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Foto: Miele
Moderner Thermodesinfektor zur maschinellen Reinigung und Desinfektion von Übertragungsinstrumenten.
 
Zahnheilkunde 2. Dezember 2009

Gut gepflegt ist halb gewonnen

Die Aufbereitung von zahnärztlichen Übertragungsinstrumenten stellt eine der größten Herausforderungen der Desinfektion dar.

Zu den Übertragungsinstrumenten zählen nicht nur Turbinen, Hand- oder Winkelstücke, sondern unter anderem auch sämtliche „Sonderansätze“ wie oszillierende Feilen (u. a. EVA, Profin), Endocurser sowie Ultraschall- und Airflowansätze. Als Aufbereitungsschritte sind wie auch bei allen anderen Instrumenten Reinigung (innen und außen), Desinfektion oder Sterilisation vorgesehen.

 

Eine „sterile“ (= aseptische) Anwendung ist in der Zahnheilkunde nur bei oralchirurgischen Eingriffen erforderlich. Auch bei der Aufbereitung der Hand- und Winkelstücke ist die Einhaltung der Reihenfolge der Schritte zwingend erforderlich, damit der Prozess funktioniert.

Verkeimtes Innenleben

Allerdings sind dazu für die Übertragungsinstrumente einige Hürden zu nehmen. Der hoch komplizierte technische Aufbau dieser Instrumente erschwert die Innenreinigung und Desinfektion. Im Besonderen stellt die Desinfektion (oder Sterilisation) der dünnen Röhrchensysteme für Wasser und Luft zur Sprayerzeugung die größte Herausforderung dar. Die für fast alle Instrumente notwendige Ölung der Getriebeteile erschwert diesen Vorgang zusätzlich. Wie schon im letzten Artikel erklärt, ist ohne vollständige Reinigung keine Desinfektion möglich, da das Desinfektionsmedium die zu desinfizieren- de Oberfläche unter jeglicher Verschmutzung nicht erreicht. Untersuchungen haben ergeben, dass die (Innen-)Verkeimung wesentlich geringer ist als angenommen. Durch die technischen Gegebenheiten sind Turbinen tendenziell eher verkeimt. Es zeigt sich jedoch, dass (im Sinne der Innenreinigung) schlecht gepflegte Instrumente sowie defekte oder stark gebrauchte Instrumente in ihrem Innenleben deutlich mehr Keime aufweisen als neue und gut gepflegte Übertragungsinstumente.

Egal mit welcher (wirksamen) Methode die Instrumente aufbereitet werden: Es ist immer eine „ausreichende Desinfektion“ zwischen den Behandlungen (bzw. jedem Patienten) zwingend notwendig. Nur so kann eine „Cross-Infection1“ sicher verhindert werden.

Prinzipiell stehen abweichend von der Aufbereitung der Handinstrumente folgende Möglichkeiten offen (siehe Kasten 1):

 

Verwendung eines speziellen für die Hand- und Winkestückaufbereitung konstruierten Gerätes (z.B. DAC™ Universal):

Diese Gerät bietet die Möglichkeit binnen weniger Minuten (rd. zwölf Minuten) bis zu sechs Übertragungsinstrumente gleichzeitig zu aufzubereiten. Diese werden vollautomatisch innen und aussen gereinigt, geölt und dampfsterilisiert. Wenn man von den hohen Kosten der Anschaffung absieht, ist dieses Gerät derzeit sicherlich die Referenzmarke, wenngleich die aseptische Anwendung (einfach in Sterilgutfolie verpackt) der Instrumente nur sehr eingeschränkt möglich ist.

 

Verwendung eines Thermodesinfektors mit speziellem Ansatz für Übertragungsinstrumente im Injektorwagen (z.B. Miele Thermo-Desinfektor):

Entgegen der weitverbreiteten Meinung können Übertragungsinstrumente im Thermodesinfektor gereinigt und desinfiziert werden. Auch wenn die Instrumente in der Regel innen mit Wasser gereinigt werden dürfen, ist die Thermodesinfektion der materialtechnisch höchstbelastende Prozess. Trotz aller Validierungsmöglichkeiten kann die Prozesssicherheit der Innenreinigung aus technischen Gründen nicht so hoch sein wie beim vorher erwähnten Gerät (DAC™ Universal). Zusätzlich müssen alle Instrumente nachträglich manuell geölt werden.

 

Verwendung eines Reinigungs-, und Pflegegerätes (wie z.B.: Assistina™, QuattroCare™, Statmatic™, etc.):

Diese Geräte erfüllen den wichtigen Teilschritt der Innenreinigung und „Pflege“ (Ölung). Allen Geräten gemeinsam ist die fehlende Außenreinigung und die fehlende Desinfektion der Spraykanäle. Die manuelle Aussenreinigung stellt im allgemeinen kein Problem dar, diese kann unter fließendem Wasser (vor der Ölung!) erfolgen. Auch die Aussendesinfektion mit einem Alkoholtuch funktioniert in der Regel gut. Der Knackpunkt ist die Desinfektion der Spraykanäle. Dafür gibt es spezielle Desinfektionssprays mit Ansätzen, auf denen das Winkelstück aufgesteckt werden kann. Desinfektionssprays dürfen aber nur in die Spraykanäle gelangen, sonst kann es zur Zerstörung des Getriebes kommen!

Wenngleich Untersuchungen gezeigt haben, dass die Kontamination der Spraykanäle und des „Innenlebens“ bei Weitem nicht so intensiv ist wie allgemein angenommen, ist aus prinzipiellen Gründen eine solche Desinfektion zwingend erforderlich (Stichworte: Cross-Infection1; Schlauchkontamination durch Rücksaugen). Diese relativ kostengünstigen Maschinen können auch als wichtiges Glied in der Aufbereitungskette dienen, wenn immer alle Übertragungsinstrumente in einem Sterilisator sterilisiert oder „dampfdesinfiziert“ werden.

