversicherung. Unter anderem soll auch dieses Thema mit aufs Tapet. Unsere Arbeitsgruppen sind besetzt, leider gibt es vom Hauptverband noch kein grünes Licht für neue Verhandlungen.

 

Welche Entwicklungen im Gesundheitwesen sehen Sie außerdem kritisch?

Rezac: Die Liberalisierung des Gesundheitsmarktes mit der Gründung von GesmbHs für nicht ärztliche Gruppen im Gesundheitsbereich – z.B. im Zusammenhang mit der Errichtung von Ärztezentren – verfolge ich mit Skepsis.

 

Wie stehen Sie zu der jüngsten Entwicklung der Altersgrenze für Kassenverträge?

Rezac: Dass neue Kassenverträge bis zu einem Alter von 70 Jahren limitiert sein sollen, betrachte ich als durchaus sinnvoll. Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, dass diese Regelung auch in die Altverträge mit einem Handlungsspielraum von einem Jahr eingreifen soll. Das scheint mir verfassungsrechtlich noch nicht ausreichend abgeklärt. Wenn es diesbezüglich einen neuen Kassenvertrag geben sollte, muss das ein Paket mit allen Positionen sein. Ich denke nicht, dass das Thema in einem Jahr abgehakt ist.

 

Was sagen Sie zum jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofes bezüglich der Klage einer deutschen Zahnärztin, in dem eine Altersgrenze als durchaus akzeptabel anerkannt wurde, wenn sie der Beschäftigungspolitik dient?

Rezac: Hier ist meine Meinung eindeutig: Wenn wir dadurch mehr junge Kollegen mit Kasenverträgen austatten können, bin ich absolut dafür.

 

Wieviel Bedeutung messen Sie der Fortbildung für Zahnärzte bei? Welche interessanten Termine hat Kärnten zu bieten?

Rezac: In der heutigen Zeit gehört die Fortbildung einfach zum zahnärztlichen Berufsbild dazu. Unser Fortbildungsdiplom erfreut sich einer entsprechend großen Akzeptanz. Wir in Kärnten haben unser Seensymposium (s. Kasten) so weit entwickelt, dass es sich bezüglich der Teilnehmerzahlen durchaus mit dem österreichischen Zahnärztekongress messen kann. Als zweite Schiene der Fortbildungen in Kärnten bieten sich die abendlichen Study-Groups an, die einmal monatlich am Dienstag stattfinden und sich einem Schwerpunktthema widmen. Das dritte Standbein stellen die Qualitätszirkel dar, die sich mittlerweile in jedem Bezirk etabliert haben. Zudem stehen wir nun kurz davor, österreichweit ein E-Learning-System einzuführen – ähnlich wie es die Ärztekammer bereits aufgezogen hat, um Fortbildungspunkte zu sammeln. Da die Spezialisierung unter den Zahnärzten immer weiter fortschreitet, denken wir auch in Zusammenarbeit mit Dr. Herbert Haider über die Etablierung von Fachgebieten nach. Ein Spezialdiplom könnte österreichweit im Rahmen des europäischen Erasmusprogramms u.a. in den Fächern Oralchirurgie, Implantologie, Parodontologie und Kieferorthopädie eingeführt werden, die wohl am weitesten in der Spezialisierung fortgeschritten sind.

 

Im Dezember hat der Österreichische Akkreditierungsrat das Master-Studium für restaurativ-prothetische Zahnheilkunde an der Tiroler Health & Life Sciences Universität UMIT genehmigt. Wie stehen Sie zu den zunehmenden zahnärztlichen Studien an Privatuniversitäten?

Rezac: Ich denke, dass eine Privatuniversität für ZMK in Österreich durchaus ihren Platz hat – aber nur mit der entsprechenden Qualität und Praxisbezogenheit. Ein gutes Beispiel für Medizin ist die Paracelsus-Universität in Salzburg. In Österreich ist ein Standard der zahnärztlichen Ausbildung vorgegeben, der in einigen Bereichen so mancher Privatuniversitäten nicht geboten wird. Schon gar nicht für die hohen Studiengelder, die dafür eingehoben werden.

