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Abb.: Natives Kollagen ist das Membranmaterial der Wahl.
 
Zahnheilkunde 23. September 2009

Natives Kollagen ist immer noch aktuell

Bei Knochendefekten ist der Einsatz von Knochendefekten und Membranen nicht wegzudenken.

Das Symposium „Membranen in der GBR: Alte Tradition oder State of the Art?“ stellte sich kürzlich in Zürich den Fragen, welche Anforderungen eine Membran für die gesteuerte Knochenregeneration erfüllen muss und welche Behandlungskonzepte für welche Patienten geeignet sind. Das Ergebnis: Natives Kollagen ist für viele Indikationen das Membranmaterial der Wahl.

 

Häufig ist es notwendig, vor dem Einbringen eines Implantats Knochendefekte aufzufüllen. Die gesteuerte Knochenregeneration („guided bone regeneration“, GBR) ist das etablierte Verfahren zu diesem Zweck1–3. Dabei findet die Neubildung von Knochengewebe in einem durch eine Membran geschützten Raum statt. Die Membran hat in diesem Zusammenhang verschiedene Funktionen: Sie verhindert das Einwachsen von Weichgewebe in den durch Knochen auszufüllenden Raum, stabilisiert das Koagulum und schützt den neu gebildeten Knochen.

Resorbierbare und nichtresorbierbare Membranen

Eingesetzt werden resorbierbare Membranen wie zum Beispiel Geistlich Bio-Gide™ oder Ossix™ und nichtresorbierbare Membranen wie zum Beispiel Gore-Tex™. Während Erstere nach einiger Zeit abgebaut werden, müssen Letztere, nachdem sich ausreichend neues Knochengewebe unter der Membran gebildet hat, operativ entfernt werden. Dr. Michael Bornstein von den zahnmedizinischen Kliniken der Universität Bern referierte über die Vor- und Nachteile der resorbierbaren und nichtresorbierbaren Membranen in der GBR. Studien zeigen eine gute Knochenregeneration bei Anwendung von nichtresorbierbaren Membranen aus expandiertem Polytetrafluorethylen (ePTFE)4. Zudem ist die gute Formstabilität bei großen Defekten oder vertikaler Knochenaugmentation wichtig. Eine hohe Rate von Wunddehiszenzen und vorzeitigen Membranexpositionen spricht aber gegen den Einsatz von ePTFE-Membranen. Die Infektionsgefahr bei solchen Membranen ist erheblich. Sie sind deshalb nur erfahrenen Implantologen zu empfehlen5. Auch beim Einsatz von resorbierbaren Membranen kommt es zu Wunddehiszenzen, so Dr. Bornstein. Diese verheilen aber in der Regel unproblematisch.

Die bessere Heilung und die Tatsache, dass keine weitere Operation notwendig ist, sprechen für den Einsatz von resorbierbaren Membranen. Mögliche Nachteile laut Bornstein:

  • Wie lange die Barrierefunktion der Membran anhält, ist nicht genau bekannt.
  • Die Membran ist nicht formstabil: Damit sie nicht kollabiert, muss in den durch Knochen auszufüllenden Raum zunächst Knochen oder Ersatzmaterial eingebracht werden.

Was bringt die Quervernetzung?

Durch eine Quervernetzung („cross-linking“) der Kollagenfasern kann die Biodegradation der resorbierbaren Membranen verlangsamt werden6. Dadurch bleibt die Membran als Barriere länger erhalten, was für verschiedene Indikationen vorteilhaft sein könnte. Ob die Quervernetzung insgesamt zur Verbesserung der Knochenregeneration beiträgt, ist umstritten. Die Ergebnisse verschiedener Studien zeigen: Beim Einsatz von quervernetzten Kollagenmembranen (z. B. Ossix™) kommt es zu einer sehr guten Knochenregeneration und keinen Fremdkörperreaktionen. Vorzeitige Membranexpositionen sind jedoch häufiger als bei nativen Kollagenmembranen7, 8, und entsprechend ist die Infektionsrate erhöht9. „Es ist möglich, dass die freiliegende Membran wie eine Leitstruktur für Bakterien wirkt“, erklärte Bornstein.

Auch Prof. Dr. Christoph Hämmerle, Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik und zahnärztliche Materialkunde an der Universität Zürich, bewertete den klinischen Vorteil der quervernetzten Kollagenmembranen zurückhaltend. „Im Moment bringt die Quervernetzung des Kollagens keine klinischen Vorteile im Vergleich zu Membranen aus nativem Kollagen“, resümierte er. Deshalb sei natives Kollagen das Membranmaterial der Wahl.

Hämmerle präsentierte anschließend erste Ergebnisse von Studien mit neuen synthetischen, resorbierbaren Membranen. Auch wenn diese Materialien ermutigende Resultate zeigten, sind sie nach Hämmerle als experimentell einzustufen. Vor dem Einsatz in der Praxis sollte daher erst der in der Literatur nachgewiesene Erfolg abgewartet werden.

 

© Springer Medizin Verlag Schweiz

Literatur:

1Hämmerle CH et al.: Int J Oral Maxillofac Implants 1998; 13(4): 522–530.

2Hämmerle CH, Lang NP: Clin Oral Implants Res 2001; 12(1): 9–18.

3Hämmerle CH et al.: Clin Oral Implants Res 2008; 19(1): 19–25.

4Schenk RK et al.: Int J Oral Maxillofac Implants 1994; 9: 13–29.

5Augthun M et al.: Int J Oral Maxillofac Implants 1995; 10: 421–428.

6Rothamel D et al.: Clin Oral Implant Res 2005; 16: 369–378.

7 Moses O et al.: Clin Oral Impl Res 2005; 16: 210–219.

8 Tal H et al.: Clin Oral Implants Res 2008; 19(3): 295–302.

9 Bornstein MM et al.: J Periodontal 2007; 78: 1943–1953.

Von Verena Vermeulen, Zahnarzt 10 /2009

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