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Foto: photos.com
Ordinationen sind oft in ausschließlich gewerblich genutzen Gebäuden untergebracht, was den Einbruch für organisierte Diebesbanden erleichtert.
 
Zahnheilkunde 30. Oktober 2009

Attraktive Zielgebiete

Gelegenheit macht Diebe: Warum Einbrecher Ordinationen bevorzugen und wie man seine Praxis vor organisierten Langfingern schützt.

In Zeiten offener Grenzen und wachsender Mobilität eröffnen sich auch für ambitionierte Einbrecher neue Perspektiven; als Folge steigt die Zahl derartiger Delikte an – seit Neuestem zählen Ordinationen mit zu den beliebtesten Objekten. Was tun? Alles in allem gilt für Kriminelle wie für Krankheiten ein und dieselbe Grundregel: Richtige Vorbeugung erspart unnötiges Leid!

Speed kills – laut einer Studie spielt die Zeitdauer, die der Kriminelle für die Tat einplant, eine entscheidende Rolle: „In Deutschland wurden 27 verurteilte Einbrecher befragt, wie lange sie sich für ihr Delikt Zeit nahmen. Für das Eindringen in private Wohnungen werden maximal drei Minuten veranschlagt, bei gewerblichen Einrichtungen versucht es der Täter wesentlich länger und vorbereiteter, 20 Minuten oder länger“, erläutert Bezirksinspektorin Ursula Ifkovits vom kriminalpolizeilichen Beratungszentrum in Wien .

Ordinationen stellen für Profis aus mehreren Gründen attraktive „Zielgebiete“ dar: Viele Ärzte haben ihre Praxis in Gebäudekomplexen ohne Privatwohnungen, die speziell am Wochenende und an Feiertagen wenig frequentiert wirken. Die Gefahr, dass Nachbarn durch den Lärm alarmiert werden, sinkt daher gegen null, und auch der Abtransport des Diebesguts geht dadurch in der Regel reibungsloser vonstatten.

Hochwertige Beute

Als besonders gefährdet gelten laut Kriminologin Zahnarztpraxen. In den meisten Fälle sind dabei Profis am Werk, die sich auf das Entwenden von hochwertigen technischen Geräten spezialisiert haben: „Man kann hier durchaus von organisierter Kriminalität sprechen. Die Palette des Diebesgut reicht von der Handkasse über EDV-Geräte bis hin zum Behandlungsstuhl“, erläutert Ifkovits’ Kollege Thomas Kepler. „Die Banden sind nicht nur hervorragend organisiert, sondern haben auch die notwendigen Verbindungen, um die hochtechnologischen Apparaturen gewinnbringend zu verkaufen.“ Abgesehen von dem Verlust ist oft auch der im Zuge des Einbruchs verursachte Sachschaden beträchtlich.

Schutz und Prävention

Neben der Lage der ärztlichen Praxis ist die Art, wie sie gesichert ist, von herausragender Bedeutung. Grundsätzlich gibt es laut Kepler zwei Arten von Sicherungen: elektronische und mechanische. „Für eine Ordination gilt: sowohl – als auch!“, rät Kepler. Bei der elektronischen Sicherung bewähren sich Bewegungsmelder, Magnetkontakte an Fenstern und Türen, sogenannte Glasdruckmelder und Alarmanlagen, am besten mit einem Brandmelder kombiniert. „Eine Alarmanlage sollte unbedingt über eine Weiterleitung zu einer Polizeidienststelle oder zu einem Sicherheitsunternehmen verfügen“, betont Kepler. „Ansonsten ist das System so wirksam wie ein Tiger ohne Zähne.“ Elektronische Sicherungen müssen aber durch mechanische Vorrichtungen ergänzt werden, um einen effektiven Schutz zu gewährleisten – denn, so Kepler: „Elektronik kann nicht alles!“ Mechanische Sicherungen erschweren zum einen das Eindringen in das Objekt der Begierde, zum anderen wirken sie – sofern hochwertige Systeme zum Einsatz kommen – auf den potenziellen Einbrecher abschreckend. Um dies zu gewährleisten, sollten ÖNORM-geprüfte Geräte eingesetzt werden.

Effektiven Schutz bieten einbruchhemmende Türen der Widerstandsklasse 3 oder 4 nach ÖNORM B5338 – auch eine nachträgliche Sicherung bei bereits vorhandenen massiven Vollholztüren mit Balkenriegeln ist möglich. Zur Sicherung der Fenster bieten sich der Einbau von einbruchhemmenden Fenstern nach ÖNORM B5338 der Widerstandsklasse 2 oder die Nachrüstung der bestehenden Fenster mittels Zusatzschlössern an, u. a. durch versperrbare Oliven/Griffe, Teleskopstangen oder auch Stangenschlösser. Wichtig dabei ist, dass vorhandene Kellerfenster nicht vergessen werden.

Weitere Informationen: Kriminalpolizeiliches Beratungszentrum: Andreasgasse 4, 1070 Wien, Mo bis Fr von 09.00–16.00 Uhr
sowie am ersten Samstag im Monat; Tel: 01/313-10/44938 oder
Hotline: 0800-216 346.

Von Ingo Schlager, Zahnarzt 11 /2009

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