zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 24. Juli 2008

Dentalfluorose als Risikofaktor

In den letzten 30 Jahren konnte mit Hilfe von Fluoriden die Kariesprävalenz deutlich gesenkt werden. Allerdings erhöht sich durch die Gabe von Fluoriden das Risiko für die Entwicklung einer Dentalfluorose. Neben Fluorid werden aber auch bestimmte Getränke und Lebensmittel als Risikofaktoren für eine Dentalfluorose diskutiert. In Deutschland wurden in den 1990er-Jahren bei Kindern je nach verwendetem Index Fluoroseraten von fünf bis 15 Prozent nachgewiesen.
Die Fluoroseentstehung hängt entscheidend von der Fluoridexposition während der Zahnschmelzbildung (zirka 2,5.–8,5. Lebensjahr) ab. Damit ist die Fluoroseprävalenz ein Indikator für die Fluoridexposition einer Population während der Kindheit. Sie stellt so bei Jugendlichen beziehungsweise Adoleszenten einen sensiblen Biomarker für deren Fluoridexposition im 7. und 8. Lebensjahr dar. In Deutschland variieren die Kariespräventionsprogramme in den Regionen. Dabei differiert auch die Intensität des Fluorideinsatzes.

Studie in Deutschland

In dieser nationalen Studie werden die Kinder aus zwei deutschen Regionen auf das Auftreten einer Dentalfluorose in Abhängigkeit von Präventivmaßnahmen hin untersucht. Eine der beiden Gruppen nimmt an einem öffentlichen Präventivprogramm teil, während dies in der zweiten Gruppe nicht der Fall ist. Die Studienpopulationen stammen aus Heiligenstadt (Thüringen) und aus Duderstadt (Niedersachsen). Während die Kinder aus Heiligenstadt sowohl in der Kindergarten- (3–6 Jahre) als auch in der Schulzeit Fluoride intensiv verwenden (Studiengruppe), fehlt in Duderstadt ein öffentliches Präventivprogramm (Kontrollgruppe). Der Fluoridgehalt im Trinkwasser ist in beiden Regionen gleich und seit Jahren konstant (0,25 mg/l).
An der Studie nehmen 1.041 Jugenliche teil (i. e. 71,3 % aller 15-Jährigen; Duderstadt n = 295; Heiligenstadt n = 746). Die zahnärztliche Untersuchung wird im Zeitraum zwischen September 2003 und April 2004 von einem der Autoren nach eingehender fachlicher Schulung zum Thema Fluorosediagnostik in den jeweiligen Schulen durchgeführt. Untersucht werden die Zähne 11 bis 16 nach sorgfältiger Lufttrocknung. Für die Diagnose und Bewertung der Fluorose wird der Thylstrup-Fejerskov-Index verwendet. Bei der Untersuchung werden stark geschädigte bzw. kariöse oder umfangreich gefüllte bukkale Zahnoberflächen nicht berücksichtigt.
Die Eltern der Teilnehmer werden mittels eines Fragebogens über die frühe Entwicklung des Kindes und dessen Ernährung sowie über die Zahn- und Mundhygiene und Teilnahme an Kariespräventionsprogrammen befragt. In die Studienanalyse gehen auch Daten über verwendete fluoridhaltige Präparate ein, die im Rahmen von öffentlichen Präventivprogrammen dokumentiert wurden.
Eine signifikante Differenz der Fluoroseprävalenz kann zwischen den beiden Gruppen nicht festgestellt werden. Damit kann auch kein signifikanter Einfluss des Präventionsprogrammes auf die Fluoroseentwicklung nachgewiesen werden. In einer logistischen Regressionsanalyse kann auch kein signifikanter Einfluss einer der geprüften Kofaktoren (Fragebogen) auf das Auftreten einer Fluorose festgestellt werden. In einer stufenweisen Regressionsanalyse wird der frühe Start des Zähneputzens als einziger signifikanter Einfluss auf die Entwicklung einer Fluorose im frühmineralisierenden Zahnschmelz identifiziert (OR = 1,99, p = 0,027). Im spätmineralisierenden Zahnschmelz lässt sich hingegen kein fluorosebegünstigender Faktor finden.

A. Momeni et al. Prevalence of dental fluorosis in german schoolchildren in areas with different preventive programmes. Caries Research, 41 (2007) pp. 437–444.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben