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Urologie 18. Juli 2006

Harnwegsinfekt in der Schwangerschaft

Unterbleibt die korrekte Therapie eines HWI in der Schwangerschaft, so kommt es in etwa 50 Prozent zur Pyelonephritis sowie eventuellen Komplikationen.

Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft und der Druck des graviden Uterus können die Blasenentleerung beeinträchtigen und zu vesikorenalem Reflux führen, Faktoren, die zu HWI auch mit Beteiligung des oberen Harntrakts prädisponieren. Die meisten akuten HWI in der Schwangerschaft präsentieren sich als akute Zystitis. Üblicherweise wird eine 7-Tage-Therapie mit einem beta-Laktam-Antibiotikum empfohlen. Fosfomycin-Trometamol (3 g Einmaldosis) oder orale Cephalosporine der Gruppe 2 oder 3 (z. B. Ceftibuten 400 mg einmal pro Tag) könnten für eine Kurzzeittherapie auch in Frage kommen. Ansonsten wird eine Therapie mit Amoxicillin oder Cephalexin empfohlen. Folgeurinkulturen nach Therapie sollen eine Eradikation nachweisen.

Risiken für Feten und Mutter

Die akute Pyelonephritis entsteht hauptsächlich im letzten Trimester der Schwangerschaft. Die klinischen Zeichen ähneln jenen nicht schwangerer Patientinnen, Komplikationen sind bei rechtzeitiger effektiver Behandlung gering. Von Bedeutung sind etwaige zugrunde liegende komplizierende Faktoren und bei nicht sachgerechter Therapie ein Risiko für den Feten und die Mutter, wie vorzeitige Geburt und perinatale Mortalität. Empfohlene Antibiotika sind Cephalosporine der 2. und 3. Generation, geschützte Aminopenicilline oder Aminoglykoside. Chinolone und Tetrazykline sind in der gesamten Schwangerschaft, TMP im 1. und Sulfonamide im 3. Trimester kontraindiziert. Bei verzögerter Heilung und Dilatation des oberen Harntraktes sollte die Einlage einer Doppel-J-Schiene erwogen werden.

Asymptomatische Bakteriurie

Studien konnten zeigen, dass bei 20 bis 40 Prozent der Schwangeren mit asymptomatischer Bakteriurie (ASB) eine Pyelonephritis auftritt und dass eine Therapie der ASB das Risiko senkt. Es wird deshalb allgemein empfohlen, in der frühen Schwangerschaft mit einer Urinkultur nach einer ASB zu suchen und bei positivem Befund zu behandeln. Mit einem solchen Screeningprogramm konnte eine deutliche Senkung der Pyelone­phritisinzidenz erreicht werden. Um eine unnötige Behandlung zu vermeiden, sollte eine ASB nur diagnostiziert werden, wenn in zwei aufeinander folgenden Urinproben eine Bakteriurie mit einer Keimzahl von =105/ml mit dem gleichen Erreger nachgewiesen wurde. Die Behandlung der ASB erfolgt antibiotisch entsprechend der Empfindlichkeitstestung für 5 bis 7 Tage. Bis 40 Prozent aller wegen Bakteriurie behandelten Schwangeren erleiden ein Rezidiv. Über das reguläre, in der Mutterschaftsvorsorge verankerte HWI-Screening hinaus wird deshalb bei bzw. nach asymptomatischer Bakteriurie oder Zystitis eine monatliche Urinkultur empfohlen. Bei hohem Risiko sollte eine Langzeitprophylaxe eingeleitet werden. Risikofaktoren stellen eine Anamnese von rezidivierenden HWI, Pyelonephritis (Rezidivrate der akuten Pyelonephritis in der Schwangerschaft 20 bis 30 Prozent), oder Infektionen mit ungewöhnlichen oder multiresistenten Keimen dar. Zur Langzeitprophylaxe in der Schwangerschaft wird Cephalexin empfohlen.

Auszugsweise aus:
F. Wagenlehner et al., Urologe 2006 45:429-435; und M. Ludwig et al., Urologe 2006 45:436-442

 

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