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Urologie 18. Jänner 2006

BPH: Lebensqualität oft erheblich beeinträchtigt

Rund 70 Prozent aller Männer über 60 Jahren weisen eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) auf. Studien zufolge fühlen sich die Betroffenen am meisten durch irritative Symptome wie plötzlichen Harndrang und häufige nächtliche Miktion gestört.

„Eine Studie von Garraway et al. zeigte sehr schön, dass Patienten mit benigner Prostatahyperplasie häufig auf vieles verzichten, weil sie etwa Angst vor plötzlichem Harndrang haben“, sagte der Urologe Prof. Dr. Georg Schatzl, Univ.-Klinik für Urologie am AKH Wien, anlässlich eines von GlaxoSmithKline unterstützten Symposiums im Rahmen der 31. Gemeinsamen Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie und der bayerischen Urologenvereinigung Anfang Juni in Linz.

Vermeidungshaltung

15 Prozent der befragten BPH-Patienten gaben an, nicht mehr ins Kino oder ins Theater zu gehen. In der gesunden Vergleichsgruppe waren es nur 6,7 Prozent. 32,4 Prozent der BPH-Patienten meiden Plätze ohne öffentliche Toiletten. Von der gesunden Vergleichsgruppe gaben nur 13,2 Prozent an, dies zu tun. „Besonders eindrucksvoll zeigte sich in dieser Arbeit, dass fast 35 Prozent der BPH-Patienten die Flüssigkeitsaufnahme vor dem Schlafengehen einschränken“, erläuterte Schatzl. „In der Vergleichsgruppe gaben dies nur 18,4 Prozent der Befragten an“ (s. Abb.). BPH ist häufig, und sie ist belastend. „Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer BPH haben Männer, die einen PSA zwischen 3,3 und 9,9 aufweisen, das ergab eine von Röder et al. publizierte Studie“, stellte Schatzl weiter fest.

BPH: Ernst zu nehmende Erkrankung

Wird die BPH nicht behandelt, kann es zu Komplikationen wie Harnwegsinfektionen, Harnverhalten und sogar Nierenversagen kommen. So steigert beispielsweise ein Restharnvolumen von über 50 ml das Risiko für einen akuten Harnverhalt auf das Dreifache. International gültige Behandlungsrichtlinien, wie sie von dem Urologen Doz. Dr. Stephan Madersbacher von der Abteilung für Urologie am Wiener Donauspital vorgestellt wurden, sehen exakt aufeinander abgestimmte Behandlungsschritte vor. Dazu gehört Watchful Waiting bei milder Symptomatik, kleiner Prostata, niedrigem PSA und niedrigem Progressionsrisiko. „Auch bei milder Symptomatik, aber größerer Prostata, höherem PSA und höherem Progressionsrisiko wird diese Therapiestrategie empfohlen“, sagte Madersbacher, „allerdings sollten die Kontrollen in diesen Fällen engmaschiger sein.“

Gezielte Behandlung

Weist der Patient mäßige bis schwere Symptome auf (International Prostate Symptom Score, IPSS>7), steht die medikamentöse Therapie im Vordergrund. „Dabei“, so stellte Schatzl in seinem Vortrag weiter fest, „nehmen Phytopharmaka in den vergangenen zehn Jahren einen immer geringer werdenden Anteil an den Medikamentenverschreibungen zur Therapie der BPH ein.“ Im Mittelpunkt der Verordnungen stehen heute Alphablocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer. Alpha­blocker kommen bei mäßigen bis schweren Symptomen vor allem dann zum Einsatz, wenn es in erster Linie um eine symptomatische Therapie geht und das Risiko für eine Operation gering ist. „5-Alpha-Reduktasehemmer wie etwa Dutasterid (Avodart®) dagegen wirken nicht nur auf die Symptome der BPH und verbessern damit auch die Harnflussrate, sondern bewirken durch die Verkleinerung der Prostata auch eine kausale Therapie über den hormonalen Mechanismus“, stellte Schatzl weiter fest. Bei einer vergrößerten Prostata > 30 ml sollte ein 5-Alpha-Reduktasehemmer wie Dutasterid gegeben werden. Die Wirksamkeit einer Langzeittherapie mit einem 5-Alpha-Reduktasehemmer zur Verringerung des Progressions- und Komplikationsrisikos bei BPH zeigt eine Studie über vier Jahre von Debruyne et al., in der Dutasterid mit Placebo verglichen wurde. Auch in der Arbeit von Roehrborn et al. wurde der 5-Alphareduktasehemmer Dutasterid gegen Placebo verglichen.

Langzeittherapie mit Dutasterid sinnvoll

„Die primären Endpunkte waren die Wirksamkeit, Änderungen im International Prostate Symptom Score (IPSS) und das Auftreten von Harnverhaltung“, erläuterte Schatzl die Arbeit. Sekundäre Endpunkte waren Prostatavolumen, Harnfluss, Sicherheit und Verträglichkeit. 4.325 Männer mit BPH wurden in die Studie aufgenommen. „Nach 24 Monaten Dutasterid-Therapie zeigte sich eine Reduktion des Auftretens des Harnverhalts um 57 Prozent“, fasste Schatzl die Ergebnisse der Studie zusammen. „Das Risiko einer chirurgischen Intervention sank um 48 Prozent.“ Auch das Prostatavolumen in der Dutasterid-Gruppe verringerte sich signifkant, was auch den Harnfluss um durchschnittlich 2,2 ml/sek. verbesserte. Über Nebenwirkungen wie etwa Impotenz, reduzierte Libido, Ejakulationsstörungen und Gynäkomastie wurde berichtet, wobei die Nebenwirkungsrate in der Dutasterid-Gruppe bei 19 und in der Placebo-Gruppe bei 14 Prozent lag. „Die meisten Nebenwirkungen waren allerdings vorübergehend und verschwanden im Laufe der Therapie“, sagte Schatzl abschließend.

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