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Urologie 18. Oktober 2007

Indikationsshift bei TVT

Ist ein Urethra-Ruheverschlussdruck < 30 cm H2O eine relative Kontraindikation für die Implantation eines transvaginalen Tapes? Dr. Stephan Hruby von der Urologischen Abteilung des Kaiser-Franz-Josef-Spitals (KFJ) beantwortet diese Frage anhand einer retrospektiven Analyse von 304 Patientinnen, welche zwischen 1999 und 2006 behandelt worden waren. Vorgestellt wurde die Arbeit bei der 33. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie.

Zu den diagnostischen Methoden im KFJ gehört auch ein laterales Cystogramm. Hruby erklärt: „Eine hypomobile Urethra ist für sich alleine schon ein signifikant negativer Prognosefaktor für eine TVT-Implantation. Ist die hypomobile Urethra zusätzlich noch hypoton, so liegt die Kontinenzrate nur noch bei 17 bis 38 Prozent. Wir implantieren daher kein TVT bei hypomobiler oder fixierter Urethra.“
Die Indikation zum Eingriff war bei 80 Prozent der Fälle primäre Belas­tungsinkontinenz, weitere Indikationen verteilten sich auf rezidivierende Belastungsinkontinenz sowie primäre oder rezidivierende Mischinkontinenz. Bei 90 Patientinnen waren bereits Voroperationen zur Behandlung der Inkontinenz durchgeführt worden. 29 Patientinnen waren zuvor hysterektomiert oder strahlenbehandelt worden, 155 wiesen einen Urethra-Ruheverschlussdruck von unter 30 mm H2O auf. Hruby: „Diese Grenze entspricht jener des Arbeitskreises für Urodynamik der ÖGU. Das wird international unterschiedlich gehandhabt.“ Von diesen 155 hatten 82 Prozent eine Belastungsinkontinenz. Behandlungsmethoden waren bei 219 Patientinnen „herkömmliches“ transvaginales Taping, bei 64 Patientinnen TVT-Obturator (TVT-O) und bei 21 Patientinnen kam das Sparc-Schlingensystem zum Einsatz.
Sowohl nach einem als auch nach drei Jahren waren über 90 Prozent der Patientinnen kontinent, berichtet Hruby: „Das heißt, sie benötigten keine Kontinenzhilfen mehr.“ Die besten Ergebnisse wurden dabei bei der reinen Belas­tungsinkontinenz erzielt, geringfügig schlechtere Erfolge bei gemischter Inkontinenz. Von besonderem Interesse: Für das klinische Ergebnis spielte der geringere Ruhedruckverschluss keine Rolle. Auch noch nach einem sowie nach drei Jahren war der Unterschied im Vorlagenverbrauch zwischen der Gruppe mit über und jener mit unter 30 mm H2O Verschlussdruck sehr gering. Auch subjektiv waren beide Patientengruppen mit dem Eingriff gleichermaßen zufrieden. Das entspricht auch einigen Ergebnissen in der Literatur. Mehrere Arbeiten haben beschrieben, dass selbst bei einem Ruhedruckverschluss von unter 20 mm H2O die Kontinenzrate nach TVT immer noch sehr hoch ist. Hruby: „Wir konnten nicht nur hinsichtlich der Kontinenz, sondern auch hinsichtlich Miktion, de novo Urge und Komplikationen keinen Unterschied finden.“ Die eingangs gestellte Frage, ob der Ruhedruckverschluss Einfluss auf das Ergebnis einer TVT-Behandlung hat, sei somit mit „nein“ zu beantworten.

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 32/2004

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