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Abb. 1: Einzelzahnimplantatkronen auf 14 und 15, Reinigung mit Superfloss™.

Abb. 2: In unterschiedlichen Größen erhältlich: Interdentalbürstchen finden in Zahnzwischenräumen oder unter Stegkonstruktionen Anwendung.

Abb. 3: Festsitzende implantatgetragene Versorgung im Oberkiefer.

Abb. 4: Steg im Unterkiefer mit extremer Anlagerung von Zahnstein.

Abb. 5: Der Steg von Abbildung 4 nach der Reinigung.

Abb. 6: Reinigung eines Steges sieben Jahre nach der Eingliederung bei einem Patienten, dessen letzte Mundhygienesitzung zwei Jahre zurücklag.

 
Zahnheilkunde 23. September 2009

Pflege für die dritten Zähne

Dentalhygienemaßnahmen bei Prothesenträgern mit besonderer Berücksichtigung von implantatgetragenen Suprastrukturen.

In welchem Maße und wie lange Patienten mit einer implantatprothetischen Arbeit zufrieden sind, hängt wesentlich von der Durchführung der Mundhygienemaßnahmen ab. Dabei kommt der korrekten Indikationsstellung durch den Zahnarzt eine bedeutende Rolle zu.

 

Die jeweilige Konstruktion sollte individuell abhängig von der manuellen Geschicklichkeit der Patienten gewählt werden. Wenn zum Beispiel eine Unterkieferprothese auf Implantaten retiniert werden soll, ist in Betracht zu ziehen, dass Einzelattachments wie Kugelköpfe, Magnete oder Teleskope wesentlich einfacher gereinigt werden können als Stegversorgungen. Im Folgenden soll auf die verschiedenen Versorgungsmöglichkeiten und die entsprechend dafür geeigneten Mundhygienemaßnahmen eingegangen werden.

Festsitzende Versorgungen

Implantatgetragene Einzelkro-nen werden in Analogie zu Einzelkronen auf natürlichen Zähnen mit Zahnbürste, Zahnseide sowie Superfloss™ gereinigt (siehe Abb. 1). Bei größeren Abständen zwischen den Kronen sowie Verlust der Interdentalpapille kommen Interdentalbürstchen, die in verschiedenen Größen erhältlich sind, zum Einsatz (siehe Abb. 2). Implantatgetragene Brückenkonstruktionen müssen ebenso wie Brücken auf natürlichen Zähnen sowohl mit der Zahnbürste als auch mit Superfloss™ gereinigt werden, um die unter dem Brückenzwischenglied schwer zugänglichen Stellen erreichen zu können. Hier ist von zahnärztlicher Seite auf eine gut zu reinigende Gestaltung des Brückenzwischengliedes zu achten.

Festsitzende Implantatversorgungen des Leerkiefers stellen eine große Herausforderung an die Geschicklichkeit des Patienten in Bezug auf Mundhygienemaßnahmen dar (siehe Abb. 3).

Es muss bei der Indikationsstellung unbedingt abgeklärt werden, ob der Patient die notwendigen Hygienemaßnahmen adäquat durchführen kann. Neben der Zahnbürste kommen in diesen Fällen auch Zwischenraumbürsten sowie Superfloss™ für die Kontaktbereiche zwischen Prothesenkunststoff, Pontices, Stegen, Stegextensionen und Schleimhaut sowie rund um Abutments zum Einsatz. Es muß eine professionelle Reinigung und Kontrolle der Mundhygienemaßnahmen durch die Mundhygieneassistentin oder den Zahnarzt mindestens halbjährlich durchgeführt werden. Im Rahmen der Kontrollen können bei starker Anlagerung von Zahnstein verschraubte Arbeiten abgenommen werden, um schlechter zugängliche Stellen optimal zu reinigen (siehe Abb. 4 und 5 ).

Die professionelle Reinigung kann mit verschiedenen Geräten wie z.B. Vektor™ (Dürr), Airflow Master™ mit Perioflow, das sich auch für die subgingivale Reinigung eignet, sowie Sonic™ (Kavo) mit einer Implantatreinigungsspitze und mit Kunststoffscalern erfolgen. Nach der Reinigung erfolgt die Politur mit einer Paste mit einen RDA-Wert von maximal 40.

Abnehmbare Versorgungen

Herausnehmbarer Zahnersatz ist mindestens zweimal täglich gründlich zu reinigen. Bakterieller Zahnbelag lagert sich auf der Prothesenoberfläche ab, Zahnzwischenräume sowie Zwischenräume zwischen der Prothesenbasis und der Mundschleimhaut bieten optimale Voraussetzungen für die Ansiedlung und Vermehrung von Bakterien. Wird der Zahnersatz nicht ausreichend gereinigt, können Gingivitis, Foetor ex ore sowie periimplantäre Entzündungen entstehen. Abnehmbarer Zahnersatz muss immer sorgfältig mit beiden Händen eingesetzt und aus dem Mund entfernt werden, um Schädigungen von präzise passenden retentiven Anteilen zu verhindern. Um Prothesenbruch zu vermeiden, falls die Prothese beim Herausnehmen oder Einsetzen aus der Hand fällt, sollte das Waschbecken mit Wasser gefüllt oder mit einem Handtuch ausgelegt werden. Prothesen sollten Tag und Nacht getragen werden und nur zur Reinigung aus dem Mund entfernt werden.

Zahnpasta zerkratzt Prothesen

Zahncremen eignen sich nicht für die Prothesenreinigung, da sie auf die härteste Substanz des menschlichen Körpers, den Zahnschmelz, abgestimmt sind und die Kunststoffoberfläche der Prothesen und der Kunststoffzähne aufrauen würden. Es entstehen mikroskopisch kleine Kratzer, in denen sich verstärkt Bakterien einnisten und vermehren. Zur Reinigung von Zahnersatz sollten daher nur Spezialreiniger (Reinigungstabs oder -schaum) verwendet werden, die für die Prothesenreinigung entwickelt wurden und die Kunststoffoberflächen schonen. Um Beläge auch an schwer zugänglichen Stellen zu entfernen, kann die Prothese in ein Reinigungsbad gelegt werden.

Die Okklusionskontrolle durch den Zahnarzt sollte ein- bis zweimal jährlich durchgeführt werden, um rechtzeitig Unterfütterungen durchführen zu können. Neben der Reinigung des Zahnersatzes sollte auch die Zungenoberfläche regelmäßig gereinigt werden. Hierfür stehen Zungenreiniger aus Kunststoff zur Verfügung.

Abnehmbare Versorgungen können auf Einzelverankerungselementen oder Stegen retiniert werden. Einzelne Kugelköpfe, Magnete oder Teleskope lassen sich sehr leicht mit einer Zahnbürste säubern und können auch von Patieten in höherem Alter und mit verminderter manueller Geschicklichkeit gereinigt werden. Stegkonstruktionen sind Mundhygienemaßnahmen weit schwieriger zugänglich und müssen sowohl mit der Zahnbürste als auch mit Interdentalbürstchen sowie mit Superfloss™ gereinigt werden (siehe Abb. 6).

Eine längere Plaqueanlagerung führt zur Bildung von Zahnstein, zur periimplantären Entzündung und erfordert in schwerwiegenderen Fällen eine chirurgische Intervention.

Von Prof. DDr. Eva Piehslinger, Zahnarzt 10 /2009

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