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Fotos (5): Dr. Kurt, Stefan und Bernhard Kaltenbach
Abb. 1: IDS 1965 in Stuttgart: KaVo-Gerät 2025 mit Mikromotor und Turbine.

Abb. 2: Gerät 1021 – erstmals ohne Bohrmaschine.

Abb. 3: Die neue ESTETICA E70 mit intuitiven Funktionen erreicht ein
Maximum an Ergonomie und Anwenderkomfort.

Abb. 4: Anzeige im Dental Echo 1968 mit INTRAmatic-B-Winkelstücken.

Abb. 5: Bereits in den 1920er-Jahren erzeugte KaVo sterilisierbare Winkelstücke.

 
Zahnheilkunde 10. Juli 2009

Impulsgeber für den technischen Fortschritt in der Zahnmedizin

2009 feiert das deutsche Dentalunternehmen KaVo sein hundertjähriges Jubiläum. Eine Sonderedition illustriert

die Entwicklung zahnärztlicher „Accessoires“ seit 1909.

1909 gründete Alois Kaltenbach eine feinmechanische Werkstatt in Berlin-Steglitz. Sein Wahlspruch „Qualität und Präzision“ sollte richtungsweisend für die weitere Entwicklung der Firma werden.

 

Nach der Fertigung von u. a. Zubehör für die optische Industrie gründete Kaltenbach 1919 mit seinem Partner Richard Voigt die Gesellschaft Kaltenbach & Voigt, kurz KaVo genannt. Innerhalb weniger Jahre gelang KaVo der Einstieg in die Entwicklung und Produktion technischer Arbeitsmittel für zahnärztliche Zwecke und damit auch in den internationalen Dentalmarkt.

Bei den Dental-Schauen in Berlin Anfang der 1930er-Jahre und bei der 10. IDS in Düsseldorf 1937 zählten die N-Winkelstücke, der sterilisierbare Stero-Winkelstückkopf (siehe Abb. 5) und das Trumpf-Handstück sowie die elektrischen Bohrmaschinen mit Schnelllauf und Bohrschläuchen zu den wichtigsten und erfolgreichsten Exponaten.

Während des Zweiten Weltkrieges entwickelte Alois Kaltenbach einen Schnellgang für Bohrmaschinen, der die Drehzahl auf 6.000 Umdrehungen pro Minute steigerte. Nach Kriegsende und dem tragischen Tod von Richard Voigt gründete er einen zweiten Betrieb in Biberach an der Riss, Anfang der 1950er-Jahre trat sein Sohn DI Kurt Kaltenbach in die Firma ein. Bei der Dentalaustellung in Montreux 1952 präsentierte KaVo das Gerät 1010 – ein „großer Renner“ bis zur ergonomiebezogenen Geräteentwicklung Mitte der 1960er-Jahre.

Zum 50-jährigen Jubiläum 1959 betrug die Zahl der Mitarbeiter bereits 750, die großzügige Lehrlingswerkstätte galt als wichtiger Teil der Unternehmensphilosophie. Auf der IDS in Frankfurt wurden im selben Jahr die KaVo-Borden-Airtor-Turbine und vollkugelgelagerten Hand- und Winkelstücke demonstriert, die damals das „Bohren“ revolutionierten.

Pionier der Kühltechnik und der Ergonomie

Wegen der zunehmenden Drehzahlen der Bohrmaschinen mit entsprechenden Übersetzungen in Form der Gelenk-Gleitverbindung wurden die ersten handbedienten und automatischen Spraykühlungen klinisch und technisch erforderlich. Als 1959 die erste Turbine in Europa – das KaVo-Borden-Airotor-Winkelstück – die neue Ära der Präparationstechnik im Drehzahlbereich von mehr als 150.000 Umdrehungen pro Minute einleitete, war es hilfreich, dass das Biberacher Unternehmen bereits über das notwenige Know-how in puncto Kühltechnik verfügte, die den präparierten Zahn vor Schädigungen durch Überhitzung bewahrte. Mit dem KaVo-Gerät 1012 wurde die Möglichkeit geschaffen, die Kugellager-Turbine in ein funktionell vielseitiges Behandlungsgerät zu integrieren.

Die IDS 1962 in Köln und das 1. Genter-Ergonomie-Kolloqium bahnten den Weg für ergonomisch orientierte Praxis- und Arbeitsgestaltung. Als Prof. DDr. Fritz Schön für einen diesbezüglichen „neuen Stil“ plädierte (Zahnärztliche Praxis Nr. 9/1964), war die Entscheidung für das KaVo-Gerät 1025 bereits gefallen, das in Zusammenarbeit mit dem Ergonomiepionier entwickelt wurde. Die IDS 1965 in Stuttgart (siehe Abb. 1) stand dann ganz im Zeichen des Umbruchs, für den KaVO wohl gerüstet war. Der neue Dentatus-Luftmotor ermöglichte die flache Silhouette der neuen Behandlungseinheiten ohne die traditionelle Bohrmaschine samt Gestänge.

1965 bis 1986 übernahm Kurt Kaltenbach die Geschäftführung. In seiner Zeit wurden zahlreiche innovative Produkte realisiert, darunter die Geräteserien 1040 und 1050 so-wie die Übertragungsinstrumente mit Lichtleiter und die vollautomatische Technomatic-Sicherheitskupplung, die den Bruch und das Überschlagen der Technikschläuche bei Überlastung vermeiden half und so die Gebrauchsdauer verlängerte.

