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Als eine der Grundregeln richtiger Innenraumbeleuchtung gilt, dass mindestens drei, im Idealfall bis zu fünf Lichtquellen unterschiedlicher Intensität im Raum verteilt werden sollten. Erst denn ist eine gute Sehleistung möglich.
 
Zahnheilkunde 30. Oktober 2009

Wo viel Licht, da viel Schatten

Erst die richtige Beleuchtung verleiht einem Ort den wahren Charme.

Ob man – vom Papstbesuch angeregt – nun an eine der verschiedenen Schöpfungsgeschichten glaubt, in denen das Licht mit einem einzigen Wort seinen Anfang nahm, oder an die Version mit dem Urknall – die Geschichte vom Licht und wie man eigentlich damit umgehen soll, beschäftigt uns irgendwie. Das Licht ist mehr als nur die Kerze beim romantischen Abendessen oder die Sonne, die uns im Sommer aus dem Bett treibt und die wir im Winter so schmerzlich vermissen. Es ist auch mehr als nur die Betätigung eines Schalters, die die Stromrechnung in die Höhe schnellen lässt.

Auf jeden Fall hat die Form der künstlichen sichtbaren elektromagnetischen Strahlung nach seiner Erfindung unser seinerzeit noch recht unansehnliches Universum in das richtige Licht gerückt. Nicht, dass das Bild, das unsere Welt damals bot, es wert gewesen wäre, in Szene gesetzt zu werden, aber es ermöglichte uns zumindest, irgendetwas zu sehen. Schließlich nehmen wir 80 Prozent unserer Sinneseindrücke über das Auge wahr. Unglücklicherweise gewann zur gleichen Zeit wie das Licht auch die Dunkelheit an Bedeutung, also das Fehlen von Licht. Etwa die Hälfte des Tages scheint die Sonne an Orten, die wir in erster Linie aus Reiseprospekten kennen. Ein Umstand, den wir in unseren Breitengraden, besonders an rauen Wintertagen, bedauern und durch erhöhten Glühweinkonsum an schrill erleuchteten Weihnachtsmärkten zu verdrängen versuchen. An der Lösung dieses Problems hatten im 19. Jahrhundert der Uhrmacher Johann Heinrich Goebel und Thomas Alva Edison beinahe gleichzeitig gearbeitet, nämlich an der Glühbirne.

Unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden

Wie aber schafft man nun durch künstliche Beleuchtung eine behagliche, funktionelle und auch wirtschaftliche Raumstimmung? Einerseits sollte sie den klinischen Anforderungen einer Zahnarztpraxis entsprechen und andererseits ein Arbeitsraum für den Behandler sowie Aufenthaltsraum für den wartenden Patienten sein.

Eine effektvoll gestrichene Wand, eine gemusterte Decke oder ein eindrucksvoller Parkettboden kommen nur dann zur Geltung, wenn die richtige räumliche Ausleuchtung auch die Voraussetzungen dafür schafft. Auch Kolorierungen können nur dann richtig wahrgenommen werden, wenn das Licht auch die entsprechenden Farben des Spektrums enthält. So lassen uns Natriumdampflampen, die gerne im öffentlichen Bereich und zur Straßenbeleuchtung eingesetzt werden, gut Kontraste sehen, allerdings fehlen ihnen die Spektralfarben Rot, Blau und Grün, sodass das Farbsehen beeinträchtigt ist.

Mit einer richtig akzentuierten Beleuchtungstechnik kann die Atmosphäre eines Raumschiffs oder Märchenschlosses evoziert werden, alles ist möglich. Weniger einleuchtend ist daher, warum der Lichtplanung und
-gestaltung in der Praxis bisher so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Beachtenswert sind, abhängig von Einrichtung und Material, die Artenvielfalt und Auswirkungen der Lichtart. Dem rhythmischen Wechsel von hartem und direktem, weichem und indirektem Licht, hellen und spärlich beleuchteten Flächen sowie Schattenspiel und Lichtfarbe sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Als eine der Grundregeln richtiger Innenraumbeleuchtung gilt, dass mindestens drei, im Idealfall bis zu fünf Lichtquellen unterschiedlicher Intensität im Raum verteilt werden sollten, denn dadurch wird erst eine gute Sehleistung ermöglicht.

Der Wechsel von Licht und Schatten

Extreme Helligkeitsunterschiede sollten allerdings vermieden werden, da eine wiederholte Adaption an wechselnde Helligkeiten das Auge rasch ermüdet. Zu Problemen kommt es vor allem dann, wenn sich das Auge an zu große Helligkeitsunterschiede innerhalb kurzer Zeit gewöhnen muss – etwa bei einem stark direkt beleuchteten Arbeitstisch in unbeleuchteter Umgebung. Des Weiteren kann durch zu stark beleuchtete glänzende Oberflächen eine für das Auge unangenehme Blendwirkung entstehen.

Der Wechsel von Licht und Schatten erleichtert aber das Erkennen von Gegenständen, weshalb auch zu geringe Helligkeitsunterschiede innerhalb eines Raumes vermieden werden sollten. Sie lassen einen Raum diffus und akzentlos erscheinen. Dadurch erhalten selbst wirkungsvoll eingerichtete Örtlichkeiten einen monotonen Raumeindruck.

Die schnelle Beleuchtung eines Raumes durch Knopfdruck reicht also nicht aus. Modernes Lichtmanagement muss sich wechselnden Anforderungen anpassen. Leuchten sollten im Idealfall dimm-, dreh- und schwenkbar sein, um veränderbaren Lichtsituationen, je nach Jahres- und Uhrzeit, gerecht zu werden. Intelligente Innenraumbeleuchtung berücksichtigt ebenso Energieverbrauch, Wirkung auf Insekten und Hitzeentwicklung.

Beleuchtungsexperten unterscheiden übrigens streng zwischen Lampe und Leuchte. Unter einer Lampe versteht man die Lichtquelle selbst, etwa die noch bestehenden Glühbirnen, während als Leuchte der gesamte Beleuchtungskörper, also die Steh- oder Tischleuchte bezeichnet wird. Wenn Sie in naher Zukunft auf einen solchen Fachmann treffen und ihn beeindrucken wollen, sollten sie das unbedingt berücksichtigen.

 

Von DI Niel Mazhar, Zahnarzt 11 /2009

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