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Mithilfe moderner Laser sind viele Eingriffe sicherer, einfacher oder schneller durchzuführen.
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Ao. Prof. DDr. Andreas Moritz Abteilung für Zahnerhaltung, Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik Wien

Foto: www.thegumdr.com

Zahnärzte und Patienten schätzen den Einsatz von oralen Lasern.

 
Zahnheilkunde 2. Dezember 2009

In Lichtgeschwindigkeit

Von Kariesdetektion bis Powerbleaching: Die Lasertechnologie hält Einzug in moderne Zahnarztpraxen.

Seit Jahren werden Lasersysteme unterschiedlicher Wellenlängen bei verschiedenenen Indikationen für Hart- oder Weichgewebe in der Zahnmedizin eingesetzt. Diese reichen von Keimreduktion, Bleaching und Endodontie über die Kariesprophylaxe und Therapie von Aphten bis hin zu Begleitmaßnahmen bei der Setzung von Implantaten und der Unterstützung der Wundheilung.

 

„Die Laserbehandlung ist als minimalinvasive Methode zumeist stressfreier für den Patienten“, betont Prof. DDr. Andreas Moritz, Laser-Experte an der Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik Wien. Im Interview mit dem Zahn Arzt verrät er die Highlights des Laser Kongresses der SOLA, der kürzlich in Wien stattgefunden hat, und erklärt, warum moderne Zahnarztpraxen in Zukunft nicht ohne Laser auskommen werden.

 

Welches sind zurzeit die gängigsten Einsatzmöglichkeiten der oralen Laser?

MORITZ: Der Laser ist als alleiniges Therapiekonzept, aber auch als ubiquitäres, wertvolles Hilfsmittel einsetzbar, um herkömmliche Behandlungsmethoden zu verbessern. Ein Beispiel von vielen ist die Endodontie, bei der man eine konventionelle Aufbereitung machen und den Laser zur bakteriziden Unterstützung verwenden kann. Man kann aber auch die Wurzelbehandlung selbst mit dem Laser vornehmen.

 

Manche Zahnärzte beklagen, dass es zu wenige Studien gibt, um den Laser für den täglichen Gebrauch in der Praxis einzusetzen?

MORITZ: Diese Kollegen werden in den medizinischen Datenbanken wahrscheinlich mehr Studien zum Thema Laser in der Zahnheilkunde als zu Implantologie finden.

 

Welche Studien werden derzeit an Ihrer Abteilung durchgeführt?

MORITZ: Wir führen immer wieder Studien über die bakteriziden Effekte der verschiedenen Wellenlängen durch – z. B. in der Endodontie über den Einfluss auf den Biofilm im Wurzelkanal. Weiters im Bereich der Prävention, wo versucht wird, den Zahnschmelz mithilfe von Laserlicht in Kombination mit verschiedenen Ingredienzien resistenter gegen Karies zu machen. Weitere Studien beschäftigen sich mit der Möglichkeit des Bleaching ohne Schädigung der Zahnsubstanz und der Behandlung von Zahnhälsen bei Parodontitis. Ebenfalls interessant ist der Einsatz beim adhäsiven Verbund und der Konditionierung des Dentins, um auf Phosphorsäure verzichten zu können.

 

Stichwort Bleaching: Sie haben auf diesem Gebiet mit der Technischen Universität Wien ein neues Verfahren entwickelt. Wie funktioniert diese Technik?

MORITZ: Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Effizienz von Bleaching-Gels durch Energiezufuhr mittels Laser gesteigert wird. Bei dem Vorgang wird zuerst ein wasserstoffperoxydhaltiges Gel aufgetragen, das einen Absorber beinhaltet, der genau auf die applizierte Wellenlänge abgestimmt ist und für eine punktgenaue Aktivierung der Radikale sorgt, die für die Absorbierung bzw. Reflexion von Lichtmolekülen verantwortlich sind. Ein KTP-Laser mit 532 Nanometer Wellenlänge eignet sich hervorragend und arbeitet mit grünem Licht im sichtbaren Bereich, was noch einen zusätzlichen, photochemischen Effekt bringt. Das heißt, das Licht per se hat Effekte auf die Pigmente, die sich im Zahn befinden, etwa auf Tetracyclinverfärbungen. Sogar mit dem Diodenlaser, der durchaus im für Ordinationen leistbaren Kostenbereich liegt, sind gute Ergebnisse zu erzielen – ohne Schädigung des Zahnschmelzes.