Italienische Patientenstühle

Kurz vor dem Tod von Alois Kaltenbach 1971 übernahm KaVo den italienischen Hersteller für Patientenstühle C.A.D., nunmehr KaVo Italia, dessen Produkte bis nach Japan und Australien exportiert wurden. KaVo erhielt zunehmend Aufträge für Kliniken und große Praxen sowie für Demonstrationsplätze. Das wesentlich erweiterte Laborgeräte- und Einrichtungsprogramm führte auch im Zahntechnikbereich zu einem Wandel der Arbeitssystem- und Arbeitsgestaltung. Das KaVo-EWL-Planungsteam genoss einen hervorragenden Ruf, wobei Ergonomie und Arbeitshygiene bei den Innovationen eine wichtige Rolle spielten. Nach der Errichtung einer Montagehalle in Biberach 1977 konnten dort das erfolgreiche Behandlungsgerät 1040 Estetica und der Motorstuhl SD 3003 produziert werden.

Schwerpunkte Hygienesicherheit und Arbeitsschutz

Bereits in den 1930er-Jahren war ein Teil der Übertragungsinstrumente sterilisierbar. Ein Plus, das mit den rostgeschützten INTRA-C-Instrumenten auf die Turbinen ausgedehnt werden konnte. Man wurde sich bewusst, dass insbesondere die Prävention von Hepatitis B eine sichere hygienische Wartung der technischen Arbeitsmittel verlangte.

Kurz vor der IDS 1980 in Hamburg wurde der Fachwelt das Multiflex-LUX-System vorgestellt. Die mit Lichtleitern ausgestattete Turbine Super-Torque-Lux mit Druckknopf und die miniaturisierte Bella-Torque-Lux-Turbine gehörten bald zu den weltweit anerkannten Präszisonsprodukten. Dazu kamen das Behandlungssystem Regie 1050, die LUX-Arbeitsfeldleuchte 1410 und das DOMINO-Aufbausystem.

Biberach war bis zum 75-jährigen Jubiläum 1984 zu einem wichtigen Tagungsort für nationale und internationale Gremien in den Bereichen Normung, Ergonomie und Hygiene avanciert. Neben der Vielfalt an Antriebsanlagen galten die sicherheitstechnisch hoch qualifizierten Staub-Absauganlagen der KaVO EWL als Meilenstein für den Arbeitsschutz.

Mikromotor und Winkelstücke mit Lichtleiter

Der nächste große Schritt folgte mit der Einführung des KaVO-Mikromotors mit lichtleitenden Übertragungsinstrumenten, ein Glanzlicht der Dentalaustellung 1987 in Montreux. Die zweite Generation dieser Instrumente brachte 1989 eine weitere Optimierung der Präparationstechnik, v. a. im Hinblick auf die Versorgung mit Keramik- und Metallkeramikkronen. Neben der Behandlungsplatzausrüstung Estetica 1042 wurden 1990 die Behandlungseinheiten der Serie Systematica 1060 S und T eingeführt und die Geräte in vielen Details verbessert. Neben dem Sonicsys-Schallsystem mit oszillierenden Instrumenten zur schonenden Kavitätenpräparation im Jahr 1995 glänzte das Diagnodent-Laserfluoreszenzgerät zur Kariesdiagnostik als viel beachtete Innovation auf der IDS 1997. Im Jahr 2007 wurde der Funktionsbereich in Richtung Approximalkaries erweitert.

Die IDS 1999 bot Gelegenheit, den wesentlich verbesserten KaVo-Laser KEY 3 und erste Behandlungsplatzausrüstungen mit Mundkamera und Monitor zu demonstrieren. Anfang desselben Jahres löste Dipl. Volkswirt Stefan Kaltenbach, bis dahin Mitgeschäftsführer von KaVo-EWL, Jürgen Hoffmeister als Vorsitzenden der Unternehmensleitung ab. Im Mittelpunkt seines Interesses stand neben der Entwicklung der Gentleforce-Turbine die Vermarktung und Weiterentwicklung des Protar-Arcus-Artikulator- und Gesichtsbogensystems, das im Laufe der Zeit mehr als 50.000 mal verkauft wurde.

Im Jahr 2001 folgten das Everest CAD/CAM-System und die von KaVo Amerika vertriebene Behandlungsplatzausrüstung „the environment“ für die spezielle amerikanische Präparationstechnik, danach u. a. Chirurgie- und Röntgengeräte. 2004 wurde KaVO von der amerikanischen Danaher-Gruppe übernommen, wobei die Ausrichtung des Unternehmens hinsichtlich Image und Wert der Produkte in bewährter Weise fortgesetzt werden konnte.

 

Quelle: „KaVo: Impulsgeber für den technischen Fortschritt in Zahnmedizin und Zahntechnik. Die Geschichte der Firma Kaltenbach & Voigt 1909–2009“ von Karlheinz Kimmel, Görres-Verlag, 2009,

ISNB: 978-3-935690-71-3.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Kurt, Stefan und Bernhard Kaltenbach

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