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Foto: UKH Linz
Im UKH Linz soll in den kommenden Monaten ein modernes zahnärztliches Notdienstzentrum entstehen.
Foto: Privat

MR Dr. Wolfgang Doneus Präsident der Landeszahnärztekammer Oberösterreich, Auslandsreferent der Österr. Zahnärztekammer und niedergelassener Zahnarzt in Bad Leonfelden

 
Zahnheilkunde 30. Oktober 2009

Das Notdienstzentrum Linz kommt Mitte 2010

„Ich glaube, dass all die Angelegenheiten, die man gut regional verhandeln und behandeln kann, in der Landeszahnärztekammer richtig aufgehoben sind“, meint MR Dr. Wolfgang Doneus, Präsident der oberösterreichischen Landeszahnärztekammer.

Nicht allein durch seine Tätigkeit als Auslandsreferent und ehemaliger CED (Council of European Dentists)-Präsident gilt der oberösterreichische Zahnärztekammerpräsident als weitsichtiger Standespolitiker, dem es vorrangig darum geht, gute Kontakte zu Sozialversicherungsträgern, Zahntechnikergilde und Wissenschaft zu pflegen.

 

Im Interview mit dem Zahn Arzt äußert sich Doneus über das neue zahnärztliche Notdienstzentrum, die Problematik rund um angestrebte Kompetenzerweiterungen bei Zahntechnikern, finanzielle Unterstützung für soziale Härtefälle und über die Inflation an Fachmedien und deren Kampf um Werbeetats.

 

Bei welchen aktuellen Projekten in Oberösterreich sind Sie derzeit engagiert?

Doneus: Wir haben zur Zeit unsere Bemühungen einem Thema untergeordnet, das ist das Notdienstzentrum in Linz. Derzeit gibt es in Linz-Land und im Mühlviertel unter der Woche keinen zahnärztlichen Notdienst am Abend. Dieses Manko möchten wir mit diesem Projekt bis Mitte 2010 beseitigen. Nach intensiven Vorbereitungen stehen wir nun kurz vor dem Baubeginn in einem Trakt, den wir im UKH Linz der AUVA anmieten. Das Zentrum soll mehrere Facetten abdecken: Zum einen steht es für den zahnärztlichen Notdienst unter der Woche am Abend zur Verfügung – geplant ist die Bereitschaft von ca. 19 bis 24 Uhr – und an den Wochenenden auch untertags. Zum anderen können Notfälle, die über das Zahnärztliche hinausgehen, in der angrenzenden Intensivstation versorgt werden. Dem Team im Notdienstzentrum soll neben den Assistentinnen ein angestellter Zahnarzt angehören, ein weiterer soll sich abwechselnd jeweils aus der niedergelassenen Kollegenschaft im Raum Linz rekrutieren – die ich hiermit dazu einlade, sich auf freiwilliger Basis an diesem Projekt zu beteiligen.

 

Welche Aufgaben sehen Sie als vorrangig für Ihr Amt?

Doneus: Ich glaube, dass all die Angelegenheiten, die man gut regional verhandeln und behandeln kann, in der Landeszahnärztekammer gut aufgehoben sind. Damit meine ich z.B. die Pflege der Kontakte zu den Sozialversicherungsträgern und zur Innung der Zahntechniker. Der dritte wichtige Kontakt ist jener zur Wissenschaft, konkret zur ÖGZMK, mit der wir ausgezeichnet bezüglich der Fortbildungsangebote kooperieren.

 

Da sprechen Sie auch Punkte an, die im Moment Zündstoff für mehr oder wenige hitzige Diskussionen bergen, wie die Zahntechniker, die sich zum Teil für eine Kompetenzerweiterung einsetzen – Stichwort: Zahnprothetiker. Wie stehen Sie dazu?

Doneus: Ich war vier Jahre Präsident der CED – des Rates der europäischen Zahnärzte – und kenne dieses Thema auch auf internationaler Ebene. Diese Bestrebungen der Zahntechniker werden auch von den Standespolitikern in diversen europäischen Ländern unterschiedlich gesehen. In manchen Ländern ist der Prothetiker seit vielen Jahren Realität, zum Teil auch mangels einer ausreichenden Ausbildungskapazität in der Zahnmedizin, wie in Holland. Die Kollegen haben damit zu leben gelernt, dort treten kaum Konflikte diesbezüglich auf. Ich persönlich halte aber nichts von dieser Idee des Zahnprothetikers. Ich glaube, ich liege nicht falsch, wenn ich behaupte, dass die herausnehmbare Prothetik von der Total- und Teilprothetik, wie wir sie früher kannten, zunehmend in eine Hybridprothetik – eine Kombination aus Implantaten und Prothesen – übergeht. Das sind medizinische Bereiche, die der Techniker nicht abdecken kann. Kurz gesagt: Die Zukunft der Prothetik liegt nicht dort, wo die Zahntechniker ihr mögliches Betätigungsfeld sehen. Deshalb halte ich auch nichts davon, dass man die Gewerbeordnung ändert.

 

Viele Zahntechniker klagen über die schlechte wirtschaftliche Lage. Glauben Sie, dass diese großteils hausgemacht ist?

Doneus: Die Liberalisierung der Gewerbeordnung 2003 hat zu einer weiteren strukturellen Schwächung des Zahntechnikerstandes geführt. Die Nachsicht bei der Gewerbebegründung – die Meisterprüfung ist nicht mehr das Maß der Dinge – hat zu einer rasanten Vermehrung von Einmannbetrieben geführt, deren wirtschaftliches Überleben nur schwer abzusichern ist. Hauptsächlich diese Kleinstlabore fordern die Abdrucknahme in der irrigen Meinung, damit eher überleben zu können. In Wahrheit geht es aber auch um eine gekränkte Eitelkeit – die Vereinbarung zwischen der damaligen Bundesfachgruppe für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und der Bundesinnung der Zahntechniker sei von den Zahnärzten einseitig nicht umgesetzt worden. Die jetzt angestrebte Änderung der Gewerbeordnung soll diese Altlast beseitigen.

Eine große Koalition ist selbstverständlich in der Lage, ohne Befassung der Sozialpartner so ein Gesetz zu beschließen. Ich glaube allerdings, dass fortgesetzte, konstruktive Gespräche zwischen den beiden Berufsgruppen nicht nur der guten Tradition der Sozialpartnerschaft entsprechen, sondern auch in einer gemeinsamen Formulierung zum Wohle – vor allem der uns anvertrauten Patienten – münden können. Dass die Zeiten schwieriger werden, merken nicht nur die Zahntechniker. Nur gemeinsam können wir dem Wandel und der Weiterentwicklung unserer Rahmenbedingungen begegnen. Anträge im Parlament sollten dann der Schlusspunkt unter eine gemeinsame Befassung sein.

 

Sollten sozial schwache, insbesondere ältere Menschen Ihrer Meinung nach bei zahnärztlichen (Sonder-)Leistungen finanziell unterstützt werden?

Doneus: Ja und nein. Es gibt kaum einen zweiten medizinischen Beruf, der wie die Zahnheilkunde auch davon abhängt, wie ernst der Patient die Vorsorge sieht. Wir haben über die Prophylaxeprogramme österreichweit v. a. die jüngeren Patienten so weit gebracht, dass sie zahnbewusst geworden sind. Man kann beginnend bei der Zahnpflege über die Ernährung bis hin zur Kontrolluntersuchung und Mundhygienesitzung so viel für die Zahngesundheit tun, dass man gute Chancen hat, bis ins hohe Alter voll bezahnt zu bleiben. Das ist eine Einstellungssache und letztlich eine Frage der Gerechtigkeit. Sich die Zähne zu putzen, ist vielleicht ein Aspekt der sozialen Armut, aber kein finanzieller. Die Menschen, die ihre Zähne pflegen und dafür regelmäßig Geld ausgeben, sollen nicht gegenüber jenen benachteiligt werden, die sich weniger darum gekümmert haben und einen erhöhten Sanierungsbedarf haben. Ich verstehe, dass ältere Generationen zum Teil noch nicht so weit sind. Natürlich gibt es auch Fälle, wo Allgemeinerkrankungen wie Diabetes oder Strahlentherapien zu Zahnlosigkeit geführt haben. In diesen Fällen ist finanzielle Unterstützung wünschenswert. Die Schwierigkeit liegt sicher bei der Abgrenzung. Das soziale Netz ist ein heikles Thema, vor allem, wenn man die Demografie kennt. Nicht nur was die zahnmedizinische Versorgung betrifft.

 

In der aktuellen Ausgabe der ÖZZ (Österr. Zahnärzte Zeitung) äußern Sie in einer Kolumne Ihre Bedenken bezüglich des zweifelhaften Informationswertes mancher zahnmedizinischen Fachzeitschriften. Könnten Sie das näher erläutern?

Doneus: Ich nenne es Fishing for Quotes, um die Auflagenhöhe zu halten und um wiederum Werbegelder zu lukrieren. Der Hintergrund: Die wachsende Zahl an Fachmedien muss auch irgendwie finanziert werden. Diese Medien sprechen alle dieselben Werbeträger der Industrie an, die ein begrenztes Budget zur Verfügung haben. Natürlich befürchte ich einerseits, dass unsere Medien, wie die Indent in Oberösterreich, aber auch die ÖZZ dadurch schwieriger Sponsoren finden. Wobei die finanzielle Frage in diesem Zusammenhang wohl am leichtesten zu lösen ist. Was mich mehr stört, ist, wenn gewisse Medien aus diesem Grund beginnen, Standespolitik zu machen. Ich bin Standesvertreter und ich halte für meine Kritik gerne den Kopf hin. Manche Autoren – ich will keine Namen nennen – sind weder gewählt noch müssen sie Verantwortung für ihre kritischen Äußerungen übernehmen. Es stört mich, dass sich diese Leute ohne einen Verbesserungsvorschlag einbringen. Kritik um der Kritik willen ist mir einfach zu wenig.

 

Das Interview führte
Mag. Andrea Fallent

Anzahl der Mitglieder:
614, davon 517 niedergelassene Zahnärzte.
Jährliche Fortbildungshighlights:
29. Praktikersamstag in Steyr:

Mai 2010, keine Tagungsgebühr; Info: www.oegzmk.at
Pensionsseminar für Zahnärzte:
Herbst 2010
Info und Kontakt: Landeszahnärztekammer OÖ Spittelwiese 8/1, 4020 Linz
Tel: 050511-4010 Fax: 050511-4014
E-Mail: www.ooe.zahnaerztekammer.at

Kasten:
Landeszahnärztekammer Oberösterreich

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