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Foto: Jack Hollingsworth, All Rights Reserved (2004) / photos.com
Wenn sich Zahntechniker und Zahnarzt im Team ergänzen, profitiert der Dritte im Bunde – der Patient.

Kommerzialrat Alfred Kwasny Landesinnungsmeister der Zahntechniker in Niederösterreich

 
Zahnheilkunde 30. Oktober 2009

„Auch kaufmännisch denken lernen!"

Wirtschaftskrise, ausländische Konkurrenz und internes Preisdumping belasten die heimischen Zahntechniker.

Kommerzialrat Alfred Kwasny, Landesinnungsmeister der niederösterreichischen Zahntechniker, spricht offen über mögliche Wege aus der Krise, das nicht verzwickte Verhältnis zu den Zahnärzten und politische Maßnahmen, die dringend umgesetzt werden müssen.

 

Die insgesamt schwierige wirtschaftliche Lage übt zwar zusätzlichen Druck auf die zahntechnischen Laboratorien aus, aber die Hauptschuld an der Misere tragen laut Kwasny die Betroffenen selbst. Im Gespräch mit dem Zahn Arzt plädiert der Innungsmeister für mehr Eigeninitiative und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Technik und Medizin.

 

Seit der Ostöffnung stehen die heimischen Zahntechniker unter Konkurrenzdruck. Wie ist die derzeitige wirtschaftliche Lage der Zahntechniker in Niederösterreich?

Kwasny: Die großteils mehr als angespannte wirtschaftliche Lage bei Laboratorien ist meiner Meinung nach weitestgehend hausgemacht. Natürlich wirkt sich die Abwanderung der Patienten, der teilweise Auslandsimport und die derzeit rückläufige Nachfrage negativ auf den Umsatz aus. Ausschlaggebend ist aber das interne Preisdumping, das eine Abwärtsspirale der Gewinne und somit der Gehälter und Qualität in Gang gesetzt hat. Durch schlechte Betriebsergebnisse lassen sich manche als Rettungsaktion zu unkalkulierten Preisen verleiten und reißen damit die gesamte Branche mit. Nur wer entsprechende Gewinne macht, kann in spezialisiertes Personal, Fortbildung, aufwändige Techniken und Materialien investieren und somit auf hohem Niveau Qualitätsarbeit und Service bieten.

 

Ist ein Aufwärtstrend erkennbar?

Kwasny: Die derzeit reduzierte Auftragslage in der Zahntechnik wird sehr von der positiven oder negativen Berichterstattung der Medien beeinflusst. Im Mund zu sparen scheint für den Durchschnittsbürger sehr einfach, man lächelt nicht mehr und lässt ihn einfach zu.

 

Gibt es in Niederösterreich Zahntechniker, die ihren Betrieb ins Ausland verlegt haben?

Kwasny: Es gibt in Niederösterreich derzeit 94 zahntechnische Betriebe. Von Betriebsverlegungen ins Ausland ist mir nichts bekannt.

 

Welche Maßnahmen zur Verbesserung der ökonomischen Situation erwarten Sie sich vom österreichischen Gesetzgeber? Zum Beispiel hinsichtlich der Steuerpolitik?

Kwasny: Die Lohnkosten zahntechnischer Laboratorien mit mehreren spezialisierten Mitarbeitern bewegen sich meist zwischen 60 und 70 Prozent, daher wäre eine Lohnnebenkostensenkung sicher hilfreich. Negativ wirkt sich auch die fehlende Vorsteuerabzugsmöglichkeit aus, da Zahntechniker zwar mit Mehrwertsteuer einkaufen aber ohne Mehrwertsteuer verkaufen.

Für welche Maßnahmen plädieren Sie auf Europa-Ebene?

Kwasny: Die verpflichtende Weitergabe der Konformitätserklärung – wo, wann, von wem und aus welchen Materialien der Zahnersatz hergestellt wurde – an den Patienten sollte so wie beispielsweise in Deutschland und England auch in Österreich eingeführt werden.

 

Was können die Zahntechniker intern verändern, um die Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen?

Kwasny: Kommunikation verstärken, Schulungsmöglichkeiten nützen, Mitarbeiter spezialisieren und endlich kaufmännisch kalkulieren lernen und danach handeln!

 

Wie sieht es mit dem Nachwuchs in der Branche aus? Wollen angesichts der angespannten Lage überhaupt noch Jugendliche den Beruf Zahntechniker erlernen?

Kwasny: Nachfrage ist an und für sich vorhanden. Nur gleicht die Suche nach einem geeigneten Lehrling der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Das Bildungsniveau der jugendlichen Bewerber ist in den letzten Jahren so stark gesunken, dass wir bei den Aufnahmetests für Lehrlinge die Anforderungen ständig nach unten korrigieren mussten – sonst könnten wir überhaupt niemanden aufnehmen.

 

Zur Zusammenarbeit mit den Zahnärzten: Gibt es Anzeichen einer verstärkten Kooperation und wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten?

Kwasny: Neue Technologien zwingen zu einer engen Kooperation, und vereinzelt wird richtiges Teamwork bereits gelebt. Dieser Fortschritt muss von beiden Seiten weiterhin intensiv gefördert werden.

Es gibt seit Jahren von Seiten der Zahntechniker Vorstöße, ihre Befugnisse bezüglich der Behandlungstätigkeit in Zusammenhang mit prothetischen Maßnahmen zu erweitern. Die Zahnärzte sind dagegen. Was halten Sie davon?

Kwasny: Ich war seit jeher ein Befürworter der strikten Trennung der Befugnisse. Doch die Bedürfnisse haben sich geändert. Hilfestellung durch den Zahntechniker direkt am Patienten wird von Zahnärzten immer häufiger gefordert. Die Standesvertretung der Zahntechniker ist daher der Meinung, dass die gesetzlichen Bedingungen der Realität angepasst werden sollten, um gesetzeswidrige Tätigkeiten und den dadurch möglichen Verlust der Gewerbeberechtigung zu vermeiden. Allerdings sollte diese Änderung ausschließlich für den geprüften Zahntechnikermeister und nur im Auftrag des Zahnarztes gelten.

 

Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Branche?

Kwasny: Wenn es gelingt, mehr Harmonie und gegenseitiges Verständnis zwischen Medizin und Technik einfließen zu lassen und Teamwork zu leben, steht einer positiven Zukunft sicher nichts im Wege.

Das Interview führte Mag. Ingo Schlager

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