zur Navigation zum Inhalt
 
Urologie 18. Oktober 2007

Niereninsuffizienz vermeiden

Eine Reihe von Risikofaktoren führt zu einer rasanten Zunahme von PatientInnen mit Nierenkrankheiten. Ein regelmäßiges Screening zumindest der Risikopatienten würde zu früherer Diagnose und besserer Behandlung der Betroffenen führen.

Nur zwei Risikofaktoren für chronische Nierenerkrankungen sind nicht zu ändern: das Geschlecht und das Alter. Männer sind deutlich häufiger als Frauen von chronischer Niereninsuffizienz betroffen, und: je höher das Alter, desto größer das Risiko für eine chronische Nierenerkrankung. Alle anderen Risikofaktoren für ein chronisches Nierenversagen sind beeinflussbar. Dazu gehören etwa Rauchen und Alkohol, Ernährung, Gewicht, Blutfettwerte und der Blutdruck. Zu den HochrisikopatientInnen für ein chronisches Nierenversagen zählen Hypertoniker, Typ-2-Diabetiker, Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, mit Nierensteinen und chronischen Entzündungen sowie Patienten mit nierenkranken Verwandten.
„Leider wurde der Kreatinintest nicht in die Vorsorgeuntersuchung hineingenommen“, merkte der Nephrologe OA Dr. Martin Auinger von der 3. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus Hietzing im Rahmen seines Vortrags anlässlich der Wolfsberger Präventionstage, die von 5. bis 6. Oktober stattfanden, an. „Dabei ist dies ein aussagekräftiger und dabei günstiger Test, der ein rasches Screening auf Nierenerkrankungen zusammen mit dem Harnbefund erlaubt“, so Auinger weiter.

Zu wenig Nephrologen – mittelfristig droht Mangel

213 Fachärzte für Innere Medizin mit Additivfach Nephrologie sind laut Österreichischer Ärztekammer derzeit tätig. Das ist bei einem von der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie geschätzten Stand von 350.000 bis 880.000 Patienten mit Nierenerkrankungen unterschiedlicher Schweregrade bzw. Einschränkung der Nierenfunktion nicht gerade als Überversorgung zu betrachten. Was die Situation noch verschärft: Gegenwärtig befinden sich nur 25 Internisten in Zusatzausbildung zum Additivfach für Nephrologie, sodass mittelfristig ein Mangel an Spezialisten droht.
Nierenerkrankungen können vielfach vermieden, zumindest aber hinausgeschoben werden. Dazu ist ein Blutdruck von unter 125/75 mmHg ebenso anzustreben wie eine Senkung der Blutfettwerte, Übergewicht sollte abgebaut und das Rauchen eingestellt werden. Alkohol sollte nur in Maßen oder gar nicht genossen werden.
Typ-2-Diabetiker müssen besonders gut eingestellt und laufend überwacht werden, um jede Änderung der Nierenfunktion sofort behandeln zu können. „Denn je früher die Therapie erfolgt, desto später kommt es zum chronischen Nierenversagen“, hielt Auinger weiter fest. Diabetes ist die häufigste Ursache des Neuzuganges zur Nierenersatztherapie (34%) in Österreich, gefolgt von Hypertonie mit 19 Prozent.
„Insbesondere der Nephrologe ist in der Lage, die Nierenfunktion so lange wie möglich zu erhalten, die metabolischen Veränderungen zu bewältigen und die Zeit bis zur Dialyse zu verlängern“, betonte Auinger. Für die Allgemeinmedizin seien vor allem die Schlüsselsymptome, die für die frühestmögliche Überweisung an einen Nephrologen sprechen, wichtig.

Nierenparameter und Harnbefund regelmäßig bestimmen

„Dazu gehören die bereits genannten Risikofaktoren wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck“, so Auinger, „aber auch Schmerzen beim Urinieren, häufig wiederkehrende Harnwegsinfekte, unklare Anämien sowie chronische Erkrankungen, wie Herzinsuffizienz und Leberzirrhose.“ Neben dem frühzeitigen Erkennen allgemeiner Symptome sind auch die regelmäßige Erhebung der Nierenparameter sowie des Harnbefundes von großer präventivmedizinischer Bedeutung. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Abklärung von Nierenerkrankungen zusammen mit anderen Fächern (z.B. Urologie, Diabetologie, Kardiologie) ist nephrologischer Standard.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 32/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben