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Zahnheilkunde 24. Juli 2008

Kariesstatus und Übergewicht

In den USA wie auch in anderen westlichen Nationen wächst die Zahl übergewichtiger Kinder weiter. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Kinder mit einem BMI jenseits der 95. Perzentile verdoppelt. Eine nationale Erhebung, die National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES), hat bei 12–19-Jährigen eine Übergewichtsprävalenz von 15,5 Prozent ermittelt. Bei farbigen Kindern und Kindern mit mexikanischem Migrationshintergrund lag die Zahl noch höher (23 %). Übergewicht in der Kindheit führt bekanntlich zu einem hohen Erkrankungsrisiko.
Auch wenn die Kariesprävalenz in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen ist, bleibt Karies auch weiterhin ein wichtiges Gesundheitsproblem bei Kindern. Daher soll in der vorliegenden Untersuchung aus den USA der Zusammenhang zwischen Dentalkaries und Übergewicht bzw. einem hohen Übergewichtsrisiko bei 2–18-Jährigen ermittelt werden.

Datenanalyse

Die Basis der folgenden Analyse bilden Daten von 2–18-Jährigen, die an der NHANES in den Zeiträumen 1988–1994 (NHANES III, n = 10.180) und 1999–2002 (n = 7.568) teilgenommen haben. Die Autoren finden in einer ersten statistischen Analyse bei Kindern im Alter von 6–11 Jahren eine Assoziation zwischen der Dentalkariesprävalenz bleibender Zähne und dem Gewichtsstatus (p = 0,02). Bei Kindern mit Milchzähnen und bei älteren Kindern mit bleibenden Zähnen kann der Zusammenhang von Dentalkaries und Gewichtsstatus nicht nachgewiesen werden.
Für die Daten der NHANES III (1988–1994) und für NHANES (1999–2002) wird eine logistische Regressionsanalyse durchgeführt. Sie zeigt für die Daten von NHANES III nach Korrektur bezüglich sozioökonomischer und demografischer Kofaktoren und der Zahnarztbesuche bei Kindern zwischen 2 und 5 Jahren keine Assoziation zwischen dem Körpergewicht und dem Kariesstatus der Kinder. Allerdings erweisen sich Armut und ein mexikanischer Migrationshintergrund als Risikofaktoren für die Entwicklung von Karies. Auch ein erhöhter Cotininwert, wie er bei Passivrauchen gemessen wird, erhöht bei 4–5-Jährigen das Kariesrisiko im Milchzahngebiss. Die Daten der Studie 1999–2002 ergeben in dieser Altersgruppe ähnliche Risikofaktoren für Karies wie bei NHANES III: mexikanischer Migrationshintergrund, Armut, Zeit seit letztem Zahnarztbesuch, hoher Bleiwert im Blut.
Bei Kindern im Alter von 6–11 Jahren ergibt die Regressionsanalyse für NHANES III folgenden Befund: Kinder mit Übergewicht (alters- und geschlechtsspezifischer BMI = 95. Perzentile) oder mit einem erhöhten Übergewichtsrisiko (= 85 Perzentile) zeigen ein geringeres Risiko, an Karies der Milchzähne zu erkranken, als gleichaltrige Normalgewichtige (p = 0,04). Dies gilt bei Übergewichtigen auch hinsichtlich der bleibenden Zähne (p = 0,03). Auch in dieser Altersgruppe begünstigen Armut, ein geringes Bildungsniveau des Familienvorstandes sowie Passivrauchen den kariösen Befall der Milchzähne.
Auch bei den 12–18-Jährigen der NHANES III sind Übergewichtige weniger gefährdet, an Karies zu erkranken, als Normalgewichtige (p = 0,02). Stattdessen sind ein geringes Bildungsniveau des Familienvorstandes und die Zeit seit der letzten Zahnarztkonsultation mit einem erhöhten Kariesrisiko verbunden. Die Analyse der Daten von 1999–2002 ergibt ähnliche Befunde: Kinder aus armen Familien, solche mit Migrationshintergrund und Kinder, deren Zahnarztbesuch länger zurückliegt, haben ein erhöhtes Kariesrisiko. Das Gewicht hat hier keinen Einfluss auf die Zahngesundheit.

D. T. Kopycka-Kedzierawski et al.Community of Dental and Oral Epidemiology, 36 (2008) pp. 157–167.

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