In diesem Fall erfolgt die Außenreinigung manuell unter fließendem Wasser, danach werden die Instrumente mit dem Reinigungs- und Pflegegerät innen gereinigt und geölt und anschließend verpackt oder unverpackt in einem geeigneten Gerät (B-Klasse oder geprüfte S-Klasse) dampfsterilisiert. Der finanzielle Geräteaufwand ist für die Aufbereitungsvariante eher moderat, da ein geeigneter Dampfsterilisator meist vorhanden ist.

 

Als Minimalvariante zur vollstän-dig manuellen Aufbereitung wird von einem Hersteller ein System aus drei Sprayflaschen angeboten (ALPROcid™, ALPROclean™ und ALPROdry™):

Dabei wird nach einer Außenreinigung und Wischdesinfektion mit „clean“-Spray mit speziellem Adapter eine Innenreinigung, mit „cid“-Spray mit speziellem Adapter eine Desinfektion der Spraykanäle durchgeführt. Das notwendige anschließende Ausblasen mit Pressluft wird mit dem „dry“-Spray bewerkstelligt. Zusätzlich muss immer eine manuelle Ölung mit einem zulässigen Ölspray erfolgen. So verlockend dieses System auch klingt, ist es sicherlich ausnahmslos nur für unblutigen Einsatz der Übertragungsinstrumente geeignet (konservierende oder KFO).

Die manuelle Innenreinigung vor der Sterilisation mithilfe des „clean“-Sprays ist als Methode denkbar. Dazu kommt der Umstand, dass Übertragungsinstrumente üblicherweise bei maschineller Pflege länger funtktionstüchtig bleiben. Dies liegt aber wahrscheinlich mehr an der Regelmäßigkeit als an der Methode.

 

1 Als „Cross-Infection“ bezeichnet man international im Wesentlichen die Übertragung einer Infektionskrankheit von einem Patienten zu einem anderen, wobei Arzt, Personal oder Instrumente das Vehikel sein können.

Kasten 1:
Übersicht
Maschinelle Möglichkeiten zur Aufbereitung von Übertragungsinstrumenten:
1) Spezialgerät für die Hand- und Winkelstückaufbereitung
Vorteile Nachteile
vollautomatischer Prozessablauf
relativ kurze Prozessdauer
langlebige Instrumente durch regelmäßige gute Innenreinigung und Ölung
Ideale Aufbereitung für die meisten Anwendungen
Marktmonopolist!
hohe Anschaffungskosten
erhöhter Instrumentenbedarf
Ultraschall- und Airflowinstrumente (derzeit mit wenigen Ausnahmen) nicht aufbereitbar
für Oralchirurgie nur sehr eingeschränkt geeignet
2) Thermodesinfektor mit speziellem Ansatz für Übertragungsinstrumente im Injektorwagen
Vorteile Nachteile
vorhandenes Gerät kann für Übertragungsinstrumente genützt werden
Ultraschall- und Airflowinstrumente mit Einschränkungen aufbereitbar
lange Prozessdauer (Instrumentenbedarf!)
nur Teilprozess (mindestens manuelle Ölung)
Validierung der Innenreinigung fragwürdig
3) Reinigungs- und Pflegegerät (wie z.B.: Assistina ® , QuattroCare ® , Statmatic ® etc.)
Vorteile Nachteile
langlebige Instrumente durch regelmäßige gute Innenreinigung und Ölung
kurze Prozessdauer
moderater Anschaffungspreis
idealer Teilschritt vor Sterilisation
keine Außenreinigung
keine Desinfektion
nur Teilschritt (mindestens manuelle Spraykanaldesinfektion erforderlich)
Ultraschall- und Airflowinstrumente nicht bearbeitbar
Kasten 2:
Fazit
Seit einigen Jahren werden die zur Verfügung stehenden Methoden der Aufbereitung besonders kontroversiell diskutiert, da die maschinelle Aufbereitung zwischen jedem Patienten gefordert ist.
Diese Forderung ist deshalb umstritten, weil sie im Vorfeld von der Industrie und Interessengruppen (Stichwort: Validierung) massiv vorangetrieben wurde, um gewaltige Absatzfelder für Gerätschaften zu schaffen. Sogar jetzt noch, wo der Handel mit diesen Geräten boomt, werden alternative manuelle Methoden, die bei richtiger Anwendung – wie Untersuchungen zeigen – keinesfalls so unsicher oder unzureichend sind, von einer übermächtigen Lobby auf allen Ebenen blockiert.
Die Aufbereitung von Ultraschall- und Airflowansätzen ist derzeit mehr als unbefriedigend geregelt. Sicher ist, dass die Außen- und Innenkontamination mindestens so hoch wie bei den Hand- und Winkelstücken ausfällt. Dieser Umstand wird von einigen Herstellern oft ignoriert. Es gibt derzeit kaum zufriedenstellende Aufbereitungsanleitungen für diese Ansätze. Meist wird nur von einer erforderlichen Sterilisation gesprochen. Die vorher unbedingt erforderliche Innenreinigung wird nicht berücksichtigt. Nur durch die genaue Kenntnis der Prozessdetails kann (durch uns ZahnärztInnen) Druck auf die Hersteller ausgeübt werden, bis das Problem unzureichender Aufbereitungsanleitungen für Ultraschall und Airflowansätze gelöst ist.

Von Dr. Franz Hasterman, Zahnarzt 12 /2009

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