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Zahnheilkunde 10. Juli 2009

Lückenhafte Ausbildung?

Nach der Akkreditierung für die Danube Private University in Krems spricht sich die österreichische Zahnärzteschaft geschlossen gegen das Projekt des privaten zahnärztlichen Grundstudiums aus.

Nach mehreren Anläufen hat der für die Anerkennung von Privatuniversitäten in Österreich zuständige Akkreditierungsrat Ende Mai seine Zustimmung für die Danube Private University (DPU) gegeben. Heimische Zahnärzte und Interessenvertreter äußern ihre Bedenken zu diesem Vorhaben der deutschen PUSH GmbH. Sie kritisieren das mangelhafte Curriculum mit zu wenigen Fächern und kündigen für zukünftige Absolventen ein „Arbeitsverbot“ in Österreich an.

 

Ab Herbst will die DPU am Standort Krems ein zwölfsemestriges Diplomstudium für Zahnmedizin anbieten. Ab Anfang 2010 sollen zwei Uni-Lehrgänge sowie ein Bachelorstudium „Medizinjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit“ folgen (siehe Kasten). Bevor im Oktober 40 Studenten um 24.000,– Euro pro Studienjahr ihre Ausbildung zum Dr. med. dent. antreten können, fehlt allerdings noch der notwendige Sanktus von Wissenschaftsminister Johannes Hahn.

Bereits seit 2007 versuchte die PUSH GmbH, die Anerkennung der DPU als Privat-Uni zu erreichen, der Antrag wurde aber bis zur aktuellen Akkreditierung mehrmals abgelehnt. Geschäftsführer Jürgen Pischel sieht die Danube Private University nicht als Konkurrenz zur Donau-Uni, sodern „als Ergänzung“. Dies vor allem mit dem Grundstudium Zahnmedizin, das die Donauuniversität Krems als Weiterbildungsuniversität nicht anbieten darf. Für das sechsjährige Diplomstudium haben sich laut Pischel rund 200 Bewerber gemeldet, großteils aus Deutschland und aus Österreich: „Auch Kinder von Kammerfunktionären sind darunter“, so Pischel. Im Sommersemester 2010 soll ein weiterer englischsprachiger Lehrgang mit ebenfalls 40 Teilnehmern starten. Derzeit ist laut Pischel die DPU noch im Gebäude der Donau-Uni eingemietet, ein Neubau in unmittelbarer Nähe des DUK-Campus ist in Planung.

Zahnärzte wehren sich

Kritik an der Akkreditierung der DPU und der Einführung eines privaten Zahnmedizinstudiums kommt von mehreren Seiten. Laut einer Resolution, die von DDr. Hannes Gruber, LZÖK NÖ, Wiens Zahnärztekammerpräsident DDr. Hannes Westermayer, den Zahnklinikvorständen Prof. Dr. Georg Watzek, Wien, Prof. Dr. Ingrid Grunert, Innsbruck, und Prof. Dr. Peter Städtler, Graz, sowie den Hochschülerschaftsvertretern unterzeichnet wurde, entspricht der Studienplan nicht den strengen europäischen Mindeststandards, er „müsste jedenfalls in Umfang, Inhalt, Qualität den von den drei medizinischen Universitäten erarbeiteten und angebotenen Studienplänen für das Zahnmedizinstudium entsprechen und darüber hinaus natürlich die von der EU vorgegebenen Standards für die Ausbildung erfüllen“. Die EU-Richtlinie legt die Ausbildungsfächer mit insgesamt 35 fest, die DPU bietet laut Akkreditierungsantrag aber nur 24 Fächer an. Mögliche Konsequenz: Die zukünftigen Absolventen würden in Österreich von der Zahnärztekammer keine Zulassung erhalten. Die Zahnärztekammer hofft auf eine ablehnende Haltung des Wissenschaftsministeriums und ein Machtwort der EU-Kommission, die prüfen soll, ob das Ausbildungsprogramm der DPU den geforderten Richtlinien entspricht. In einer Pressemitteilung der Landeszahnärztekammer für Niederösterreich heißt es: „Wir wollen genau erklärt haben, inwieweit der neue Antrag all die Probleme aus der Welt schaffen konnte, an denen der letzte gescheitert ist.“

Sowohl Jürgen Pischel als auch die Geschäftsstelle des Akkreditierungsrats – in dem übrigens vorwiegend ausländische Experten sitzen – widersprechen diesen Vorwürfen. Pischel: „Würde das stimmen, hätte der Akkreditierungsrat den Studiengang gar nicht zugelassen.“ In dem Anerkennungsverfahren sei „sehr sorgfältig und aufwändig“ die Konformität mit den innerstaatlichen ausbildungsrechtlichen Anforderungen sowie mit der EU-Anerkennungsrichtlinie geprüft worden.

Mögliche Beschneidung der Einkünfte

Die ansässigen Zahnärzte im Bezirk Krems zeigen sich von dem Projekt wenig begeistert. Sie fürchten, dass die Gratisbehandlungen an der DPU einen Verdienstentgang mit sich bringen könnten. In der Privatuni sind 50 Behandlungsstühle geplant. „Wir haben gehört, dass die Studenten bereits ab dem zweiten Semester Patienten behandeln sollen“, so DDr. Romana Leutner-Salize, Vertreterin der Bezirkszahnärzte. „In diesem Zusammenhang machen wir uns nicht nur Sorgen um unsere Einkünfte, sondern auch um die Patienten.“ Zugleich gibt die Zahnärztin zu bedenken, dass die Differenz zwischen Studiengebühr (insg. 144.000 Euro) und den Gesamtkosten der Zahnarztausbildung – auf österreichischen Unis erfahrungsgemäß rund 400.000 Euro – zu tragen ist: „Die Frage ist, wer diese Kosten übernehmen wird. “

Kasten:
Danube Private University (DPU)
An der hinkünftigen Danube Private University (DPU) sollen folgende Studiengänge angeboten werden:
  • Diplom-Studium Zahnmedizin zum Dr. med. dent. (12 Semester)
  • MSc-Universitätslehrgang „Funktion und Prothetik“ (5 Semester)
  • MSc-Universitätslehrgang „Ästhetisch-rekonstruktive Zahnmedizin“ (5 Semester)
  • Studium zum Bachelor of Arts „Medizinjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit“ (6 Semester)
  • Studium zum Master of Arts „Medizinjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit“ (4 Semester)


Brigitte Wagner-Pischel, Präsidentin der DPU: „Die erste Studiengruppe in der Zahnmedizin entspringt fast ausschließlich einer zahnärztlichen Tradition. Es haben sich überwiegend AbiturientInnen zum Studium beworben, deren Eltern bereits eine Zahnarztpraxis führen.“

Quellen: Apa, Pressemitteilung DPU

Von Mag. Andrea Fallent, Zahnarzt 7 /2009

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