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Urologie 18. Juli 2006

Alternativmethoden zur Vorbeugung von HWI-Rezidiven

Resistente Darmbakterien, medikamentöse Nebenwirkungen und Durchbruchinfektionen können bei antibiotischer Langzeitprophylaxe rezidivierender HWI Probleme bereiten.

Drei bis vier Monate nach antibio-tischer Langzeitprophylaxe (LP) bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen (rHWI) weisen 40 bis 70 Prozent der Frauen ihre alte HWI-Frequenz auf. Die Suche nach Alternativen scheint daher aktuell und wichtig, wie W. Vahlensieck et al. (Urologe 2006 45:443-450) betonen. Durch allgemeine und spezielle Verhaltensempfehlungen wird etwa ein Drittel der Patientinnen infektfrei. Wiederholt Diskussionsstoff bietet die übliche Empfehlung der erhöhten Flüssigkeitszufuhr. Vor dem Hintergrund der erfahrungsgemäß häufig reduzierten Trinkmenge bei Frauen, insbesondere bei Vorliegen von Miktionsbeschwerden, sollte zwar auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit demzufolge ausreichender Harnproduktion und Miktionsfrequenz geachtet werden, extreme Flüssigkeitsmengen sind jedoch nicht zu empfehlen. Auch Kaffee oder Tee erhöhen das HWI-Risiko nicht.

Positive Wirkung von Beeren

Die regelmäßige Zufuhr von Fruchtsäfte, insbesondere aus Beeren sowie fermentierten Milchprodukten, die probiotische Bakterienstämme enthalten, kann die HWI-Wahrscheinlichkeit senken. Verschiedene Vaccinium-Arten (Moosbeere, Preiselbeere, Heidelbeere) senken durch den Gehalt an Proanthozyanidin und Fruktose die Bindungsfähigkeit von E. coli an der Urothelzelle. Eine signifikante Verringerung der Bakteriurierate um 42 Prozent durch 300 ml Cranberrysaft pro Tag wiesen Avorn et al. in einer prospektiven, randomisierten Doppelblindstudie über sechs Monate an 153 älteren Frauen (Durchschnittsalter 78,5 Jahre) nach. Bei Frauen im geschlechtsaktiven Alter konnte dieser Effekt mit einer Mischung aus Saft von Preiselbeeren und Moosbeeren ebenfalls nachvollzogen werden. In der täglichen Praxis stellt die Prophylaxe mit oralen, parenteralen oder lokalen Immunstimulanzien, z.B. Esberitox®, Uro-Vaxom®, eine Alternative für jene Patientinnen dar, bei denen eine Stärkung der Immunkompetenz sinnvoll erscheint und/oder eine Antibiotikaprophylaxe nicht durchgeführt werden kann. Die Behandlung kann auch in Kombination mit der Antibiotikaprophylaxe erfolgen.

Immunstimulation und Beeinflussung der Darmflora

Vielversprechende Ansätze gibt es für die Beeinflussung der bakteriellen Darmflora, eine allgemeine Immunstimulation durch Akupunktur, stationäre Rehabilitation sowie harnansäuernde Therapie. Wirksam ohne wesentliche Nebenwirkungen ist auch die am besten lokale Hormonsubstitution zur Prophylaxe bei Frauen in der Postmenopause. Allgemeine Hygienemaßnahmen scheinen aufgrund der Überlegung, dass durch bestimmte Verhaltensweisen eine Änderung der Flora resultiert oder pathogene Erreger an den Ort des Geschehens gelangen, sinnvoll. Entsprechende Empfehlungen sind bekannt: Händewaschen vor Toilettenbesuch, Abwischtechnik nach dem Stuhlgang von vorne nach hinten, keine Intimsprays oder -spülungen, die das natürliche saure Scheidenmilieu schädigen könnten, Baumwollunterwäsche etc. Wissenschaftlich nicht gesichert, aber sinnvoll sind auch Empfehlungen, die auf positiven Erfahrungen in der Onkologie basieren. Dazu gehört die allge-meine Immunstimulierung durch lektinreiche pflanzenbetonte Kost, regelmäßige sportliche Aktivität und psychosoziale Maßnahmen wie Pflege von Sozialkontakten und eine positive Lebenseinstellung.

Auszugsweise aus:
W. Vahlensieck et al., Urologe 2006 45:443-450

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