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Urologie 18. Juli 2006

Radikale Prostatektomie in Österreich

Laut österreichweit durchgeführter Studie war das Gesamtüberleben nach Radikaler Prostatektomie mit der alterskorrigierten männlichen Bevölkerung ident.

Die radikale Prostektomie (RPE) gilt seit etwa zwei Dekaden als die Methode der Wahl für Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom und einer Lebenserwartung von zumindest zehn Jahren. Während die onkologische Effizienz vor allem für jüngere Patienten unbestritten ist, so ist die Morbidität der Operation nach wie vor ein Thema. Obwohl chirurgische Serien aus Exzellenzzentren meist sehr ermutigende Daten hinsichtlich postoperativer Kontinenz und erektiler Funktion berichten, zeigen Ergebnisse von direkten, Arzt-unabhängigen Patientenbefragungen (z.B. Medicare-Daten aus den USA) eine deutlich höhere Morbidität. Kürzlich publizierte US-Daten suggerieren, dass RPEs so genannter high-volume Operateure eine niedrigere Morbidität haben. Landesweite Daten würden diesen Bias ausschalten und deshalb ein realistischeres Bild der RPE ermöglichen. Seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts sammelt das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheit (ÖBIG) zentral Daten aus allen öffentlichen Spitälern Österreichs und ermöglicht deshalb landesweite Analysen. In die folgende Analyse gingen alle RPEs (n= 16.524), die in öffentlichen Spitälern Österreichs zwischen 1992 und 2003 operiert wurden, ein. Öffentliche Spitäler decken etwa 95 Prozent aller Operationen in unserem Land ab.

Sechsfache OP-Zunahme

Die Anzahl der jährlich durchgeführten RPEs stieg von 396 im Jahre 1992 auf 2.640 im Jahre 2003 (+666 %) an. Das Durchschnittsalter sank leicht von 64,4 Jahre im Jahre 1992 auf 62,2 Jahre 2003. Der Prozentsatz der zum Zeitpunkt der Operation unter 50-Jährigen stieg kontinuierlich auf 4,9% an, parallel dazu sank der Anteil der über 70-Jährigen auf 13,1%. Insgesamt erhielten 1,6% der Männer (n = 266) einen artifiziellen Sphinkter und bei 8,5% (n = 1.400) wurde ein endourologischer Eingriff wegen einer Anastomosenenge durchgeführt. Das Risiko für beide Eingriffe stieg deutlich mit dem Alter an. So hatten die über 75-Jährigen ein 5-fach höheres Risiko für einen artifiziellen Sphinkter als die unter 50-Jährigen. Das kumulative Risiko für eine inguinale Herniotomie betrug 6,5%. Innerhalb des ersten Jahr nach RPE hatten 2,5% eine inguinale Herniotomie, nach fünf Jahren mussten sich 6% einer Herniotomie unterziehen. Wir verglichen diese Daten mit 40.804 Männern, die im gleichen Zeitraum in Österreich eine Cholezystektomie hatten. In dieser Population betrug die kumulative Inzidenz für eine Herniotomie 4,9%, somit hatten Patienten nach RPE ein etwa 30% erhöhtes Risiko für eine Herniotomie. Die perioperative Mortalität (< 30 Tage) betrug 0,12%. Haupttodesursachen waren Myokardinfarkt und Pulmonalembolien. Die Daten belegen das exzellente mittelfristige Überleben nach RPE, der maximale Follow-up betrug 12 Jahre. Das Gesamtüberleben nach fünf Jahren betrug wie folgt: 50-59a: 95%, 60-69a: 89,8%, 70-79a: 82%; die entsprechenden Zahlen für das Gesamtüberleben nach zehn Jahren waren: 77%, 72% und 64%. Diese Überlebensdaten sind nahezu ident zur alterskorrigierten männlichen Bevölkerung in Österreich.

?Doz. Dr. Stephan Madersbacher,
Abteilung für Urologie und Andrologie, SMZ-Ost

Quelle: WMW Skriptum, Jahrgang 3, Heft 5.06

 

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