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Urologie 18. Juli 2006

Wenn die Hormone weniger werden

Ein verminderter Testosteronspiegel beim alternden Mann führt zu einem allgemeinen, signifikanten Leistungsabfall.

Über 50-jährige Männer leiden in etwa 20 bis 30 Prozent an einem Hypogonadismus“, erläutert der Salzburger Urologe Doz. Dr. Andreas Jungwirth. Dieser Late-Onset-Hypogonadismus kommt, so der Experte, durch die verminderte LH-RH-Sekretion (Luteinisierendes-Hormon-Releasing-Hormon) im Alter zustande. Dadurch werde luteinisierendes Hormon (LH) mit geringerer Frequenz und Amplitude ausgeschüttet und in weiterer Folge die Synthese von Testosteron in den Leydigzellen reduziert. „Gleichzeitig steigt die Produktion von sexualhormonbindendem Globulin im Alter signifikant an, wodurch der Anteil des freien bzw. biologisch aktiven Testosterons absinkt“, so Jungwirth. Neben dem Alter wird der Testosteronspiegel auch vom allgemeinen Gesundheitszustand beeinflusst. Denn auch der Bauchumfang spielt eine Rolle, so der Münchner Anti-Aging-Spezialist Dr. Michael Klentze. Laut Klentze weisen sehr schlanke, nicht-athletische Männer die höchsten Testosteron-Konzentrationen im Blut auf, gefolgt von athletischen Männern mit geringem Bauchumfang (aber relativ hohem BMI). Die niedrigsten Werte finden sich bei nicht-athletischen Männern mit Bauch. Jungwirth bekräftigt: „Es ist eher die Abnahme des Testosterons, die zum Auftreten der PADAM-Symptomatik (Partielles Androgendefizit des alternden Mannes) führt, weniger der Absolutwert. Ideal wäre daher eine Testosteronmessung im 30. bis 40. Lebensjahr, um den Testosteron-Ausgangswert zu dokumentieren. Auf jeden Fall ist nicht so sehr der absolute Testosteronspiegel für die Indikationsstellung zur Hormonsubstitution entscheidend, sondern vielmehr die Symptomatik.“ Zu den Symptomen des PADAM zählen eine Abnahme der allgemeinen Leistungsfähigkeit, Muskelkraftreduktion, Körperfettzunahme, Konzentrationsschwierigkeiten, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Aggressivität, Depression, Schweißausbrüche, Osteoporose, Libidoverlust und Erektile Dysfunktion. „Zu bedenken ist, dass eine Vielzahl von anderen Erkrankungen, beispielsweise Diabetes mellitus, ähnliche Symptome macht und deshalb immer eine Differenzialdiagnose zu anderen Erkrankungen gestellt werden muss“, betont Jungwirth.

Das Alter ist kein Hindernis für die Substitutionstherapie

Entscheidend sei auch die Abgrenzung zur Depression, denn „sämtliche PADAM-Symptome finden sich auch bei der Depression und umgekehrt.“ Jungwirth: „Insgesamt ist eine klare Indikationsstellung für die Testosteronsubstitution unbedingt notwendig. Wenn allerdings die Diagnose Hormonmangel gestellt wird, sollte das Alter kein Hindernis für den Beginn einer Substitutionstherapie sein.“ Die Testosteronbehandlung bewirkt eine Erhöhung der Muskelmasse und der Muskelkraft, eine Verbesserung der Knochendichte sowie eine Verringerung des Bauchfetts (und damit eine Erhöhung der Glukosetoleranz). Auch ein Libidoanstieg bei entsprechender PADAM-Symptomatik wurde nachgewiesen. Zudem ist nach neueren Studien von positiven Wirkungen auf das kardiovaskuläre System auszugehen. Jungwirth: „Es konnte gezeigt werden, dass Testosteron einen vasodilatativen Effekt auf die Koronararterien hat. Weiters bewirkt das Hormon einen Abfall des LDL- sowie einen Anstieg des HDL-Cholesterins. Aus meiner Sicht sind gerade die Studien zu den Effekten auf das Herz-Kreislaufsystem enorm spannend, da wir ja erkannt haben, dass Herzinfarkt- und Apoplexiepatienten niedrige Gesamt-Testosteronwerte aufweisen.“

Stopp bei Prostataproblemen

Vor einer Testosterontherapie muss ein Prostatakarzinom ausgeschlossen werden. Zu erheben sind ein Rektalbefund, der PSA-Wert und ein Blutbild. Bei auffälligem Tastbefund und PSA-Werten über 4,0 ng/ml empfehlen Rhoden und Morgentaler eine Prostata-Biopsie (New England Journal of Medicine 2004). Relative Kontraindikationen für eine Testosteronbehandlung sind eine positive Familienanamnese (Prostatakarzinom von Vater bzw. Bruder) sowie eine hochgradig vergrößerte Prostata. Besonders wichtig ist auch eine regelmäßige Kontrolle des substituierten Patienten (anfänglich dreimonatlich, später alle sechs Monate). Dabei müssen erneut PSA-Wert, Blutbild und das Testosteron kontrolliert werden. „Unter genauer Beachtung der Indikation und der Kontraindikationen sowie bei sorgfältigem Monitoring stellt die Testosteronsubstitution eine sehr sichere Therapie dar“, resümiert Jungwirth. Die Testosteronbehandlung sollte mit Präparaten durchgeführt werden, die einen physiologischen Hormonersatz gewährleisten. Dies trifft auf Testosteron-Undecanoat-Kapseln, Testosteron-Gel, Testosteron-Implantate und Testosteron-Undecanoat als Depotpräparat (Nebido®) zu. „Die Langzeitsubstitution mit Nebidoy® hat die Testosterontherapie zweifellos revolutioniert“, so Jungwirth. „Schließlich benötigen die Patienten dadurch nur alle drei Monate eine Behandlung, was die Compliance deutlich erhöht.“

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