zur Navigation zum Inhalt
 
Urologie 18. Juli 2006

Mit Preiselbeeren gegen Escherichia coli

Schon die Indianer Amerikas verwendeten Cranberries (Vaccininium macrocapon, Preiselbeeren) als Nahrungsquelle und für medizinische Zwecke.

Harnwegsentzündungen zählen zu den häufigsten Infektionen, vor allem bei Frauen. Aber auch bei Männern kann beispielsweise durch Restharn in der Blase (z.B. bei vergrößerter Prostata), der einen guten Nährboden für Bakterien darstellt, oder nach Prostata-OP die Infektionsempfindlichkeit der Harnwege erhöht sein. Trotz Antibiotikabehandlung kommt es bei vielen Betroffenen zu einem Rezidiv. Rezidivierende Harnwegsinfekte mindern nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern erhöhen auch die Gefahr einer Nierenbeteiligung.

Häufigster Erreger E. coli

Häufigster Auslöser rHWI ist das Bakterium Escherichia coli aus dem eigenen Darmtrakt. Der bewegliche Keim kann über die Harnwege aufsteigen und hier Infektionen der Harnröhre, Harnblase bis zu den Nieren verursachen. Gerade in der Langzeitprophylaxe sind jedoch dem Einsatz von Antibiotika durch Unverträglichkeiten, Resistenzbildungen, Schädigung der Darm- und Vaginalflora und der Entwicklung von Mykosen oft Grenzen gesetzt. Als komplementärmedizinische prophylaktische Maßnahme gegen Harnwegsentzündungen hat sich die regelmäßige Zufuhr von Preiselbeerpräparaten bewährt. Durch den Gehalt an Proanthozyanidin und Fruktose hemmen Preiselbeeren (in Amerika Cranberry) die Bindungsfähigkeit von E. coli an der Urothelzelle. Auch die Adhärenz Antibiotika-resistenter Keime an der Schleimhaut der Harnwege kann vermindert werden.

Wirkung in Studien belegt

Die Wirkung der Preiselbeeren ist durch eine Reihe von Studien belegt. Amy B. Howell et al. testeten insgesamt 39 uropathogene E. coli-Isolate (JAMA 2002; 287:3083). 62% davon waren resistent gegen Trimethoprim-Sulfamethoxaozol. Alle Isolate wurden im 12-Stunden-Harn gesunder Frauen vor und nach Konsumation von 240 ml Cranberry-Saft sowie in einem Cranberry-Proanthocyanidin-Extrakt inkubiert und anschließend deren Adhäsionsfähigkeit in Zellreihen geprüft. Es zeigte sich, dass nach Konsumation von Cranberry-Saft die Adhäsion 80% aller Isolate und 79% der Antibiotika-resistenten Keime verhindert werden konnte. Hingegen war die Bindungsfähigkeit der Bakterien im Harn der Frauen vor Zufuhr des Preiselbeersaftes unbeeinflusst. Die Wirkung trat zwei Stunden nach Trinken des Saftes ein und war über zehn Stunden nachweisbar. Im Proanthocyanidin-Extrakt wurde die Adhäsion aller Isolate gehemmt. Die Effektivität verschiedener Preiselbeerprodukte zur Vermeidung von HWI bestätigten auch Lynn Stothers et al. in einer randomisierten Studie, in der Cranberry-Saft sowie Cranberry-Tabletten gegenüber Placebo geprüft wurden (Canadian Journal of Urology 2002;9:1558-1562). Preiselbeerpräparate werden in Österreich von der Fa. Caesaro-Med (www.caesaro-med.at) für jeden Bedarf angeboten: Als Tabletten (Preisel-San®), geschmacksneutrale Kapseln (Preisel-Caps®) und als Fruchtsaft bzw. -konzentrat.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben