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Zahnheilkunde 5. Mai 2008

Anwendung und Effizienz von modernen Zahncremes

Bei modernen Zahncremes handelt es sich um komplexe Systeme, die sowohl wichtige Funktionen bei der Zahnhygiene als auch hinsichtlich kosmetischer Aspekte übernehmen.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts bestehen große Bemühungen, die Entwicklung von Zahncremes kontinuierlich voranzutreiben. Ziel ist es dabei, die orale Gesundheit sowie das zahnkosmetische Ergebnis weiter zu optimieren. In den vergangenen Jahren sind die Verkaufszahlen für Zahncremes weltweit und besonders in Osteuropa und Zentralasien stark angestiegen. Im Jahr 2006 wurden weltweit Zahncremes im Wert von etwa 14,4 Milliarden US Dollar verkauft. Um diese positive Entwicklung weiter zu unterstützen, sollten Menschen mit einer guten Zahn- und Mundhygiene weiter motiviert werden, sich kontinuierlich über aktuelle Erkenntnisse zur Zahnhygiene zu informieren. Zum anderen sollte die Akzeptanz und Verfügbarkeit moderner Zahncremes in den sich neu entwickelnden und wachsenden Nationen erhöht werden, um die Zahnhygieneverhältnisse denen alter Industrienationen anzugleichen.
Um derartige Verhaltensänderungen erfolgreich zu implementieren, sind die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der aktuellen Verhaltensforschung sowie moderne Motivationsmethoden notwendig. Wichtige Voraussetzung ist weiterhin eine ausführliche Information aller (potenziellen) Zahncremenutzer über die Zusammensetzung, Anwendung und Effizienz moderner Zahncremes durch zahnmedizinisches Fachpersonal.

Zusammensetzung von Cremes

Typischerweise bestehen Zahncremes heute aus 3-Phasen-Systemen. Dies sind: 1. Lösungsmittelphase (Befeuchtungsmittel wie Sorbitol und Glycerol; Wasser; gelöste Salze), 2. die dispergierte Phase (konsistenzbestimmende Emulsion aus Tensiden, Geschmacksstoffen und organischen Bindemitteln) sowie 3. die feste Phase (Reinigungskörper aus abrasiven Partikeln). Die Eigenschaften der jeweiligen Zahncreme werden durch die Auswahl und die prozentualen Anteile der einzelnen Bestandteile bestimmt. Dabei ist es wichtig, dass eine effektive Zahnreinigung ohne relevante abrasive Verluste der Oberfläche gewährleistet ist. Die Akzeptanz der Zahncreme wird maßgeblich von deren Konsistenz und Geschmack bestimmt. Die Zahncreme darf z. B. nicht zu flüssig sein, um die Entnahme aus der Tube zu vereinfachen und die Haftung/Form auf der Zahnbürste zu gewährleisten. Die Zahncremes werden in der Regel leicht gesüßt (Sorbitol, Saccharin) und mit Aromaölen (Minze, Zitrone, Zimt etc.) angereichert. Hinsichtlich des Geschmacks sollten regionale Präferenzen und mögliche Interaktionen mit anderen Zahncremebestandteilen oder dem Tubenmaterial berücksichtigt werden. Neuerdings werden auch Zahncremes mit Zusätzen von Pflanzenextrakten und Antioxidantien (Vitamin E und F, Sonnenblumenöl) zur Plaquekontrolle hergestellt.