 

Wie ist dieses schonende Bleaching möglich?

MORITZ: Der Hintergrund: Der Zahn besteht in erster Linie aus Kalziumphosphat, das durch Säure der gängigen Bleaching-Gels in Kalziumhydrogenphosphat umgewandelt wird. Dieses Salz wiederum ist wasserlöslich, wodurch es zu Schmelzschädigungen kommt. Je länger die Säure einwirkt, umso größer sind die Schäden. Beim Laser-Bleaching werden hingegen basische Gels verwendet. Im basischen Bereich werden wesentlich aktivere Radikale frei, also nicht Sauerstoffradikale sondern Hydroxylradikale, die auch für die Stabilisierung des Bleachingprozesses verantwortlich sind. Das adäquate Gel wurde von Professor Johann Wernisch an der TU Wien entwickelt.

 

Welche Erfolge kann der Laser in der Parodontologie, z. B. bei Periimplantitis vorweisen?

MORITZ: Dazu gibt es zahlreiche Studien, vor allem auch aus den USA, welche den Laser aufgrund der desinfizierenden Wirkung als ideales Instrument bei Periimplantitis beschreiben.

Wie sieht die Akzeptanz des Einsatzes von modernen Lasern beim Patienten aus?

MORITZ: Dazu gibt es eine aktuelle Studie aus München, in der Kinder mit Karies behandelt wurden. Danach wurde eruiert, inwieweit sie die Laserbehandlung einer Anwendung mit dem Bohrer vorziehen würden. Rund 96 Prozent der befragten Kinder entschieden sich für eine Präparation mit dem Laser. Da muss man sich als Zahnarzt schon Gedanken machen. Der einzige Nachteil des Lasers gegenüber dem Bohrer ist, dass man keine metallischen Füllungen aus Gold oder Amalgam herauspräparieren kann.

 

Welches Gerät würden Sie einem Einsteiger empfehlen?

MORITZ: Ich würde zu einem Diodenlaser raten, der relativ günstig ist, und mit dem man in einer Ordination täglich arbeiten kann. Hier reicht der Indikationsbereich von Parodontologie über Zahnfleischmodellierung bis hin zu kleinen chiurgischen Eingriffen wie z. B. Gingivektomien, Lippenbändchen-OP oder die Entfernung von kleinen Fibromen. Weiters ist der Diodenlaser ideal für die Endodontie, das bereits beschriebene Bleaching und die Behandlung von sensiblen Zahnhälsen. Hersteller gehen davon aus, dass der Diodenlaser in spätestens zehn Jahren ein unverzichtbares Gerät in jeder Zahnarztpraxis sein wird. Natürlich können Zahnärzte mit diesem Laser keine Knochen- oder Zahnhartsubstanz-Präparationen durchführen. Für diesen Einsatzbereich eignen sich dann Laser der Erbiumgruppe.

 

Ende Oktober fand der Laser Congress der SOLA mit namhaften Experten in Wien statt. Über welche Fortschritte wurde dort berichtet?

MORITZ: Die Veranstaltung präsentierte eine Fülle an neuen Erkenntnissen und etliche Innovationen der High End Dentistry. In zahlreichen Vorträgen wurde über die bakterizide Wirkung des Lasers berichtet, aber auch in der Ästhetik und bei chirurgischen Eingriffen ist der Laser mittlerweile unverzichtbar. Zudem wurde der Einsatz des Lasers in Verbindung mit der Nanotechnologie präsentiert.

 

In Österreich wird eine Ausbildung zum Laserschutz-Beauftragten angeboten. Was beinhaltet diese Fortbildung?

MORITZ: Das Handling eines Lasers ist für einen geübten Zahnarzt relativ einfach. Für optimale Ergebnisse sind aber physikalische Basiskenntnisse notwendig. Ohne die exakte Einstellung kann man den Laser nicht richtig einsetzen. Die Laserschutz-Kurse finden in Kooperation mit der Zahnärztekammer auf unserer Klinik statt. Weiters bietet die Organisation SOLA, International Society for Oral Laser Applications, in ihrer Akademie ein dreimoduläres Ausbildungsprogramm für sämtliche Bereiche der Lasertechnik in der Zahnmedizin an (siehe Kasten). Diese Möglichkeit in Wien wird jährlich von rund 300 internationalen Teilnehmern genützt. Unsere Klinik zählt sicher zu den weltweit führenden Institutionen in diesem Bereich.

 

Was erwartet die Teilnehmer bei dieser Veranstaltung?

MORITZ: Der Teilnehmer erhält ein international gültiges Zertifikat als Laserschutz-Beauftragter und darüber hinaus auch Einblick in sämtliche Behandlungsmöglichkeiten auf Basis aktueller Trends und Forschungsergebnisse und durch internationale Vortragende. In Modul drei werden eigene Fälle präsentiert, der Kursteilnehmer hat zudem die Möglichkeit, bei Behandlungen zu assistieren.

 

Das Gespräch führte Mag. Andrea Fallent

Kasten:
Laseranwendung – Curriculum und Ausbildung
Weltweit ist derzeit die Zulassung von Lasergeräten rechtlich geregelt und an die Einhaltung strenger Vorschriften gebunden; dies gilt jedoch nur für die Hersteller der Geräte. Der praktische Einsatz selbst hoch potenter Laser ist meist an keinerlei Ausbildungsnachweis gebunden. Österreich hat mit der zwingend vorgeschriebenen Absolvierung der Ausbildung zum Laserschutzbeauftragten nahezu eine Ausnahmestellung inne. Um einen sicheren Umgang mit diesem neuen, technisch anspruchsvollen Medium in unserem Fachbereich zu garantieren, ist eine Ausbildung nötig, welche einerseits die theoretischen Grundlagen, aber auch die praktische Anwendung und Sicherheitsaspekte berücksichtigt.
Ziel dieses Ausbildungsganges ist es, den absolvierenden Zahnärzten eine fundierte, auf den derzeit gültigen „golden standards“ basierende Ausbildung auf dem Gebiet der Laser-Zahnheilkunde zu gewährleisten und sie mit den neusten Resultaten aus Lehre und Forschung vertraut zu machen.
Richtlinien wurden von der SOLA-Academy in Zusammenarbeit mit Nationalen Gesellschaften für Laser-Zahnheilkunde, einigen europäischen Universitäten, praktisch tätigen Kollegen aus mehreren Ländern und Vertretern der Industrie erstellt.

Diplom für Absolventen
Österreichische Absolventen der Module I + II mit abgeschlossener Prüfung und positiver Beurteilung des Praxisheftes erhalten von der Österreichischen Zahnärztekammer ein Diplom. Das Curriculum für Laseranwendung in der Zahnheilkunde finden Sie hierzu auf der Website der Österreichischen Zahnärztekammer (www.zahnaerztekammer.at) unter Fortbildung – Curriculum für Laseranwendung in der Zahnheilkunde.
Modul I der SOLA-Laser-Academy gibt dem Teilnehmer eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die mit einem Laser umsetzbaren Therapieformen. Dabei werden die Indikationen und die Handhabung dieser Laser für die laserunterstützte Behandlung dem Teilnehmer anhand eines detaillierten Therapieplans mit den jeweils adäquaten Leistungseinstellungen vorgestellt und diese Schritt für Schritt erlernt.
Nächster Termin: 19./20. Februar 2010;
Anmeldung: Henry Schein Österreich, Fr. C. Sebastian, Tel: 01/525 11-28
www.sola-int.org

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