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Fotos (3): Julia Feinäugle
Zahnarzt Dr. Stephan Höfer aus Köln bei seinem Vortrag zur modernen minimalinvasiven Füllungstherapie: „Das geht ratz-fatz, damit können wir Patienten begeistern“.

Die drei Tagungspräsidenten und der Medizinrechtsexperte (von links nach rechts.): Dr. Herbert Haider, Prof. Dr. jur. Helmut Ofner, DDr. Franz-Karl Tuppy und Dr. Edzard Stadler

Der Präsident der österreichischen Zahnärztekammer, MR DDr. Hannes Westermayer(rechts), überreichte MR Dr. Johann Stadler das Verdienstzeichen der ÖZAK.

 
Zahnheilkunde 2. Dezember 2009

Jubiläumstagung mit Teilnehmerrekord

Zum 30. Mal fand die Herbsttagung im burgenländischen Rust statt. 341 fortbildungsinteressierte Zahnärzte und Team-Mitarbeiter nützten die Fortbildungsmöglichkeit.

Am 13. und 14. November 2009 feierte die ÖGZMK Burgenland nicht nur das 30-jährige Jubiläum der Herbsttagung, sondern integrierte erstmals die ZAFI-Prophylaxe-Tage in die gut besuchte Veranstaltung.

 

In seinem Festvortrag unterstrich Tagungspräsident Dr. Herbert Haider seine Freude über die positive Resonanz zu den Fortbildungstagen am Neusiedlersee: „Ein Grund für den Erfolg und die große Teilnehmerzahl ist, dass wir einen bunten Bogen von Frontalvorträgen, Seminaren und Workshops bieten.“

Fortbildung mit Tradition

Im Festvortrag erinnerte der burgenländische Landeszahnärztekammerpräsident an die lange Tradition der Fortbildung in der österreichischen Zahnärzteschaft, beginnend mit der Gründung der ÖGZMK als einem wissenschaftlichen Verein 1861. „Die Tradition der freiwilligen Fortbildung funktionierte von Anfang an “, sagte er in Hinblick auf die gesetzlich vorgeschriebene Fortbildungspflicht, die seiner Meinung nach nicht unbedingt dazu führt, dass Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen gesteigert werden. „Nach Einführung der Fortbildungspflicht ist die Zahl der vergebenen Fortbildungspunkte die Hauptmotivation bestimmte Veranstaltungen zu besuchen “, zitierte Haider eine Studie. Diese Studie stellt den Zahnärzten laut Haider aber auch ein sehr gutes Zeugnis aus: „Sie belegt, dass die Zahnärzte viel Geld für die Fortbildung ausgeben und sehr viel Zeit investieren.“

Für die nahe Zukunft kündigte Haider die vollautomatische Registrierung und Verwaltung aller zahnärztlichen Fortbildungsveranstaltungen an, die im letzten Bundesausschuss der österreichischen Zahnärztekammer beschlossen wurde: Automatisch werden dann Fortbildungsveranstaltungen gemeldet, Punkte gutgeschrieben und Diplome ausgestellt. Derzeit wird dieses System schon „halbautomatisch“ betrieben und hat einen starken Anstieg an Diplomen gebracht.

Erstmalige Verleihung des Verdienstzeichens

Anschließend verlieh der Präsident der österreichischen Zahnärztekammer, MR DDr. Hannes Westermayer, das Verdienstzeichen der österreichischen Zahnärztekammer an MR Dr. Johann Stadler aufgrund seiner besonderen Verdienste für den zahnärztlichen Berufsstand und als Dank und Anerkennung für die Unterstützung der zahnärztlichen Standesvertretung in der Erfüllung ihrer Aufgaben. Seit den Aufbaujahren engagierte er sich standespolitisch in der burgenländischen Zahnärztekammer, gründete 1977 den Zweigverein Burgenland der ÖGZMK und rief die erste Herbstveranstaltung in Rust ins Leben. Dieser Einsatz wurde nun mit der erstmaligen Vergabe des Ehrenzeichens gewürdigt. „Mein Ziel war es immer, die Einheit des Berufsstandes zu wahren“, sagte Stadler gegenüber dem Zahn Arzt.

Standespolitik und aktuelle Aufreger

In seinem Vortrag zur standespolitischen Situation der österreichischen Zahnärzte nannte Westermayer als „aktuelle Aufreger“ die Privatuniversität „in der alles Mögliche gesichert ist, nur nicht die Qualität“, die Zahntechniker-Frage sowie milliardenschwere Neubauten im Gesundheitsbereich – trotz leerer Kassen im Gesundheitswesen. Auch die HSVG-Novelle beschäftigt derzeit die Standespolitik. Dadurch, dass die Zahnärzte ein Einzelleistungssystem und einen bundeseinheitlichen Vertrag haben, bedeutet diese Novelle für die Zahnärzteschaft jedoch glücklicherweise totes Recht, so Westermayer.

Krise? Chance!

Der Frage „Ist die Gesundheits- und Pharmabranche rezessionsresistent?“ ging Dkfm. Dr. Josef Oswald, Steuerberater und Wertpapier-Experte aus Wien, in seinem Vortrag nach. Er erinnerte daran, dass in Krisen die Chance besteht, zu tiefen Kursen an Wertpapiere zu kommen. Er sieht durchaus eine Rezessionsresistenz, „denn wo zuletzt gespart wird, ist im Gesundheitsbereich.“ Er empfiehlt auch in Zeiten der Finanzkrise, beim Aktienkauf klassische, über Jahrzehnte erfolgreiche Pharmaunternehmen in Erwägung zu ziehen.

Moderne minimalinvasive Füllungstherapie

Direkte dentinadhäsive Rekonstruktionen sind für Zahnarzt Dr. Stephan Höfer aus Köln bei der Füllungstherapie die größte Innovation des Fachgebietes. „Insbesondere bei der Restauration eines von kariöser Zerstörung bedrohten Zahnes, wo wir nicht nur ein Loch stopfen, sondern wirklich auch Zahnsubstanz wieder aufbauen können “, erklärte Höfer in seinem Vortrag „Moderne minimalinvasive Füllungstherapie“. Mit der direkt geklebten Composit-Füllung erreiche man den besten Haftvebund zur Zahnsubstanz. Grundlegend sei ein sauberes trockenes Arbeitsfeld, als Tipp empfiehlt er u. a. spezielle Aufbisskeile.

Informiert und umsichtig im Streitfall

Der Wiener Medizinrechtsexperte Prof. Dr. jur. Helmut Ofner lieferte Anleitungen zum eigenen Schutz im Streitfall und vor Gericht. Ofner empfahl, sich den einschlägigen Vertrag vom Versicherungsmakler genau erklären zu lassen, insbesondere die Deckungssumme und die medizinischen und rechtlichen Ausnahmen. Problematisch sei die Klausel „Versicherung darf auch ohne Zustimmung des Versicherungsnehmers zahlen“, diese solle man streichen lassen. Wichtig sei auch die Nachhaftungsklausel. Steht im Vertrag eine Nachhaftung von drei Jahren, solle man diese auf 30 Jahre anheben lassen. Dem Patienten sei im Streitfall Einblick in die Dokumentation zu gewähren, aber man solle ihn nicht mit den Unterlagen alleine lassen und keine weitergehenden Informationen geben ohne Rücksprache mit dem Anwalt. Und vor Gericht gelte: nur die Fragen der Richter und Anwälte beantworten, keine darüber hinausgehenden Angaben.

Von Dr. Julia Feinäugle, Zahnarzt 12 /2009

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