zur Navigation zum Inhalt
 
Urologie 10. Jänner 2008

Ungleichbehandlung

Belastungsinkontinenz beim Mann ist nicht sehr häufig, kommt aber besonders nach Prostata-Operationen durchaus vor. Für Frauen steht für diese Form der Harninkontinenz seit einigen Jahren der Wirkstoff Doluxetin zur medikamentösen Therapie zur Verfügung. Dr. Johannes Huber vom KH der Barmherzigen Schwestern, Ried im Innkreis, berichtet aber auch über therapeutische Erfolge bei Männern.

Doluxetin ist ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, der wahrscheinlich über Glutamat auf die Sphinkterkontraktion wirkt. Die Entleerung wird dabei nicht beeinflusst.
In einer Anwendungsbeobachtung gab die Rieder Arbeitsgruppe 56 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren nach radikaler Prostatektomie (n=49) oder transurethraler Prostataresektion (TUR; n=7) 40 mg Doluxetin zwei Mal täglich. Bei Problemen mit der Verträglichkeit wurde die Dosis auf 2 x 20 mg reduziert. Zusätzlich zur medikamentösen Therapie erhielten alle Patienten Anleitungen zum Beckenbodentraining, Biofeedback und Elektrostimulationen. Bei der Evaluation der Maßnahme nach vier Wochen war der Einlagenverbrauch durchschnittlich von 3,3 auf 1,5 gesunken, bei den Patienten nach TUR sogar von 2,4 auf 0,5.

Wirkung und Nebenwirkung

14 Patienten brauchten gar keine Hilfsmittel mehr, 18 je nur eine Einlage, „meist nur zur Sicherheit“, so Huber. Bei fünf Patienten zeigte Doluxetin keine Wirkung. Entsprechend waren auch drei Viertel der Patienten „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“, ein Viertel „wenig“ oder „gar nicht“.
Sieben Patienten brachen – teilweise trotz Wirkeintritt – die Therapie aufgrund der Nebenwirkungen ab. Unter diesen waren die häufigsten Nausea, Fatigue und Mundtrockenheit.
Huber zum Therapiekonzept, das in Ried bereits angewendet wird: „Gleich nach der Operation erhalten die Patienten eine Anleitung zum Beckenbodentraining. Nach sechs Wochen wird die Kontinenz evaluiert. Bei Bedarf erfolgen Biofeedbacktraining und Elek­trostimulation. Nach drei Monaten wird erneut evaluiert und wenn die konservativen Maßnahmen nicht wirken, Doluxetin gegeben. Ist nach einem Jahr noch immer keine Besserung eingetreten, erfolgt eine operative Therapie.“
Ein Wermutstropfen ist, dass Doluxetin beim Mann nur off label verschrieben werden kann. Da die Wirksamkeit und Verträglichkeit aber gut sind, fordert Huber die Krankenkassen auf, die Verschreibung in Zukunft auch für Männer zu ermöglichen.

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 1/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben