zur Navigation zum Inhalt
 
Urologie 22. November 2006

Das Skalpell hat in der Kontrazeption ausgedient

Neue unblutige Methoden verhelfen der Samenleiterunterbindung zu einer neuen Popularität und unterstützen den Mann beim Umdenken.

Verhütung und Frauen. Das ist – ebenso wie Tom und Jerry, Dolce und Gabbana sowie Pontius Pilatus und Händewaschen – untrennbar miteinander verknüpft. Bis jetzt, denn langsam sickert durch, dass Verhütung auch Männersache ist. Zumeist denken die Männer in diesem Zusammenhang eher an die „Pille für den Mann“. Also an eine Methode, die sich noch in der klinischen Erprobung befindet. Auch das Kondom konnte sich in der erotischen Welt des Mannes nur bedingt etablieren. An eine Vasektomie denken Männer aber sehr ungern. „Kein Wunder, denn der Eingriff wird noch mit Begriffen wie Sterilisation und Kastration verknüpft“, erklärte bei einer Pressekonferenz Anfang November in Wien der Psychologe Mag. Wolfgang Kostenwein, Leiter des Österreichischen Institutes für Sexualpädagogik. Dem Mann aber die Zeugungsfähigkeit zu nehmen, beschädigt die Vision von der eigenen Potenz. „Wer die Vasektomie als Verhütungsmethode etablieren will, sollte sich daher Zeit für ein ernsthaftes Beratungsgespräch nehmen, in dem auch die sexuelle Selbstsicherheit gestärkt wird. Wichtig dabei ist es, den Männern die Übernahme der Verantwortung für die Verhütung als wichtigen Faktor sexueller Kompetenz bewusst zu machen“, führte Kostenwein aus.

Aufgeklärte Männer

Aber die Bemühungen der Vasektomie, ein besseres Image zu geben, zeigen bereits erste Früchte, meinte zumindest Elke Graf, Geschäftsführerin vom pro:woman Ambulatorium für Sexualmedizin und Schwangerenhilfe. Bei einer kürzlich durchgeführten Online-Umfrage auf der ambulanzeigenen Webseite (www.prowoman.at) erklärten fast 85 Prozent von 500 befragten Männern, dass Verhütung nicht allein Sache der Frau sein sollte. 65 Prozent zeigten sich einsichtig, dass auch der Mann mehr Verantwortung übernehmen muss. In dem freilich speziell aufgeklärten Kollektiv erwogen 63 Prozent ernsthaft eine Vasektomie. Diese Männer sind freilich informiert und wissen, dass sich die Vasektomie weder auf die männliche Potenz, den Testosteronhaushalt noch auf die Libido nachteilig auswirkt. Gefördert wird die positive Einstellung hinsichtlich dem Eingriff aufgrund des einfachen Procedere. Die neu entwickelte Form der Vasektomie wird unter Lokalanästhesie ohne Skalpell mit Spezialinstrumenten durchgeführt („No-Scalpel-Vasectomy“) und dauert lediglich rund 20 Minuten. Übrig bleibt bei verschwindendem Blutverlust eine minimale Hautöffnung, die nicht einmal genäht werden muss, und ein sauber durchtrennter Samenleiter. „Der Patient ist nach kurzer Zeit wieder vollkommen fit und muss nur eine Woche lang auf größere körperliche Anstrengungen und sexuelle Aktivitäten verzichten“, zeigte sich pro:woman-Urologe Dr. Norbert Häusler von der neuen Technik begeistert. Die Vasektomie gehört zu den sichersten Verhütungsmethoden, die Wahrscheinlichkeit für eine Rekanalisation und somit erneute Zeugungsfähigkeit liegt bei knappen 0,02 Prozent.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben