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Urologie 11. April 2007

Frauen kommen in den Wechsel, Männer ins PADAM

Das etwas sperrig benannte „Partielle Androgendefizienzsyndrom beim alternden Mann“ ist nicht sehr häufig und nur entfernt dem Klimakterium ähnlich, sagt der Salzburger Urologe Doz. Dr. Andreas Jungwirth. Die Probleme, die die Männer damit bekommen, beschränken sich meist auf solche des Lifestyles. Ehemänner haben von vornherein niedrigere Testosteronwerte als Singles.

Gibt es ein Klimakterium des Mannes? „Nein“, sagt dazu Doz. Dr. Andreas Jungwirth, Urologe an der Privatklinik Bad Dürrnberg, Salzburg, und legte dafür im Rahmen der Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden mit dem Thema Endokrinologie zahlreiche Untersuchungen vor. Das Serumtestosteron nimmt zwar ab dem 50. Lebensjahr des Mannes um ungefähr ein Prozent ab. „Das klinische Bild für diese Hormonveränderung wird oft fälschlich als Andropause oder männliches Klimakterium bezeichnet. Die Symptome sind aber nur teilweise jenen des Klimakteriums der Frau ähnlich, sie treten vor allem protrahiert und nur bei etwa 20 Prozent der Männer auf“, betont Jungwirth. Geht es also Männern im „Wechsel“ besser als Frauen? In vieler Hinsicht schon. Bei Frauen am Ende ihres reproduktiven Lebensabschnittes findet sich eine zeitlich gut definierte Periode mit verminderter ovarieller Reservekapazität, Aussetzen der Regelblutung und damit verbunden mit einer Vielzahl hormoneller und physischer Beschwerden. Im Gegensatz dazu tritt beim Mann kein plötzlicher Verlust der Leydigzellfunktion auf. Auf Grund der langsam abnehmenden Testosteronproduktion ist es viel schwieriger, die Veränderungen beim alternden Mann zu diagnostizieren und zu therapieren. „Aus diesem Grund sollte man die Terminologie ‚männliche Menopause’, ‚männliches Klimakterium’ oder ‚Andropause’ nicht verwenden. Der sicherlich für dieses Krankheitsbild zutreffende Terminus ist das ‚Partielle Androgendefizienzsyndrom beim alternden Mann’, PADAM“, so Jugwirth. Wie auch immer benannt, Männer können auch mit dem sehr langsamen Rückgang des Testosteronspiegels Probleme bekommen, selbst wenn es nur Lifestyle-Probleme sind. „Der Wissensstand über den Hypogonadismus des alternden Mannes ist noch sehr gering und auch Richtlinien für den Beginn einer Therapie sind unzureichend“, weiß der Urologe.

Subjektive Probleme

Auf Grund bisheriger Messungen weiß man, dass etwa sieben Prozent der Männer unter dem 60. Lebensjahr, aber mehr als 70 Prozent der Männer über dem 60. Lebensjahr an einem Hypogonadismus leiden. Anderseits gibt es Studien, wonach etwa 70 Prozent der 80-Jährigen noch Testosteronwerte von 20-jährigen jungen Männern haben. PADAM ist also kein sehr verbreitetes Männerleiden, es wird oft auch nur subjektiv empfunden. Besonders gut hormonell ausgestattet sind attraktive, durchsetzungsstarke Männer, die „Bosse“, Ehemänner haben für gewöhnlich niedrigere Testosteronwerte als Singles, Priester haben von diesem Hormon meist relativ wenig. Die Ernährung spielt für die Stärkung der Manneskraft, wie es im Volks(aber)glauben oft versprochen wird, keine Rolle. Doch Ausdauersport regt die Testosteronbildung in den Hoden an und wirkt daher auch potenzfördernd. Auf Grund dieser individuellen Schwankungen ist es oft schwer, krankhafte oder abnorme Veränderungen als Indikation für eine Hormontherapie festzulegen. Für die hormonelle Abklärung empfiehlt Jungwirth u.a. die Untersuchung des Serumtestosteronwertes, des luteinisiernden Hormons, des follikelstimulierenden Hormons, Prolaktin und unbedingt des prostataspezifischen Antigens (PSA-Wert), um kein Prostatakarzinom zu übersehen.

Oft nur diffuse Anzeichen

Anzeichen von PADAM, nach denen der Arzt fragen sollte, sind •  Libidoverlust, Verschlechterung der Erektilität;
• psychische Veränderungen, Abnahme der physischen und intellektuellen Aktivität, Depression, Reizbarkeit;
• Abnahme der Körperbehaarung, Verminderung der Muskelmasse und der Leistungsfähigkeit;
• Abnahme der Knochendichte, Zunahme des viszeralen Fettes.
Da diese Beschwerden oft sehr subjektiv empfunden werden, ist es für den Arzt eine Herausforderung, daraus die richtige Diagnose und Therapie abzuleiten. Eine adäquate Androgensubstitution bei hypogonadotropen Krankheitsbildern des Mannes ist nicht leicht, da einerseits eine Langzeittherapie notwendig ist, anderseits aber die Halbwertzeit von Testosteron im Serum mit 13 Minuten sehr kurz ist. Zur Androgen-Substitution stehen derzeit vier Darreichungsformen zur Verfügung (siehe Kasten).
Die orale Testosteron-Ersatztherapie hat Vorteile hinsichtlich der angenehmen Darreichungsform, das Hormon wird allerdings im Gastrointestinaltrakt sehr rasch absorbiert. Es ist daher unerlässlich, gleichzeitig fettreiche Nahrung zu sich zu nehmen. Die intramuskuläre Testosteronsubstitution ist laut Jungwirth sehr effektiv und stellt den „Goldstandard“ dar. Der Vorteil liegt darin, dass nur mehr alle drei Monate eine Injektion von 1.000 Milligramm Testosteron Undecanoat verabreicht werden muss. Der Patient sollte aber aufmerksam gemacht werden, dass nach der Injektion kurzfristig Schmerzen auftreten können. Das transdermale Testosteron stelle die physiologischste Applikation dar, entweder mit Gel oder Pflaster. Vorsicht sei jedoch bei der Verwendung von Gel geboten, es kann auch auf die Partnerin übertragen werden. Die subkutanen Implantate haben, wie Jungwirth meint, den Vorteil, dass man mit dieser Applikation natives Testosteron verwenden kann und der physiologische Serumspiegel für vier bis fünf Monate ausreicht. Sechs Stück dieser Implantate zu 100 Milligramm werden subkutan im Hüftbereich mit einem kleinen chirurgischen Eingriff unter lokaler Betäubung implantiert.

Qual der Therapiewahl

„Eine medizinisch induzierte Hormonersatztherapie kann jedenfalls den Gesundheitszustand und die Lebensqualität verbessern“, betont Jungwirth. So sollen Herz und Kreislauf gestärkt werden, womit auch die Leistungsfähigkeit ansteige, die Antriebskraft komme wieder und damit auch die Libido, der Knochenabbau werde gehemmt. Die genaue Indikationsstellung und die Wahl der richtigen Therapie ist allerdings nach wie vor eines der interessantesten Forschungsziele der Andrologie.

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