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Urologie 18. Oktober 2007

Alternative: Ureterorenoskopie

Alternativ zur etablierten extrakorporalen Stoßwellentherapie (EWSL) und perkutanen Lithol­apaxie (PNL) kann bei Steinen mit einem Durchmesser von mehr als einem Zentimeter im oberen Harntrakt auch die Ureterorenoskopie zum Einsatz kommen.

Eine retrospektive Analyse von 12 Patienten, bei der Urologentagung in Salzburg vorgestellt von Dr. Stefan Schoeler, tätig am Klinikum der TU München, ist die Grundlage für den vorgeschlagenen Indikationsshift.
Zum Einsatz kamen dabei ein semirigides 6,5F/8F Ureterorenoskop sowie meist zusätzlich ein flexibles Ureterorenoskop und ein gepulster Holmiumlaser. Harnleiterstentung war obligat. Bei der Mehrzahl der Fälle, in denen ein natives Spiral-CT vorlag, bewegte sich das durchschnittliche Volumen der behandelten Fälle bei 1 cm3 mit einem Range von 0,23 bis 2,8 cm3. In wenigen Fällen wurde anhand konventioneller Röntgenbilder die Messung des größten Durchmessers angewendet. Die Steine waren hier 1 bis 3 Zentimeter groß bei einem Durchschnitt von 1,7 cm. 6 der Patienten hatten nur einen Stein, ein Patient zwei, drei Patienten drei Steine und zwei Patienten vier.

Mehrheitlich Nierensteine

Lokalisiert waren die Steine zu 74 % in der Niere, zu 26 Prozent im oberen Harnleiter. Die häufigsten Lokalisationen waren die Untere Kelchgruppe mit 34 % aller Steine sowie die Mittlere und Untere Kelchgruppe mit je 21 % der Steine.
In einem der zwölf Fälle konnte keine Steinfreiheit erreicht werden. Es handelte sich dabei um einen 85-jährigen, immobilen Patienten, mit Steinen in allen drei Kelchen und im Ausguss mit einem Gesamtvolumen von 1,53 cm3, bei dem in der ersten Sitzung nicht das ganze Material geborgen werden konnte und aufgrund des Narkoserisikos auf weitere Eingriffe verzichtet wurde.
Die durchschnittliche addierte Operationszeit betrug 168 Minuten bei durchschnittlich 1,4 Ureterorenoskopien pro Patient. Der Krankenhausaufenthalt dauerte im Schnitt sieben Tage. Bei den meis­ten Patienten genügten vier bis sechs Tage, allerdings war bei einem Patienten, bedingt durch präoperative Infektionsbehandlung und postoperative Abklärung, ein Aufenthalt von 20 Tagen erforderlich. Komplikationen traten bei drei Patienten auf: eine Unterfahrung des Blasentrigonums, eine Ureterperforation, eine periureterale Steinmigration. Schoeler zusammenfassend: „Die Ureterorenoskopie bei großer Steinmasse ist ein sicheres und effizientes Verfahren mit einer günstigeren Komplikationsrate als PCNL und höherer Erfolgsrate als EWSL. Wir denken daher, dass ein Indikationsshift in diesen Fällen angebracht ist.“

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 32/2004

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