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Zahnheilkunde 2. Dezember 2009

Parodontitis und Herzerkrankungen

Lokale Behandlung mit Antibiotika dürfte effizienter sein als die bislang favorisierte systemische Verabreichung.

In der von deutschen Zahnmedizinern und Kardiologen durchgeführten Studie wurde untersucht, ob bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit häufiger bestimmte Parodontitiserreger beziehungsweise eine schwerere Form der Parodontitis nachzuweisen sind als bei herzgesunden Kontrollpersonen.

 

Die Ergebnisse der in Heidelberg und Ulm durchgeführten Corodont-Studie wurden auf der 33. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vom 8. bis 10. Oktober 2009 in Dresden vorgestellt.

Mehr Bakterien im Mund

Die Wissenschafter kamen zu dem Schluss, dass die Gesamtmenge der im Mund befindlichen Bakterien bei Herz-Kreislauf-Patienten signifikant höher ist als bei gleichaltrigen Kontrollgruppen. Als Hauptvertreter der Parodontitiserreger gelten die Bakterien Actinobacillus actinomycetemcomitans, Tannerella forsythensis, Porphyromonas gingivalis und Prevotella intermedia. Chronische Infektionen jeder Art – so auch Entzündungen des Zahnfleisches – sind bereits seit längerem als Trigger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt. Allerdings war man bisher davon ausgegangen, dass Antibiotika in solchen Fällen systemisch verabreicht werden sollten.

Potenzielle Risikofaktoren

Die Forschergruppe fand jetzt heraus, dass die mikrobiologische Gesamtbelastung mit Parodontitiskeimen sowie insbesondere die Konzentration von Actinobacillus actinomycetemcomitans-Keimen in der Zahnfleischtasche eine größere Bedeutung als potenzielle Risikofaktoren haben als der klinische Parameter CPITN (Community Periodontal Index of Treatment Needs). Daraus schlussfolgern die Autoren, dass die lokale Behandlung mit Antibiotika effizienter ist als die bislang favorisierte systemische Verabreichung.

Die Therapieempfehlung umfasst daher neben Kürettagen auch die Instillation von Antibiotika, so Dr. Nathalie Khuseyinova aus Heidelberg, Mit-Autorin der Studie. Ein Zusammenhang zwischen Taschentiefen an den Zähnen und Erkrankungsrisiko konnte nicht nachgewiesen werden.

 

Literatur:

Spahr A, Khuseyinova N, Klein E, Boeckh C, Muche R, Rothenbacher D, Hoffmeister A, Koenig W. Periodontal Infections and Coronary Heart Disease: Role of Periodontal Bacteria and Importance of Total Pathogen Burden. The Coronary Event and Periodontal Disease (Corodont) Study. Arch Intern Med 166 (2006) 554-55.

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