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Zahnheilkunde 5. Mai 2008

Analyse des sozialen Gradienten

Ziel der vorliegenden Studie ist es, soziale Gradienten, die die orale und allgemeine Gesundheit determinieren, zu bestimmen und miteinander zu vergleichen. Die Analyse basiert auf Daten des Third National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III) des US Departments of Health and Human Services (1997). Diese Erhebung wurde in den Jahren 1988 bis 1994 in den USA durchgeführt und schloss auch eine umfangreiche medizinische und zahnmedizinische Untersuchung ein. In der Studie wurden Personen mit einem Mindestalter von 17 Jahren aufgenommen.
Als Outcome-Variablen für die orale Gesundheit wählten die Autoren Zahnfleischerkrankungen und die empfundene orale Gesundheit, während ischämische Herzerkrankungen und der empfundene allgemeine Gesundheitszustand als Outcome für die allgemeine Gesundheit dienen. Die Zahnfleischerkrankungen (Zahnfleischtaschen = 4 mm, Attachmentverlust = 3 mm, Ausmaß gingivaler Blutung) werden während der zahnmedizinischen Untersuchung zu Beginn der NHANES diagnostiziert. Die Diagnose Parodontose wird gestellt, wenn mindestens ein Attachmentverlust = 3 mm sowie ein Blutungsbereich nachweisbar ist. Weiterhin erhalten die NHANES-Teilnehmer Fragebögen, in denen sie Selbstauskünfte zur empfundenen Zahn- und allgemeinen Gesundheit machen (2 Kategorien: schlecht/mäßig oder gut/sehr gut).

Auswertung der Daten

Die Auswertung der Daten zeigt sowohl hinsichtlich der klinischen als auch der empfundenen Gesundheit eine deutliche Assoziation zum sozialen Status der Teilnehmer. Je ärmer und weniger gut ausgebildet die Teilnehmer sind, desto schlechter ist ihr klinischer Gesundheitszustand und desto schlechter wird dieser auch von den Betroffenen empfunden (p < 0,05–0,001). Dies gilt sowohl für die allgemeine als auch für die orale Gesundheit. Dabei sinkt der Gesundheitszustand signifikant mit jedem Übergang zur nächst niedrigeren Ebene des Sozialstatus. Selbst nach Korrektur der Daten hinsichtlich der Kofaktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Rauchen bzw. Fehlen einer Krankenversicherung bleibt dieses Ergebnis signifikant.
Der empfundene allgemeine Gesundheitszustand wird außerdem signifikant durch die Faktoren ethnische Herkunft (afrikanische oder spanische Herkunft), höheres Alter, und weibliches Geschlecht bestimmt. Die empfundene orale Gesundheit wird durch die Parameter ethnische Herkunft, höheres Alter, fehlende Krankenversicherung und Rauchen negativ beeinflusst. Auch für die klinisch ermittelte allgemeine Gesundheit (Prävalenz ischämischer Herzerkrankungen) und die klinisch ermittelte orale Gesundheit (Prävalenz von Zahnfleischerkrankungen) lassen sich statistisch durchgehend soziale Gradienten nachweisen. Einzige Ausnahme bildet im Modell für die Herzgesundheit die zweithöchste Ausbildungsebene. Hier wird der Gradient unterbrochen. Weitere Faktoren, die die klinisch ermittelte Gesundheit signifikant beeinflussen sind höheres Lebensalter, Diabetes und Hypertonie. Bei der oralen Gesundheit sind höheres Alter, männliches Geschlecht, ethnische Herkunft, Diabetes und fehlende Krankenversicherung maßgeblich an einem schlechten Zustand beteiligt. Damit stimmen die determinierenden Faktoren für die orale und allgemeine Gesundheit weitgehend überein. Die Studie zeigt, dass sowohl die Ausbildung als auch das Einkommen maßgeblichen Einfluss auf die objektive und individuell empfundene Gesundheit haben.

W. Sabbah, G. Tsakos, T. Chandola, A. Sheiham, R.G. Watt: Journal of Dental Research, 86 (2007) pp. 992–996.

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