zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 10. Juli 2009

Eine lästige „Berufskrankheit“

Rückenschmerzen: Maßnahmen zur Vermeidung von Komplikationen und für mehr Lebensqualität.

Zahnärzte sind einer einseitigen Belastung mit anstrengender Kopfhaltung bei stark eingegrenztem und schlecht einsehbarem Arbeitsfeld ausgesetzt. Verdrehte und verkrampfte Sitz- oder Stehposition sowie psychischer Stress bedingen eine hohe Häufigkeit von Rückenschmerzen. Dr. Karin Pieber von der Wiener Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation stellt Lösungsansätze vor.

 

Eine bundesweite Erhebung bei niedergelassenen Zahnärzten in Deutschland erbrachte im Jahr 2001 eine hohe Rückenschmerz-Prävalenz. „69 Prozent der Befragten gaben Nacken- und Rückenschmerzen innerhalb der letzten Woche an“, berichtet Dr. Karin Pieber. „Frauen waren häufiger betroffen.“ 50 Prozent der Schmerzen traten innerhalb einer vierstündigen Tätigkeit auf. Ein Fünftel der Befragten erreichte eine substanzielle Schmerzstärke von über 5 laut VAS (Visuelle Analogskala). Pieber: „16 Prozent fühlten sich in der Berufsausübung beeinträchtigt, und 19 Prozent gaben eine Beeinträchtigung außerhalb des Berufs an.“ Mit der Dauer der zahnärztlichen Tätigkeit sowie mit dem individuellen Stresslevel nahmen Häufigkeit und Intensität der Beschwerden zu. Umgekehrt war eine steigende Berufszufriedenheit mit einem geringeren Schmerzausmaß verknüpft.

Im Rahmen der Befunderhebung finden sich typischerweise muskuläre Dysbalancen, Haltungsschwächen bzw. Haltungsschäden wie Hyperlordose, Hyperkyphose der Brustwirbelsäule, Flachrücken, Protrusionsstellung der Schultern und anteriore Kopfposition. „Diese Kopfhaltung ist charakteristisch für Personen mit sitzenden Berufen“, erklärt Pieber.

Prävention ist besser als Heilen

Pieber empfiehlt daher die frühzeitige Identifikation von Problembereichen. Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes trägt zur Verbesserung der Arbeitshaltung bei. Die Sitzhöhe des Stuhles soll so gewählt sein, dass die Kniekehlen frei sind und die Hüft- und Kniegelenke 90-Grad-Winkel bilden. „Die Stuhllehne soll vor allem die Lendenwirbelsäule gezielt unterstützen“, betont Pieber. „Bei einem ergonomischen Stuhl sind neben der Höhe auch die Sitztiefe und die Lendenlordose einstellbar.“

Bei bereits bestehenden Rückenschmerzen kommen Übungsprogramme und Vorträge bzw. Schulungen zum Einsatz. Eine aufrechte Haltung führt zu einer gleichmäßigen Druckbelastung der Bandscheiben und der kleinen Wirbelgelenke, während etwa gekrümmtes Sitzen oder Stehen im Hohlkreuz diese Strukturen schädigen können. Aus einer Kompression der Bandscheibe im vorderen Teil durch krummes Sitzen resultiert die Gefahr einer Protrusion oder eines Prolaps. Der Behandlungsplan fußt auf dem Ergebnis der Begutachtung. Er umfasst Mobilisation, Muskeldehnung und -aktivierung sowie Stressbewältigung. Pieber: „Die Übungen sollen auch bei Beschwerdefreiheit mehrmals wöchentlich wiederholt werden."

 

Quelle: Vortrag beim 41. Wachauer Frühjahrssymposium der ÖGZMK Niederösterreich

Die besten Methoden:
  • Ausgleichssport
  • Rückenschule
  • emotionale Zufriedenheit mit dem Beruf
  • geeignete Coping-Strategien (Muskelentspannung nach Jacobson, autogenes Training, Biofeedback etc.)
Kasten:
Prävention von beruflich bedingten Rückenschmerzen

Von Dr. Judith Moser, Zahnarzt 7 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben