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Schnarchen stellt für den Schnarcher selbst als auch für den Partner eine Belastung dar

Abb. 2: Montage der Modelle im Artikulator mit Vorverlagerung und Bisssperrung.

Abb. 3: Abstützung im Molarenberich und frontal bei der Roncho Ex R™ Schiene.

Abb. 4: Anteriore Arretierung mit Kugelknopfsystem.

Abb. 5: Die Schiene Roncho Ex R™ intraoral.

Abb. 6: Schiene aufgewachst.

Abb. 7.: Die Schiene in der Küvette.

Abb. 8: Schiene intraoral, Detail im Molarenbereich.

Foto: www.opus-dc.de

Dr. Margit Weiss Zahnärztin in Ulm, Deutschland Spezialisierung auf den Gebieten der Funktion, Prothetik und Zahnästhetik

 
Zahnheilkunde 10. Juli 2009

Hilfe bei nächtlicher Ruhestörung

Schnarchen kann die Lautstärke eines Presslufthammers erreichen und nicht nur dem Schnarcher, sondern auch seinem Partner Schlafenszeit rauben. Moderne Protrusionsschienen schaffen Abhilfe.

In viele Schlafzimmer will nachts keine Ruhe einkehren: Durchschnittlich schnarchen jeder zweite Mann und jede vierte Frau – mit zunehmendem Alter steigend. In unserer zahnärztlichen Praxis bewähren sich in diesem Fall adjustierbare zweiteilige Protrusionsschienen.

 

Wie aus dem Namen schon zu erkennen, ist das Prinzip die Vorverlagerung des Unterkiefers. Die Tendenz des Zungengrundes zur Dorsalverlagerung und damit verbunden eine Verengung der Atemwege wird so verhindert. Mithilfe eines Konstruktionsbisses kann man das Ausmaß der Vorverlagerung bestimmen. Eine hohe Erfolgsquote haben zweiteilige Protrusionsschienen, da sie unabhängig von der Ursache des Schnarchtyps anwendbar sind. Sie haben auch eine geringe Eingewöhnungsphase. Ein großer Vorteil ebenso ist die Möglichkeit, sie auch nur gelegentlich zu tragen, z. B. nach Alkoholkonsum.

Das größte Anliegen des Patienten ist ein hoher Tragekomfort. Getrübt werden kann dieser durch Spannungen, Geruchsbildung und Verletzungen der Wangen- und Zungenschleimhaut. Schon der Konstruktionsbiss entscheidet über die bequeme Vorverlagerung des Unterkiefers.

Mögliche Nebenwirkungen

Protrusionsschienen werden oft auf die Dauer als zu unbequem empfunden, haben jedoch eine hohe Erfolgsquote. Gründe für Misserfol- ge sind Myopathie, Kiefergelenksbeschwerden, Okklusionsstörungen und Verletzung der Schleimhäute. Bei der Roncho-Ex™-Schiene sollen nach Angaben des Herstellers Bredent keine unerwünschten Nebenwirkungen auftreten. Sie wurde aus herkömmlichen Protrusionsschienen weiterentwickelt. Elastische Teleskopstangen (siehe Abb. 3 und 6) ermöglichen eine dreidimensionale Bewegungsfreiheit. Ein Kugelkopf hält die Teleskopstangen im Schienenkorpus, dadurch wird die hohe Bewegungsfreiheit erreicht. Durch die unsichtbar eingebauten Innenfedern in den Teleskopstangen wird ein sanfter Druck auf den Unterkiefer nach vorne erzielt. Dies hilft mit, die Protrusion leichter zu halten. Die Innenfedern erlauben ein eventuelles Nachjustieren der Schnarchschiene nach ventral als auch retral.

Durch die gefederte Vorverlagerung erhält der Patient ein frei bewegliches Gefühl – trotz verschlüsseltem Schienensystem im Mund. Die Abstützung der Kaumuskulatur und des Kiefergelenkes im anterioren und dorsalen Bereich ist wichtig, da während der Schlafphase die Kaumuskulatur teils arbeitet. Dadurch werden Myoglosen und Druckdolenzen in der Muskulatur wie im Kiefergelenk vermieden (siehe Abb. 3).

Da bei der Roncho-Ex™-Schiene mit einer veränderten Kieferrelationsbestimmung gearbeitet wird, setzt dies die Verwendung einer schädel- und gelenkbezogenen Analyse mit Gesichtsbogen voraus. Der Unterkiefer wird im Artikulator mittels Konstruktionsbiss montiert. Teleskopartige Stege im Mund halten die eingestellte Vorverlagerung. Im dorsalen Bereich und anterior wird der Freiraum durch Kunststoffaufbauten abgestützt. Eine Kugelknopfarretierung wird anterior angebracht, die das Kiefergelenk während des Schlafs in der eingestellten Position ausruhen lässt. Die sichere Abstützung des Kiefers und der Muskulatur wird durch diese beiden Prinzipien gewährleistet (siehe Abb. 4 und 5). Um dauerhaft getragen zu werden, muss die Schnarchschiene grazil und hygienefähig sein. Das Aufreißen der Wangen- und Zungenschleimhaut verhindern die dreidimensionalen Teleskope in den Okklusalbereich der Kaufläche.

Auwahl des Kunststoffs

Zwar können Protrusionsschienen aus allen Prothesenkunststoffen hergestellt werden, jedoch wird die Verwendung von thermoplastischen Materialien empfohlen (siehe Möglichkeit 2).

Möglichkeit 1: Erkoloc-Pro-Tiefziehfolien. Die Basis ist weichbleibend, die Oberfläche ist mit Kunststoff ansetzbar – mit herkömmlichen Kaltpolymerisaten weiterzuverarbeiten.

Möglichkeit 2: Thermoplastischer Spritzkunststoff. Bre.crystal™ ist ein Poly-Methyl-Meth-Acrylat-Granulat, das auf 260°C erhitzt und mit neun Bar Druck in die Küvettenform gepresst wird. Das Material zeichnet sich durch hohe Härte und dadurch verbunden auch gute Polierbarkeit aus. Es ist restmonomerfrei und für Allergiker bestens geeignet. Die daraus gefertigte IPS Roncho Ex™ hat eine hohe Langzeitstabilität (siehe Abb. 7 und 8). Die Materialdichte von bre.crystal verhindert Wasseraufnahme und bleibt lange ästhetisch. Die gute Oberflächendichte verhindert die Geruchsbildung.

Die Wirkungsweise der Roncho-Ex™-Protrusionsschiene beruht auf der bewährten Methode der Vorverlagerung. Durch Konstruktionselemente wie dreidimensional gefederte Teleskopstangen, anteriore Kugelknopfarretierung, Einbau von Teleskopen in den Okklusalbereich so-wie die Verwendung von thermoplastischem, biokompatiblem Prothesenkunststoff wurden die bisher bekannten ungewünschten Nebeneffekte von Protrusionsschienen weitestgehend ausgeschaltet.

Weiterführende Informationen
Die Protrusionsschiene Roncho Ex™ wurde auf der IDS 2009 vorgestellt.
www.bredent.com

Korrespondenz
Dr. Margit Weiss, Ulm, Deutschland
E-Mail:

www.opus-dc.de

Zahntechniker Dieter Grau, Ulm, Deutschland
E-Mail:

 

Von Dr. Margit Weiss, Zahnarzt 7 /2009

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