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Urologie 18. Oktober 2007

Kein Vorteil bei „push and smash“

Bei Steinen im oberen Harnleiter stellt sich nicht selten die Frage, ob extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWL) in situ oder das „push and smash“-Verfahren angewendet werden soll. Der erste urologische Dissertant der Paracelsus-Universität Salzburg ging dieser Frage nach.

Die Vorteile von „push and smash“ sind, dass die Konkremente den Harnleiter nicht blockieren können und die Beschwerden des Patienten daher sofort verschwinden. Und da die Konkremente nur nach und nach abgehen, kommt es seltener zu Koliken . Dem gegenüber stehen die potenziellen Komplikationen durch den invasiven Eingriff und die längere Operationsdauer mit dem damit verbundenen höheren Aufwand.
Die Vorteile der extrakorporalen Stoßwellentherapie in situ (ESWL) sind kürzere Narkosezeiten und der geringerer Aufwand, sowie die Tatsache, dass die Nierenkelche von Steinen verschont bleiben. Andererseits können mehr Koliken erwartet werden, vor allem, wenn ein Steinbett den Konkrementabgang behindert.
Arbeiten vom Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts bevorzugten die „push and smash“-Methode. In den 90er Jahren begann sich das Bild allerdings zu wandeln. Eine Studie aus dem Jahr 1992 (Cass AS, J Urol 147:349-351) an 903 Patienten sah nur geringe Vorteile in der Methode. Die jüngste Arbeit aus dem Jahr 2003 (Varkaris J, Urol Res 31:286-290) an 130 Patienten konnte nach drei Monaten keinen Unterschied in Steinfreiheitsrate und Kosten finden. „Wenn immer in der Literatur so divergierende Angaben vorhanden sind, empfiehlt es sich, auf die eigenen Daten zu schauen und sich selbst ein Bild zu machen“, erklärte der Vortragende Doz. OA Dr. Klaus Fink, Univ.-Klinik f. Urologie und Andrologie, Salzburg, im Rahmen der 33. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie. Daher führte der Dissertant Matthias Neuhauser eine retrospektive Analyse der Daten von 123 Patienten mit hohen Harnleitersteinen durch. Erhoben wurden Steingröße, auxiliäre Maßnahmen, die Notwendigkeit einer erneuten ESWL, Ureterorenoskopie (URS) oder DJ-Katheter sowie die Stoßzahl, die maximale Energie pro Schuss und die kumulative Energie der ESWL.
Von den 71 Patienten, die nach dem „push and smash“-Verfahren behandelt wurden, mussten 3 Patienten zu einer zweiten ESWL-Sitzung, 5 erhielten einen DJ-Katheter und 3 Patienten eine URS. Die entsprechenden Zahlen bei den 52 Patienten mit in situ ESWL waren 7, 6 und 7. Diese Unterschiede sind statistisch nicht signifikant. Bezüglich Steingröße, Stoßzahl und maximaler Energie pro Schuss fanden sich ebenso keine signifikanten Unterschiede, die kumulative Energie war jedoch bei der in situ ESWL mit 122 Joule deutlich größer als bei der „push and ­smash“-Methode mit 104 Joule.
Fink zum Schluß: „Da ,push und smash‘ keinen Vorteil bringt, kann darauf verzichtet werden.“

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 32/2004

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