 

Es werden zunehmend Kurse zum Thema Notfälle in der Zahnarztpraxis angeboten. Sehen Sie da ein Manko in der Ausbildung?

Rezac: Notfälle kommen Gott-sei-Dank nur sehr selten in der zahnärztlichen Praxis vor. Natürlich wird eine entsprechende Basisausbildung im zahnärztlichen Studium angeboten. Doch auch die Notfallmedizin entwickelt sich weiter. Ich veranstalte selbst in meiner Praxis alles drei bis fünf Jahre für mein Team einen Kurs mit einem Notarzt, in dem wir die häufigsten Zwischenfälle durchspielen und auf die neuesten Erkenntnisse abstimmen. So kann man up to date bleiben – genauso wie auf anderen Gebieten der Medizin.

 

Sie haben sich u.a. auf Implantologie spezialisiert. Welche sind hier für Sie die wichtigsten Innnovationen der letzten Zeit?

Rezac: Auch in der Implantologie geht der Trend zunehmend in Richtung Ästhetik. Ein Aspekt, der durch Patienten auch immer häufiger angesprochen und natürlich auch in die Planung eingebunden wird. Daneben gewinnen die minimalinvasiven Eingriffe an Bedeutung. Wobei man die Wünsche der Patienten, von denen sich viele Informationen aus dem Internet holen, nicht immer berücksichtigen kann und sie bisweilen auf den Boden der Realität zurückholen muss.

 

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und Zahntechnikern und die Überlegung, den Beruf des Prothetikers zu etablieren?

Rezac: Das ist noch immer ein sehr heißes Thema. Die Zusammenarbeit von Zahntechnikern und Zahnärzten wird von uns forciert, das zeigt das Kärntner Seensymposium, zu dem auch Zahntechniker für gemeinsame Vorträge eingeladen wurden. Laut Europrecht ist ganz klar der Zahnarzt als Einziger zur Tätigkeit im Mund befugt. Daher gilt: Jeder Teampartner sollte bei seinem Leisten bleiben. Aber es spricht natürlich nichts dagegen, dass man z. B. Zahnfarbe und kosmetische Aufstellung gemeinsam mit dem Zahntechniker bespricht, was gesetzlich möglich ist. Alles darüber hinaus kann aus meiner Sicht nicht funktionieren.

 

Wirkt sich die wirtschaftliche Lage Ihrer Meinung nach auf auch auf die Zahnärzteschaft aus?

Rezac: Die Wirtschaftskrise ist Gott sei Dank bei uns noch nicht angekommen. Wir leben in einem Medienzeitalter, in dem Gesundheit und Schönheit immer wichtiger werden. Die Leute investieren nach wie vor in diese beiden Bereiche. Das Bewusstsein, im Alter gesund bleiben zu wollen und dafür etwas aktiv zu tun, wird zudem immer stärker. Das beginnt bei der Lebensführung, bei der sportlichen Betätigung, reicht über die bewusste Ernährung bis hin zur Vorsorgemedizin. Was den Zahnärzten entgegenkommt, weil wir ein gutes Stück Lebensqualität für unsere Patienten beitragen können.

 

Das Interview führte Mag. Andrea Fallent

Kasten:
Landeszahnärztekammer Kärnten
Anzahl der Mitglieder: 299, davon 268 niedergelassene
Zahnärzte, 21 Angestellte

Kontakt:
Neuer Platz 7/1, 9020 Klagenfurt,
Tel: 05 05 11-9020
Fax: 05 05 11-9023
E-Mail:
Internet: http://ktn.zahnaerztekammer.at

Jährliches Fortbildungshighlight:
11. Kärntner Seensymposium, 6. bis 9. Mai 2010,
Tagungszentrum Casino Velden; Programm:
http://ktnoegzmk.at/wissenschaftliches-programm.htm
Info: www.oegzmk.at

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