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Urologie 8. November 2007

Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich BPS heiß’

Die Interstitielle Zystitis galt als eine Krankheit, die wesentlich öfter auftritt, als sie diagnostiziert wird. Mit der Umbenennung in Bladder Pain Syndrome soll sich dies ändern.

Bladder Pain Syndrome (BPS) ist der neue Name für das bisher nur unscharf definierte Krankheitsbild der Interstitiellen Zystitis (IC). Der Name IC wurde vor rund 100 Jahren von Hunner für ein Syndrom mit Blasenschmerzen und ununterdrückbarem Harndrang bei sterilem Harn geprägt. Die alte Bezeichnung bezog sich aber weder auf die nachweisbaren histologischen Veränderungen noch auf die klinische Symptomatik und ließ daher weder Betroffene noch Behandler an das Vorliegen dieser (deshalb früher selten diagnostizierten) Erkrankung denken.
In weiterer Folge wurden immer wieder neue Namen vorgeschlagen, um das klinische Bild mit einem optimal-deskriptiven Namen zu erfassen: Urethralsyndrom, urgency/frequency syndrome, pelvic pain, non-infectious chronic cystitis. Die Heterogenität der unter IC erfassten Krankheitsbilder hat aber einerseits viele Patienten von der richtigen Diagnose und somit einer erfolgversprechenden Therapie ausgeschlossen, andererseits konklusive Studien unmöglich gemacht. Einen ersten sinnvollen Schritt in der Namensgebung tat 2002 die International Continence Society, indem sie die IC mit dem Ausdruck „painful bladder syndrome“ ergänzte (IC/PBS). Gleichzeitig wurde das Krankheitsbild der abakteriellen, nicht-entzündlichen Prostatitis kategorisiert (chronische Prostatitis Typ IIIb) und als möglicherweise IC-assoziiert angesehen, womit erstmals festgeschrieben wurde, dass Männer, die unter der Diagnose chronische Prostatitis behandelt werden, häufig auch an einer IC (jetzt BPS) leiden.
In einem Konsensus-Meeting der ESSIC (European Society for the Study of IC/PBS) 2006 wurde nach jahrelangen Vorarbeiten bezüglich Krankheitsdefinition und -kriterien der Name BPS als Ersatz für IC erarbeitet. Der Vorteil dieser Nomenklatur liegt in der konklusiven Symptomatikbeschreibung im Krankheitsnamen. Zudem ist sie konform mit anderen regionalen Schmerzsyndromen, wie sie von Schmerzmedizinern weltweit bezeichnet und behandelt werden (pelvic/abdominal/lumbar/urethral etc. pain syndrome).
Nach langwierigen Diskussionen in der eigenen Fachgruppe, vor allem mit Vertretern aus den USA und Patientenselbsthilfegruppen, die der Namensgebung aus vielerlei Gründen skeptisch gegenüberstanden (und z.T. noch stehen), wird der Begriff BPS in einer bevorstehenden Publikation peer-­reviewed veröffentlicht und in Zukunft den Terminus IC sukzessive ablösen (in einer Übergangsphase als BPS/IC).

 Subklassifikation des BPS

ESSIC definiert die Krankheit

Die ESSIC-Definition für das BPS lautet: Die Diagnose BPS basiert auf Schmerzen im Bereich der Blase zusammen mit zumindest einem weiteren Miktionssymptom, wie etwa Pollakisurie oder Nykturie. Andere Erkrankungen, welche diese Beschwerden verursachen können (confusable diseases, Liste aus Eur.Urol.Today 1, 2006, siehe Tabelle), müssen jedoch ausgeschlossen werden.
Eine Hydrodistension in Narkose sowie eine Biopsie sind zur Diagnose nicht mehr zwingend nötig und sollen nur bei bestimmten Indikationen veranlasst werden. Führt man diese beiden Eingriffe (einzeln oder zusammen) aber durch, können sie zur Subklassifikation des BPS verwendet werden. Diese stellt die Basis für zukünftige BPS-Studien dar (siehe Tabelle), um homogene Patientenkollektive zu erfassen und jene ­ätiologisch verschiedenen Krankheitsbilder, die unter der Schirmdiagnose BPS zusammengefasst werden, zukünftig besser zu verstehen und zu behandeln.

 Fakten

Auf der Seite www.essic.eu können weitere Informationen zur neuen Nomenklatur, diagnostische Kriterien und Therapieoptionen abgerufen werden.

Doz. Dr. Claus Riedl

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