zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 25. Juli 2008

Lesebrief eines WID-Besuchers

Nach einem schmerzpatientgestressten Arbeitsvormittag kommen wir abgehetzt, nach Abstellen unseres Wagens auf dem kostenpflichtigen Parkplatz, bei der Registrierung der diesjährigen Dentalmesse an. Da wir uns im Internet vorangemeldet haben, eilten wir gleich zu den dafür vorgesehenen Schaltern. Ausgerechnet bei unserem Buchstaben war gerade eine ansehnliche Warteschlange, die beiden anderen Schalter waren gerade gähnend leer. Wir bekommen die Namensschilder und dürfen diese, da wir ja geschickt sind, selbst in die Plastikhalterungen einlegen. Scheinbar, um die Aussteller und die anderen Besucher nicht mit unseren akademischen Titeln zu verwirren oder gar zu beschämen, wurde gleich mal auf das Aufdrucken des Titels auf das Namensschild verzichtet. Vor dem Betreten der riesigen Halle wird noch forsch unser „unbetiteltes“ Namensschild goutiert; kein Namenloser darf da reinkommen. Dann beginnen wir die Firmen ausfindig zu machen, die die Klebemarkerln für die Puzzle-“Schnitzeljagd“ bereithalten. 42 Pickerln gilt es zu sammeln, auf eine Karte zu kleben und dann adressiert zur Verlosung abzugeben. Stolz nehmen wir das erste Pickerl aus dem Plastikzylinder heraus. So wie es aussieht, ist dieses selbstklebend, nur muss da noch eine Folie abgezogen werden, was sich als eine ordentliche Fummelei herausstellt und schon wieder unserer geschickten Bastlerhände bedarf. Wir beginnen mit dem Fuzzeln: „Nein, lass mich das machen! Du machst es ja hin! Nur die Folie abziehen! Hast’ schon wieder deine Brillen vergessen?“ Dann geht’s ab zum nächsten „Pickerl“-Stand. Dort ist aber der Zylinder nicht offen zugänglich, auf Nachfrage bekommen wir die Antwort, dieses erst nach einer Beratung als Belohnung zu bekommen, eine zweistündige müsse da schon drin sein! „Wie?, Was?“ Wir stellen uns geistig schon auf eine „durchberatene“ Nacht ein, bekommen die Belohnung für das Ertragen dieses Witzes aber dann doch gleich. Beim nächsten Stand sehen wir uns Mundschutz mit Plastikfolie an und erhalten als Kaufargument zugesagt, dass man sich so das „Aufziehen“ der Schutzbrille ersparen könne. Mit einem Pickerl bedankt kommen wir zur nächsten Firma, die uns zu einem Fragespiel ermutigen will. „Einen Kaffee erhalten sie nach dem Spiel!“ „Aber, ich brauch den schon vorher, sonst bin ich zu schwach!“, meine ich. „Nein, Nein ... Zuerst das Spiel!“, ist man unnachgiebig. So streben wir also „ungestärkt“ und „unbespielt“ weiter zum nächsten Stand, wo wir wissen wollen, ob schon viele nach diesen Pickerln gefragt hätten. „Erst ganz wenige!“ „Na klar!“, denke ich, schließlich kreisen wir schon eine Stunde und konnten das, was uns eigentlich interessieren würde noch immer nicht ansehen. Zugeschickt bekommen haben wir noch einen Gutschein für ein kleines Geschenk, damit geht’s zu dieser Firma „Naja, das Geschenk bekommen sie natürlich schon, obwohl sie bei uns noch nicht viel gekauft haben!“ und versichert uns dann noch: „Na, bei der nächste Abnahmeprüfung fällt ihr altes Gerät sowieso durch und dann ...!“

Woanders gibt man uns das kleine Geschenk für den Gutschein auch gleich, aber auf die Bitte nach einem zweiten wird uns diesmal ein Sandstrahlgerät zum Kaufe angeboten. „Ich brauch’ doch keines!“ Dennoch meint man: „Den Pinsel gibt’s nur, wenn sie ein Gerät kaufen!“ „Hört sich ja fast wie am Bauernmarkt an“, ertappe ich mich zu denken.

Die nächste Firma prahlt mit ihrer Produktpalette von 7.000 Artikeln und bevor sie uns das Pickerl geben würde, meinte der Vertreter, hätte er schon gerne einen Auftrag.

Zu letzt kommt noch das Beste. Bei einem Firmenstand ist der Pickerlzylinder gar hinter einer Türe versteckt. Auf die Frage danach, werden wir fast wie „Einschleichdiebe“ gemustert und taxiert: „Na, das müssen sie sich erst verdienen!“ Wenn wir uns so vergleichsweise in Erinnerung rufen, wie überfreundlich Vertreter in unserer Ordination auftreten, könnte man glauben, dass sie „hic et nunc“ versucht „den Spieß umzudrehen“.

Genervt von den Kaufdrängelein suchen wir Zuflucht in der Vinothek. Hier wird uns nicht erklärt, dass der Stand teuer sei und daher etwas verkauft werden müsse. Da es hier für uns richtig erholsam ist, lassen wir mit einigen ebenso „namenschildunbetitelten“ Kollegen den Nachmittag ausklingen.

Mit bezahlten acht Euro am Parkplatz verabschieden wir uns dann von der diesjährigen WID im neuen „kaufdrängenden“ Gewande.

DDr. Karl Jungwirth, Wien

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben