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Foto: Privat
DDr. Peter Zwittnig Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und Facharzt für MKG-Chirurgie in Wildon

Beziehung zwischen Absorption und Eindringtiefe der verschiedenen Lasertypen: Argonlaser (500 nm): Wasser (hellblau) absorbiert in diesem Bereich gar nicht, Hämoglobin im Blut (rot) hat dort sein Absorptionsmaximum
Diodenlaser (810 nm): Absorbieren ziemlich ausgeglichen in beiden Medien, über die Pulsung des Laserstrahls lässt sich das Absorptionsverhalten zwischen beiden Medien veschieben (mehr schneiden oder mehr koagulieren)
Erbiumlaser (ca. 2.500 nm): absorbieren sehr stark im Wasser und haben eine hohe Eindringtiefe, daher können sie z. B. gut Knochen oder Dentin abtragen
CO2-Laser (10.000 nm): wirken nur oberflächlich, Hartgewebsabtrag ist dadurch erschwert, die Schneideleistung aber sehr hoch, die Gefahr einer Tiefenverletzung vergleichsweise gering

 
Zahnheilkunde 23. September 2009

Von Bleeching bis Vestibulumplastik

Laser können die Arbeit in der zahnärztlichen Praxis entscheidend erleichtern. Eine Einkaufshilfe für Einsteiger.

Für den fachlichen Laien sind die verschiedenen Geräte, Wellenlängen und Preisunterschiede sehr verwirrend. Die Suche nach dem Universallaser, der bohrt, schneidet, koaguliert, sterilisiert, bleicht und heilt, ist mühsam, weil man als Neuling von jedem Gerät die beste Leistung in all diesen Punkten erwartet.

 

Seit mehr als einem Jahrzehnt werden verschiedenste Hardlaser zur Zahnbehandlung angeboten. Softlaser haben eine viel geringere Wir-kung und einen entsprechend niedrigeren Preis. Die meisten Hardlaser kann man so drosseln, dass starke Softlaserapplikationen möglich sind. Die notwendigen Softlaserhandstücke sind oft als Sonderzubehör erhältlich. In der jüngeren Vergangenheit sind die Gerätepreise auf ein leistbares Niveau, beginnend bei zirka 10.000 Euro, gefallen.

Je nach Lasermedium entsteht eine andere Wellenlänge, die wieder verschieden auf Wasser einerseits, Blut oder z. B. Knochengewebe andererseits reagiert. Laserlicht wirkt nur dort, wo es vom jeweiligen Gewebe absorbiert wird. Je nach Wellenlänge ist das Absorptionsverhalten im Gewebe unterschiedlich und damit die Wirkung des einzelnen Lasers verschieden (siehe Abb. 1).

CO2-Laser schneiden Weichgewebe, wirken nur oberflächlich und erzeugen eine gute Blutstillung. Erbiumlaser haben eine tiefere Wirkung und tragen gut Knochen und andere Hartsubstanzen ab, die Blutstillung wird nur wenig erreicht.

Diodenlaser als Universalgeräte

Diodenlaser liegen in einem günstigen Wirkspektrum von Wasser und Hämoglobin, dadurch wirken sie in beiden Geweben ziemlich gleich gut und dienen in der Zahnheilkunde als perfekte Universalgeräte, mit denen man die meisten Indikationen abdecken kann. Lediglich der Knochenabtrag ist nicht möglich. Die Einzelleistungen sind nicht so stark wie bei Erbium- oder CO2-Geräten (diese bedeuten aber ein Mehrfaches an Anschaffungskosten), dafür ist der Universalgedanke sehr hilfreich. Die Stärken des Diodenlasers: Endodontie, parodontale Taschenbehandlung, kleine chirurgische Eingriffe bis zur Vestibulumplastik, Bleaching, Desinfektion und absolute Blutstillung. Man investiert nicht nur für eine Indikation, sondern kann die anderen Gebiete je nach Übung und Erfahrung sukzessive ausbauen. Dabei entsteht bei vielen Behand-lern ein Perspektivenwechsel, weil man bemerkt, dass nicht nur chirurgische Eingriffe, sondern z. B. Endodontie oder auch Bleaching plötzlich leichter und schneller zu handhaben sind.

Als Kieferchirurg neigt man zu größeren Schneidleistungen und kommt damit zu einem CO2-Laser. Wenn man aber mehr zu Knochenschnitten tendiert, ist ein Erbiumlaser das Mittel der Wahl. Erbiumlaser haben in letzter Zeit große technische Fortschritte durch verbesserte Handstücke und Spitzen gemacht, sodass sie in der Zahnheilkunde und Oralchirurgie den CO2-Laser überlegen werden.

Bei den Diodenlasern, die ursprünglich nur mit einer klassischen Wellenlänge von 810 nm angeboten wurden, hat sich inzwischen eine zweite Wellenlänge im 940/980 nm-Bereich entwickelt. Diese Geräte kommen aus dem industriellen Laserbereich und sind kostengünstiger in der Herstellung. Es scheint, dass sich bei den Diodenlasern der Guttapercha-Effekt entwickeln könnte, bei dem sich nach Jahren des Suchens nach moderneren Materialien die reumütige Rückkehr zur klassischen Grundform als besser erweist, weil diese größeren Wellenlängen bei unsachgemäßer Anwendung leichter zu zerstörenden Nebenwirkungen neigen. Argon- und KTP-Laser in der Zahnheilkunde seien der Vollständigkeit halber auch erwähnt. Sie produzieren kürzere Wellenlängen, sind mehr für spezielle Anwendungen geeignet und können nicht als Massenprodukte für die Zahnheilkunde genannt werden.

Von DDr. Peter Zwittnig, Zahnarzt 10 /2009

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