Multifunktionalität

Die Zahncreme wurde zunächst nur zur Zahnreinigung sowie zur Erfrischung des Mundraums beziehungsweise Atems eingesetzt. Durch die Anreicherung mit Fluoriden (NaF) seit den 1950er-Jahren haben Zahncremes zudem eine wichtige präventive Funktion (Karies- und Gingivitisprävention). Das gewählte Fluorid muss dabei mit den anderen Inhaltsstoffen der Zahncreme kompatibel sein (Interaktionsrisiko). Die regelmäßige Verwendung (2-mal täglich) fluoridhaltiger Zahncremes, die inzwischen als Standardzahncremes gelten, reduziert die Demineralisierung und fördert die Remineralisierung des Zahnschmelzes (Kariesprävention). Darüber hinaus haben die Zahncremes durch den Zusatz biologisch wirksamer Substanzen seit den 80er- und 90er-Jahren zusätzlich antibakterielle Eigenschaften (Gingivitisprävention) und inhibieren die Plaque- und Zahnsteinbildung (Kariesprävention, kosmetisch).
Auch eine Hypersensitivität im Dentinbereich (Zahnhalsüberempfindlichkeit) kann durch moderne Zahncremes reduziert werden, da sie weniger abrasiv sind. Zusätze wie mineralische Salze oder Proteinpräzipitatmittel führen zum Verschluss von Dentinkanälchen beziehungsweise zur Desensibilisierung der Nervenendigungen. Eine einzelne moderne Zahncreme erfüllt somit eine Fülle von Aufgaben und erleichtert eine umfassende Zahn- und Mundhygiene.

Präventive Aspekte

Fluoridierte Zahncremes mit 1.000–1.250 ppm Fluorid (NaF, NaFPO3, SnF2, NH4F) spielen eine Schlüsselrolle bei der Kariesprävention und sind inzwischen weltweit verfügbar. Sie gelten als Standard und stellen die Basis für multifunktionale Zahncremes dar. Die kariespräventive Wirkung von fluoridierten Zahncremes (25%-ige Kariesreduktion gegenüber nicht fluoridierten Zahncremes) ist vielfach wissenschaftlich belegt und von Experten anerkannt. Insbesondere Kinder profitieren von einer täglichen Verwendung fluoridierter Zahncremes. In der Regel enthalten die Zahncremes Fluoride in Konzentrationen von 1.000–1.500 ppm. Für Kinder sind geringer konzentrierte Präparate (500–600 ppm, Fluoroserisikosenkung) und für spezielle Kurzzeitanwendungen hoch konzentrierte Zahncremes (5.000 ppm) erhältlich.
Die Bildung von bakteriellen Biofilmen auf der Zahnoberfläche gilt als Hauptursache von Karies, Gingivitis und Zahnsteinbildung. Daher ist die Reduktion und Kontrolle der Plaquebildung ein wichtiges Ziel bei der Zahnhygiene. Zahncremes übernehmen hier eine wichtige Funktion, insbesondere durch antibakterielle Zusätze wie Chlorhexidin oder Triclosan beziehungsweise bestimmte divalente Kationen wie Zinnfluorid (SnF2, neue stabilisierte Form) oder Zinkzitrat. Die Zahnsteinbildung kann durch Zahncremezusätze wie Pyro- und Polyphosphate, Zinkzitrate oder -chlorid, Diphosphonate oder Gantrez effektiv inhibiert werden.

Kosmetische Effekte Kosmetische Aspekte spielen

in der Zahnpflege ebenfalls eine wichtige Rolle. Extrinsische Verfärbungen der Zähne etwa durch Tee oder Kaffee wirken störend. Zahncremes sollen daher derartige Verfärbungen entfernen und den Zahn aufhellen. Hierfür sind abrasive (Karbonate, Phosphate, Silikate) und chemisch aktive Zahncremeinhaltsstoffe (EDTA, Zitrate, Phosphate, Tenside) zur Entfernung der Oberflächenverfärbung sowie bleichende Zusätze (Peroxide) erforderlich. Durch Anaerobier verursachter Mundgeruch kann durch regelmäßige Zahn- und Mundhygiene reduziert werden. Zahncremes werden hierfür mit Aromaölen und antibakteriellen Agenzien versetzt.
Die Multifunktionalität sowie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über solche Zahncremes müssen von den Herstellern und den Zahnärzten kommuniziert werden, um die Zahngesundheit der Verbraucher weltweit weiterhin verbessern zu können.

Stamm, J. W. (North Carolina at Chapel Hill, USA): Multifunctional toothpastes for better oral health:
a behavioural perspective. International Dental Journal 57 (2007) pp. 351–363.

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